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»kfz-betrieb«-Autocheck: Arona TGI – Seat auf Gas

| Autor: Andreas Grimm

Im Volkswagenkonzern ist Seat zuständig für den Erdgasantrieb. Die Technologie läuft mittelfristig aus, doch mit dem Arona TGI zeigen die Spanier, dass Erdgas (CNG) als Kraftstoff im Alltag eine gute Alternative ist.

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Der Arona ist auch als TGI-Modell erhältlich. Im Grunde fällt der Gasantrieb kaum auf.
Der Arona ist auch als TGI-Modell erhältlich. Im Grunde fällt der Gasantrieb kaum auf.
(Bild: Schmidt/»kfz-betrieb«)

Einsteigen, Zündschlüssel umdrehen und losfahren – hinsichtlich der Grundfunktionen des automobilen Fahrens unterscheidet sich der Arona TGI nicht von seinen konventionellen Brüdern. Also jenen mit Benzin oder Dieselantrieb. War auch nicht zu erwarten, denn eigentlich ist der Gas-Antrieb im kleinen spanischen SUV ja selbst ein konventioneller Vertreter seiner Art. Mit der Technologie hantiert der Volkswagenkonzern schon lange – und Seat nimmt im Markenverbund der Wolfsburger offiziell die Kompetenzrolle für die Erdgas-Befeuerung ein.

Noch zumindest. Denn bekanntlich hat der weltgrößte Autobauer dem Nischenangebot CNG abgeschworen. Den derzeit verfügbaren Modellen von Seat, Skoda und VW wird wohl nichts mehr nachfolgen. Immerhin stehen sie noch halbwegs frisch in den Schauräumen, die nächsten fünf bis sieben Jahre ist der Nachschub für die Erdgas-Gemeinde noch gesichert. Doch dann dürfte die CNG-Technik im Automobilbau wohl allgemein begraben werden. Die Angebote abseits des Volkswagenkonzerns sind inzwischen schon recht überschaubar.

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Insofern ist der Einstieg für den Testfahrer Premiere und Abschied zugleich. Bislang hatte sich die ausgedehnte Testfahrt in einem CNG-Mobil nicht ergeben, nun also das erste Mal. Einsteigen, Zündschlüssel umdrehen und losfahren. Alles kein Problem, der Arona schnurrt los. Kurz verwirrt vielleicht der Blick auf die Kontrollinstrumente, der Kraftstofffüllstand wird zweimal angezeigt: für die drei CNG-Tanks und den zusätzlichen Benzintank.

Die Erkenntnis beruhigt den CNG-Anfänger: mit den 13,8 Kilogramm in den Gastanks kommt der Arona gemäß dem Normverbrauch (3,9 kg CNG/100 km) bis zu 350 Kilometer weit. Klar, das reicht zur nächsten Zapfsäule, aber die ist eben auch nicht an jeder Ecke. 800 CNG-Stationen in Deutschland hören sich nicht so beruhigend an wie 14.000 klassische Tankstellen. Um es vorweg zu nehmen: Tanken war letztlich nie ein Problem. Man muss die Fahrt nur ein wenig planen, so wie es derzeit bei E-Autos auch notwendig ist.

Keine Angst vor der Reichweite

Trotzdem: Beim E-Auto würden die Kritiker ob des geringen Radius sofort loskritisieren. Dazu kommt, dass im Test der Normverbrauch auch nicht so recht hinhaute. Für den Verbrauch über verschiedene Streckenprofile und Testfahrer wies der Bordcomputer stabile 5,3 Kilogramm auf 100 Kilometern aus. Übrigens: Sollte das Gas tatsächlich mal ausgehen, schaltet der Arona auf Notbetrieb und hat dann noch 9 Liter Benzin an Bord.

So beruhigend der bivalente Antrieb sein mag, so ist damit auch das Problem des geringeren Stauraums verbunden. Bei aufgestellter Rücksitzbank bleiben den Passagieren im Arona nur noch 282 Liter Kofferraum, rund ein Viertel weniger als beim konventionellen Modell. Mit umgeklappten Sitzen sind es 1.162 Liter. Die Gastanks gehen dabei zulasten des gerne in SUV-Modellen verbauten variablen Kofferraumbodens. Und natürlich hat der Arona damit auch kein Reserverad an Bord.

Ist der Arona schon kein Raumwunder, ist er zudem nicht unbedingt ein Leistungsmonster. Motorisiert ist der Arona TGI mit einem Dreizylinder-Motor und einem Liter Hubraum, der 66 kW/90 PS entfaltet. Vielleicht liegt es an der Ausstattungslinie „FR“, in der Seat den Arona TGI ausliefert, dass die Agilität des Wagens ein wenig enttäuscht. Klar, „FR“ steht nicht mehr nur für Formula Race, sondern auch für sportliche Design-Akzente und eine gute Ausstattung. Doch Schein und Sein passen an dieser Stelle nicht so ganz zusammen.

13,2 Sekunden benötigt der Arona TGI, bis er seine 1.308 Kilogramm Gesamtmasse (plus Fahrer) auf Tempo 100 beschleunigt hat. In dieser Zeit darf der Pilot ganz schon im Getriebe rühren, denn das Modell gibt es nur mit 6-Gang-Schaltgetriebe. Etwas gewöhnungsbedürftig ist der kurze und niedrig positionierte Schaltknauf. Dazu tönt es aus dem Motorraum etwas schrill – zumindest für die Ohren eines Vertreters der Generation Vier- bis Sechszylinder.

Abgesehen vom Motorgeräusch fährt es sich im Arona TGI natürlich nicht anders als in den konventionell betriebenen Modellen. Gemäß der FR-Ausstattung erfreuen die roten Steppnähte und das eine oder andere Zier-Detail den Blick des Fahrers, der in den Sitzen guten Seitenhalt findet. Außen sorgen etwa die Stoßfänger im FR-Design für einen sportlichen Touch.

Vom der Basis- zur Wunschausstattung

In der Serienausstattung sind bereits Kollisionswarner und das Notbremssystem an Bord, dazu kommen ohne Aufpreis Regen- und Lichtsensoren, der Tempomat und das schlüssellose Zugangs- und Startsystem. Dass man den Basispreis des Modells von 23.000 Euro allerdings schnell auf die 29.400 Euro hochtreiben kann, zeigt die Ausstattungsliste des Serienfahrzeugs. Unter anderem das Connectivity-Paket „Plus“, die Automatischen Distanzregelung, Parkassistent vorn und hinten sowie das Sitzpaket „Art Velours“ schlagen mit höheren Summen zu Buche.

Anhalten, Zündschlüssel umdrehen, aussteigen – am Ende der Testfahrten steht das Tanken. Das war erst recht eine Premiere, muss das Gas doch mit 200 Bar Druck in die Tanks gepresst werden. Doch auch dieser Vorgang ist nach einer kurzen Information an der Erdgassäule kein Problem. Rüssel auf den Tankstutzen, mit einem Hebel arretieren und einfüllen. Der Vorgang dauert nicht viel länger als bei Benzin und Diesel. Die Betriebskosten der TGI-Modelle sind jedoch günstiger, nicht nur wegen der niedrigen Steuer von 44 Euro, weshalb sie sich bei Geschäftskunden eine gewisse Nische erobert haben. So gesehen ist das absehbare Ende des Gas schon ein Verlust.

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Über den Autor

 Andreas Grimm

Andreas Grimm

Redakteur, Redaktion »kfz-betrieb«