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»kfz-betrieb«-Auto-Check: Toyota Yaris Hybrid

| Autor / Redakteur: Ottmar Holz / Ottmar Holz

Der Verkehr im urbanen Umfeld fließt meist zäh wie kalter Honig. Beim täglichen Stop-and-Go-Verkehr punktet der Yaris Hybrid mit umweltschonender Energieeffizienz.

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Die neue Fahrzeugfront im Katamaran-Design entspricht dem aktuellen Markengesicht von Toyota.
Die neue Fahrzeugfront im Katamaran-Design entspricht dem aktuellen Markengesicht von Toyota.
(Bild: Holz / »kfz-betrieb«)

Über 20.000 Käufer konnte Toyotas Bestseller 2017 für sich gewinnen, mehr als 12.100 und damit gut 59 Prozent von ihnen entschieden sich dabei für den Yaris Hybrid. Er ist das erfolgreichste Hybridmodell der Marke und glänzt im aktuellen Euro-NCAP-Crashtest mit fünf von fünf Sternen. Verantwortlich dafür ist auch das serienmäßige Toyota-Safety-Sense-Paket, das verschiedene Assistenten wie das Pre-Collision-System mit autonomer Notbremsfunktion (AEB), einen Spurhalte- und einen Fernlichtassistenten miteinander verbindet und so ein engmaschiges Sicherheitsnetz knüpft.

Ab der zweiten der insgesamt vier Ausstattungslinien ist zusätzlich eine Verkehrszeichenerkennung an Bord. Ob die optisch und akustisch sehr zurückhaltend agierenden Warnsysteme die Sicherheit tatsächlich steigern, bleibt abzuwarten: gerade vom Spurhalteassistenten bekommt der Fahrer wenig Rückmeldung.

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Wo bleibt der Fahrspaß?

Warum verkauft sich der Yaris Hybrid wie geschnitten Brot? Mit der neuen Front zieht der Yaris die Blicke auf sich. Das an einen Katamaran erinnernde Design mit dem prägnanten Kühlergrill kann man mögen – muss man aber nicht. An der Verarbeitung und optischen Anmutung des Innenraums gibt es nichts zu meckern, alle Bedienelemente sind an der ergonomisch optimalen Stelle – trotzdem stellt sich auf langen Strecken keine rechte Freude ein.

Als Reisewagen wurde dieses Fahrzeug nicht konzipiert: Die Fahreigenschaften und das Komfortangebot unseres 19.640 Euro teuren Testwagens fallen ernüchternd aus. Das Antriebsaggregat erledigt seinen Job insgesamt lustlos, und im Verbrennerbetrieb bei schnellerer Fahrt sowie beim Beschleunigen agiert der schon etwas betagte 1,5-Liter-Motor gequält und viel zu laut. Leider hat Toyota den neuen 1,5-Liter-Motor des Benziners dem Hybrid vorenthalten.

Gegen die bei schneller Fahrt laute Geräuschkulisse hilft auch das Soundsystem nicht, vor allem die Bässe klingen matschig. Der unzeitgemäße Dreiband-Equalizer hat für audiophile Ohren wenig zu bieten; so schaltet man die Musikbeschallung lieber aus und lauscht stattdessen dem Fahrtwind, der bei höheren Geschwindigkeiten vernehmlich ums Fahrzeug tost.

Der Fahrersitz kann einen groß gewachsenen Fahrer nicht überzeugen, denn die Lehne drückt vehement auf seine Schulterblätter und zwingt ihn dazu, einen unbequemen Rundrücken zu machen. Lange Beine fühlen sich im Yaris ebenfalls nicht wohl: Der Sitz lässt sich nicht besonders weit nach hinten stellen, trotzdem bleibt zwischen Rücklehne und hinterer Sitzbank wenig Platz für die Knie der Fondpassagiere.

Das unspektakuläre Zusammenspiel von Lenkung und Fahrwerk erzeugt beim Fahrer keine großen Glücksgefühle. Mit seinem relativ kleinen Wendekreis empfiehlt sich der Yaris für die Stadt. Durch Autobahnauffahrten und Landstraßenkurven fährt der kleine Japaner sicher; er animiert seinen Fahrer aber zu keinem Zeitpunkt, es mal ein wenig schneller angehen zu lassen.

Kernkompetenz Stadtverkehr

Die Lust am schnellen Fahren jenseits Tempo 100 wird vom Spritverbrauch getrübt. Trotz eines cW-Werts von 0,29 presst der Yaris dann bis zu neun Liter und mehr durch seine Einspritzdüsen – bei längerer Konstantfahrt auf Autobahn und Landstraße geht der Verbrauchsvorteil des Hybridsystems gegen null.

Bei zäh fließendem Baustellen- oder Berufsverkehr wandelt sich das Bild. Im Stau und bei innerstädtischem Stop-and-go spielt der Yaris Hybrid sein Spritsparpotenzial voll aus. Auf Spritmonitor.de – dem Treffpunkt aller Kraftstoff-Sparfüchse im Internet – liegt der Yaris Hybrid bei den Benzinern mit einem Durchschnittsverbrauch von 4,8 Litern auf 100 Kilometern auf einem respektablen dritten Platz. Seine Sparsamkeit bestätigte er auch im redaktionellen Einsatz: Bei sehr behutsamer Fahrt mit hohem E-Motor-Anteil nippte er im Stadtverkehr knappe vier Liter pro 100 Kilometer aus dem Tank – da lacht das Portemonnaie des Fahrers.

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