»kfz-betrieb« Auto-Check: VW Touran 2.0 TDI

Autor: Jan Rosenow

Moderate Maßänderungen bringen marginal sportlichere Proportionen. Aber sonst bleibt Wolfsburgs Kompaktvan auch in der neuen Generation ganz der Alte.

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Der neue Touran soll VW wieder positive Schlagzeilen bringen. Das Potenzial hat er.
Der neue Touran soll VW wieder positive Schlagzeilen bringen. Das Potenzial hat er.
(Foto: Rosenow)

„Allem gewachsen“ – das ist die Kernbotschaft der Markteinführungskampagne des neuen Touran, und wer will, der darf in diesem kraftvollen Slogan auch so etwas wie Selbstvergewisserung eines in den Grundfesten erschütterten Konzerns sehen. Der Touran ist hierzulande eines der wichtigsten Modelle von Volkswagen, und er braucht die nun unter Generalverdacht stehende Wolfsburger Dieseltechnik besonders nötig. Denn nur mit einem Dieselmotor kann ein solch wuchtiges und schweres Familienauto einigermaßen sparsam betrieben werden, ohne dabei zum Verkehrshindernis zu werden.

Zum Test bei »kfz-betrieb« trat der Touran frisch zur Markteinführung mit dem 110 kW/150 PS starken TDI an. Der Vierzylinder aus der mittlerweile jedem Fernsehzuschauer bekannten Baureihe EA 288 treibt den Van mit seinen 340 Newtonmetern sanft, aber druckvoll voran. Sanft? Ja, denn gegen die verbrauchsbedingt extrem lange Übersetzung in den beiden obersten Gängen hat auch das mächtige Drehmoment keine Chance. Wer brav der Schaltempfehlung im Zentraldisplay folgt und bei 80 km/h in die sechste Stufe wechselt, erntet beim Gasgeben zwar einen Geräusch-, aber keinen Geschwindigkeitszuwachs. Dann schon ein, besser zwei Gänge im perfekt schaltbaren Getriebe herunterschalten.

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Den auf dem Prüfstand ermittelten NEFZ-Verbrauch von 4,4 Liter auf 100 Kilometern schafft man im realen Leben trotz langer Übersetzung nicht. Für einen mindestens 1,5 Tonnen schweren Familienvan sind die rund sechs Liter, die sich bei »kfz-betrieb« ergaben, trotzdem okay.

Nicht übermäßig wichtig für einen „Pampersbomber“ wie den Touran, aber trotzdem erfreulich sind die leichtfüßigen Fahreigenschaften. Die Lenkung lässt den großen Wagen so willig einkurven wie einen Golf. Es gibt sogar einen Fahrmodus „Sport“ – doch spürbare Unterschiede zu „Normal“ oder „Comfort“ waren nicht zu finden. Hervorragenden Fahrkomfort bieten die elektronisch verstellbaren Dämpfer in jeder Situation.

Der Längenzuwachs kommt dem Innenraum zugute

Die meisten Kunden dürften den Wolfsburger sowieso wegen seines Platzangebots und des variablen Innenraums wertschätzen. Obwohl der von 2003 bis 2015 produzierte Vorgänger ob seiner (zu) pragmatischen Form oft gescholten worden war, widerstanden die VW-Designer dem Druck und behielten die grundsätzliche Linie bei. Oder vielleicht können sie es einfach nicht anders? Erst im direkten Vergleich wird deutlich, dass der Neuling deutlich länger und breiter sowie etwas flacher geworden ist und zusammen mit markanteren Designdetails ein sportlicheres Antlitz zeigt. Immerhin ging der Längenzuwachs von immerhin 130 Millimetern fast komplett in den Radstand und sorgt damit für einen spürbar luftigeren Innenraum.

Vorn gibt es eine sehr bequeme Sitzposition ohne das in vielen anderen Vans typische Lkw-Gefühl. Die breiten, flächigen Vordersitze bürgen für ermüdungsfreies Fahren bei hohem Komfort.

Kniefreiheit und Innenhöhe eine Reihe weiter hinten reichen auch Erwachsenen aus; störend sind lediglich die sehr schmalen Sitzflächen, die sich aus der Aufteilung der Fondbank in drei Einzelmöbel ergeben. Neu: Die Sitze müssen nicht mehr ausgebaut werden, sondern klappen mit einem Handgriff nach vorn und unten weg und ergeben eine glatte Ladefläche (etwa so wie beim Honda Jazz). „Multivariabel variierbar“ sei das, jubelt die VW-Pressemappe. Der Kofferraum fasst zwischen 743 und 1.980 Litern (Werte für den Fünfsitzer).

Fazit: Der nach zwölf Jahren erstmals grundlegend erneuerte Touran hat sich Volkswagen-typisch nur evolutionär weiterentwickelt: Kernneuheiten sind die Klappsitze in der zweiten Reihe sowie der verlängerte Radstand. Die aktiven Sicherheitssysteme sowie das Motoren- und Getriebeangebot entsprechen dem aktuellen Technikstand des VW-Konzerns und bieten keine Überraschungen.

VW-Touran: Technik im Detail

  • Neu entwickelte „Fold-Flat“-Sitzanlage
  • Infotainmentsystem erstmals mit elektronischer Sprachverstärkung
  • Car Net bietet mit Cam Connect, MirrorLink, CarPlay und Android Auto viele Vernetzungsmöglichkeiten
  • Multikollisionsbremse und proaktives Insassenschutzsystem sowie bis zu neun Airbags sorgen für Sicherheit
  • Verlängerter Radstand vergrößert das Raumangebot (u.a. plus 48 Liter Kofferraumvolumen beim Fünfsitzer).
  • Als Fünfsitzer mit 743 Litern größter Kofferraum der Klasse
  • Trotz Plus an Außenlänge bis zu 62 Kilogramm leichter als der Vorgänger
  • TSI- und TDI-Motoren sind bis zu 19 Prozent sparsamer; Touran 1.6 TDI mit DSG verbraucht nur 4,1 l/100 km nach NEFZ.
  • Sechs Motoren zur Wahl: drei TSI-Ottomotoren (1.2 mit 81 kW/110 PS, 1.4 mit 110 kW/150 PS und 1.8 mit 132 kW/180 PS) sowie drei TDI (1.6 mit 81 kW/110 PS und 2.0 mit 110 kW/150 PS bzw. 140 kW/190 PS)
  • Grundpreis: 23.350 Euro

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Über den Autor

 Jan Rosenow

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Ressortleiter Service & Technik, Vogel Communications Group