»kfz-betrieb« Auto-Check: Renault Talisman Grandtour TCE 200

Autor: Jan Rosenow

Der große Kombi beförderte die »kfz-betrieb«-Jury auf ihrer Rundreise zu den Service-Award-Bewerbern und legte dabei genau 2.222 Kilometer zurück. Unterwegs zeigte der Renault Talisman viele Stärken, aber auch ein paar Schwächen.

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Hoppla, hier komm ich: Der Renault Talisman wirkt von vorn ziemlich wuchtig.
Hoppla, hier komm ich: Der Renault Talisman wirkt von vorn ziemlich wuchtig.
(Bild: Rosenow / »kfz-betrieb«)

Die Juryrundreisen zu den Bewerbern der »kfz-betrieb«-Awards gehören zu den schönsten Erlebnissen im Redaktionsalltag. Denn hier bekommt der Redakteur direkten Kontakt zu den besten Autohäusern Deutschlands, und es ist eine Freude, sich von deren positivem Spirit anstecken zu lassen.

Allerdings ist die Freude nur halb so groß, wenn er mit schmerzendem Rücken und tauben Ohren ankommt, weil der Reisewagen nichts taugt. Schließlich sind die Bewerber üblicherweise über ganz Deutschland verteilt, was die Juroren zu vielen Hundert Autobahnkilometern pro Tag zwingt. Also spielt die Wahl des richtigen Transportmittels eine wichtige Rolle für das Gelingen der Tour.

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Umso gespannter waren wir, wie sich der Renault Talisman Grandtour auf der Rundreise zum diesjährigen Service Award schlagen würde. Auf dem Papier brachte der Kombi gute Voraussetzungen mit: generöses Platzangebot, das Versprechen typisch französischen Federungskomforts, einen starken Motor samt Automatikgetriebe und jede Menge Kofferraum. Auf den insgesamt 2.222 Kilometern zwischen Würzburg, Berlin, Ahaus und Mindelheim konnte der große Franzose die meisten seiner Versprechen einlösen.

Aber der Reihe nach: Mit knapp 4,90 Metern Länge ist der Talisman dem klassischen Mittelklasserahmen längst entwachsen – wie die meisten seiner Konkurrenten auch. Und in der Tat finden drei erwachsene Jurymitglieder mehr als ausreichend Platz vor. Der Kofferraum fasste das Reisegepäck und die vielen Jury-Unterlagen ebenfalls ohne Probleme. Selbst voll beladen und bei hohen Geschwindigkeiten blieb das Fahrverhalten jederzeit sicher und souverän, wenngleich der Federungskomfort nicht so ausgeprägt war, wie man das bei einem französischen Auto unwillkürlich erwartet. Aber das liegt sicher auch an den 19-Zoll-Rädern des Testwagens.

Dafür hat das Fahrwerk ein anderes Schmankerl zu bieten: Durch die Vierradlenkung „4 Control“ verringert sich der Wendekreis. Während andere Fronttriebler mit großem Radstand sonst die Wendigkeit eines Binnenschiffs besitzen, lässt sich der Talisman auf engen Händlerhöfen problemlos in jede Parklücke zirkeln. Und auf der Bahn, wo 4 Control die Hinterräder parallel zu den Vorderrädern bewegt, wird das Fahrverhalten vor allem bei raschen Spurwechseln deutlich sicherer. Das I-Tüpfelchen auf den insgesamt hohen Reisekomfort setzten die sehr bequemen Sitze.

Geringerer Spritverbrauch als befürchtet

Ungewöhnlich für die Fahrzeugklasse war die Motorisierung mit einem leistungsstarken Benziner – oder sollten wir uns besser schon daran gewöhnen? Der 1,6-Liter-Otto mit Turbolader und Direkteinspritzung versprach mit 147 kW/200 PS muntere Fahrleistungen. Allerdings liegt sein Drehmoment mit 260 Newtonmetern deutlich unter dem eines vergleichbaren Selbstzünders.

Mit drei Redakteuren und deren Gepäck belastet, hatte der Downsizer mächtig zu schaffen. Aber zum Mitschwimmen auf der linken Spur reichte es immer, wenn auch das siebenstufige Doppelkupplungstriebe mitunter etwas in Hektik geriet. Das EDC-Getriebe nervte zudem mit einem ruckelnden Anfahrverhalten.

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Vollgas mit einem Turbobenziner auf der Autobahn – das riecht förmlich nach zweistelligen Verbrauchswerten. Aber so schlimm war es gar nicht: Auf der gesamten Rundreise tankten wir 194 Liter, das ergibt einen Durchschnittsverbrauch von 8,75 Litern auf 100 Kilometern.

Die Bedienung braucht etwas Eingewöhnung

Die Bedienung des Renault Talisman erfolgt im Wesentlichen über einen sehr großen, hochformatigen Touchscreen. Die Menüführung ist nicht auf Anhieb zu verstehen, und Übungen wie das Finden und Speichern von Radiosendern sollte man am Anfang besser bei stehendem Fahrzeug vornehmen. Das Eingeben von Navigationszielen hingegen geht mit etwas Übung schnell von der Hand, weil die Schaltflächen schön groß sind und die aktiv mitlaufende Suche schon nach zwei, drei Buchstaben das richtige Wort ergänzt. Gut gemacht.

Umso seltsamer ist es, dass es heute noch so ungenaue Tankuhren gibt wie im Renault Talisman. Wenn im Cockpit der Zeiger schon auf Null steht und die Reichweitenanzeige nur noch Striche meldet, sind noch zehn Liter im Tank – was soll denn das? Doch das sind Kleinigkeiten, an die man sich schnell gewöhnt. Insgesamt hat sich der Renault Talisman auf der Rundreise sehr gut geschlagen. Er kann es mit Konkurrenten wie dem VW Passat oder dem Ford Mondeo auf jeden Fall aufnehmen. Nur eines hat es nicht mehr: den typisch französischen Charme.

Der Testwagen hieß mit vollem Namen Renault Talisman Energy TCE 200 EDC und kam im Ausstattungsniveau Intens zu »kfz-betrieb«, das unter anderem LED-Scheinwerfer umfasst. Preis: 35.450 Euro. Zusammen mit einigen weiteren Extras wie der Allradlenkung 4 Control kam der Testwagen auf einen Preis von 39.250 Euro.

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Über den Autor

 Jan Rosenow

Jan Rosenow

Ressortleiter Service & Technik, Vogel Communications Group