»kfz-betrieb« Auto-Check: Renault Espace

Autor: Jan Rosenow

Der französische Luxusliner soll gleichzeitig Van, SUV und unkonventionelle Oberklasselimousine sein und erinnert deshalb mehr an den verblichenen Vel Satis als an den früheren Espace.

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Moderne (Fahrzeug-)Architektur: der neue Renault Espace.
Moderne (Fahrzeug-)Architektur: der neue Renault Espace.
(Foto: Rosenow)

Renault ist immer wieder für Überraschungen gut. Der seit 2015 angebotene Espace der fünften Generation etwa hat sich von seinen Van-Wurzeln soweit entfernt wie das iPhone von einem alten Siemens-Handy. Die Mischung aus Designmerkmalen von Van und SUV mit dem Komfort einer Oberklasse-Limousine macht den Crossover weniger zum Nachfolger des ebenso pragmatischen wie erfolgreichen Familientransporters Espace als vielmehr zum Wiedergänger einer weit glückloseren Renault-Schöpfung: des von 2002 bis 2009 in rund 62.000 Exemplaren gebauten Vel Satis. Mit seiner niedrigen Fensterlinie und den riesigen Rädern wirkt er viel bulliger und muskulöser als der letzte eigenständige Oberklasseversuch der Franzosen, aber die konzeptionelle Ähnlichkeit ist nicht zu übersehen.

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Bei den Kunden kommt der Neue ganz gut an: Im ersten Verkaufsjahr 2015 entschieden sich rund 2.400 Käufer für den Luxusliner – gegenüber weniger als 1.000, die 2014 den noch viel nüchterneren Espace-Vorgänger kauften. Ob es sich für Renault allerdings langfristig auszahlt, das Segment der Fullsize-Vans zu verlassen und das Feld dem Ford Galaxy und VW Sharan zu überlassen, wird sich zeigen.

Zu viel Downsizing im Motorraum

Doch nun zum Testwagen: Renault hatte der Redaktion »kfz-betrieb« den Espace in der Ausstattungsvariante Initiale Paris zur Verfügung gestellt. Für den Antrieb sorgt der stärkere der beiden 1,6-Liter-Turbodiesel, der 118 kW/160 PS erzeugt und 380 Newtonmeter Drehmoment an das Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe von Getrag weiterreicht.

Der Wagen ist übrigens ausschließlich mit 1,6-Liter-Vierzylindern ausgestattet – entweder als Diesel oder Benziner. Das ist Downsizing in Perfektion – der Vorgänger besaß ähnlich wie der Vel Satis noch hubraumstarke Sechszylinder.

Doch wahre Souveränität kommt selbst mit dem stärksten Diesel nicht auf: Im Stadtverkehr noch durchaus agil, fehlt es ihm ein wenig an Leistungsreserve für schnelle Autobahnetappen – erst recht bei voller Beladung. Wenn Renault sich ernsthaft mit den Konkurrenten der 50.000-Euro-Liga messen will, dann müsste noch ein stärkerer Motor her.

Das komfortabel ausgelegte Doppelkupplungsgetriebe hingegen macht seinen Job gut, und der Motor ist sehr laufruhig und mit rund sieben Litern auf 100 Kilometern im »kfz-betrieb«-Alltagsbetrieb durchaus sparsam.

Bedienkonzept mit manchen Eigenheiten

Der Fahrer schaut auf ein aufgeräumtes Cockpit, dessen Zentraldisplay sich in unterschiedlichen Farben und Stilen darstellen lässt. Die meisten Funktionen bedient er auf einem großen Touchscreen, der wie bei Tesla im Hochformat angeordnet ist.

Die Menüstruktur erschließt sich allerdings nicht ohne Weiteres, etwas Eingewöhnung ist nötig. Das liegt auch daran, dass die Renault-Entwickler teils eigene Bezeichnungen oder Kürzel verwenden. So bezeichneten sie das Digitalradio im Entertainmentsystem nicht mit der gebräuchlichen Abkürzung DAB, sondern mit DR – das muss man erst einmal wissen.

Überraschend angesichts des Namens (zu deutsch „Platz“ oder „Raum“) ist das geringe Platzangebot. Vor allem an Kopffreiheit fehlt es. Auch wenn der Espace kein Van mehr sein soll – konventionelle Limousinen- oder Kombikonkurrenten bieten mehr Sitzraum, von SUV ganz zu schweigen. Immerhin hat der Franzose einen 680 Liter großen Kofferraum (in der fünfsitzigen Variante). Auf Wunsch gibt es eine dritte Sitzreihe im Fond.

Der Espace DCI 160 kostet als Initiale Paris 46.600 Euro. Mit Extras wie unter anderem einem adaptiven Tempomaten und einem Panorama-Glasdach kam der Testwagen auf 50.490 Euro.

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 Jan Rosenow

Jan Rosenow

Ressortleiter Service & Technik, Vogel Communications Group