»kfz-betrieb«-Autocheck: GLB 220 D 4 Matic – Mercedes zeigt Kante

Autor: Dr. Holger Schweitzer

Praktisch und premium: Mercedes ergänzt seine SUV-Modellpalette im Kompaktsegment mit dem GLB. Auf Basis der A-Klasse und mit Platzangebot fast auf C-Klasse-Niveau präsentiert sich das neue Stuttgarter SUV als praktischer Alltagsbegleiter in eigenständigem Design.

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Mit dem GLB wirbt Mercedes um die Familienkundschaft mit Premiumanspruch.
Mit dem GLB wirbt Mercedes um die Familienkundschaft mit Premiumanspruch.
(Bild: »kfz-betrieb«/ Rehberg)

Mercedes sagt im SUV-Segment nach A und C nun auch B. Der GLB schließt als Kompakt-SUV die Lücke zwischen dem kleineren GLA und dem großen Bruder GLC. Als Basis für den kompakten Allradler diente zwar die kleinere A-Klasse. Dennoch gelang den Ingenieuren ein klassengerechtes Platzangebot. Immerhin ist der GLB 4,63 Meter lang, 1,83 Meter breit und 1,66 Meter hoch – und damit fast dem GLC ebenbürtig, der gerade Mal drei Zentimeter länger ist.

Bei der äußerlichen Erscheinung ist den Stuttgarter Designern auf jeden Fall ein Kunstgriff gelungen, denn optisch liegen die meisten SUVs, unabhängig von Hersteller, irgendwo zwischen hochbeinigem Kombi und Geländewagen im Limousinen-Look. Anders beim GLB: Mit einer Mischung aus bulligem Auftreten und kantigen Designlinien sticht das Stuttgarter Kompakt-SUV heraus.

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Für Fahrer und Passagiere im Fond bedeutet das dank dem gehobenen Anspruch des Mercedes-Konzerns viel Beinfreiheit, bequeme Sitze und ein hochwertig verarbeitetes Interieur. Zwar können vier hochgewachsene Basketballer so auch auf längeren Fahrten ihre Beine bequem ausstrecken, zu dritt wird es jedoch auf der hinteren Sitzbank wie bei den meisten kompakten SUVs eher eng.

Wie in anderen Modellreihen des Stuttgarter Herstellers auch weicht das klassische Cockpit einem Widescreen-Monitor, der serienmäßig aus zwei sieben-Zoll-Displays besteht und sich durchgehend von der Fahrerseite bis zur Mittelkonsole erstreckt. In Kombination mit den Lüftungsdüsen und der breiten Zierleiste in gebürstetem Chrom-Design ergibt sich eine klare, unverspielte und edle Designsprache, die dem Premium-Charakter des Herstellers überaus gerecht wird.

Reden, tippen, wischen, schreiben: Wer die Funktionen des GLB steuern will, kann das auf verschiedenste Weise tun. Klingt kompliziert, ist es aber nur auf den ersten Blick. Denn in der Praxis sind die unterschiedlichen Bedienelemente recht intuitiv umgesetzt.

Einzig die Sprachsteuerung ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, denn ähnlich der bekannten Sprachassistentin eines amerikanischen Online-Versandhändlers reagiert das System auf die persönliche Ansprache mit „Mercedes“, gefolgt von dem Bedienungswunsch. Unterhält man sich im GLB über das Fahrzeug, kann es allerdings auch schnell dazu kommen, dass sich das Auto angesprochen fühlt und sich ungewollt ins Gespräch einmischt.

Dritte Reihe für den Nachwuchs

Dass sich der GLB als Familiengefährt präsentieren will, zeigt auch die optional erhältliche dritte Sitzreihe, die den kompakten SUV zum 7-Sitzer macht. Das Platzangebot auf der hintersten Sitzreihe bleibt dann allerdings doch eher überschaubar. Die dritte Reihe weist Mercedes selbst maximal für Personen mit einer Körpergröße von bis zu 1,68 Metern aus: Eine klare Ansage an Familienväter und -mütter, die auch mal Platz für mehr Kinder brauchen können.

Allerdings sollte man eher darauf verzichten, das Fußballteam des Sohnemanns zu transportieren. Denn der mit 570 Litern Volumen eigentlich gut dimensionierte Kofferraum schrumpft dann doch erheblich, und für Sporttaschen und Bälle dürfte es eher knapp werden. Im Normbetrieb lässt sich die hintere Sitzreihe zusätzlich um bis zu 14 Zentimeter nach vorne verschieben und der Neigungswinkel der Sitze verstellen. Die Stuttgarter Entwickler beweisen damit, dass sich trendiges Design und Konzept sehr wohl mit Praxistauglichkeit in Einklang bringen lassen.

Wir haben die 220 D 4-Matic-Variante des Stadt-Offroaders getestet. Das Vierzylinder-Diesel-Aggregat mit zwei Litern Hubraum leistet 190 PS. Angesichts des Gewichts von gut 1.700 Kilogramm ist das eine adäquate Motorisierung, die sich im Fahrbetrieb als gut ausbalanciert erweist und dem kompakten Koloss immer ausreichend Reserven für Überholmanöver und entspannte Autobahnetappen bietet.

Sparsamer Vierzylinder-Diesel

Je nach Fahrweise drückt sich die Diesel-Power natürlich auch im Verbrauch aus, der allerdings – gemessen an der zu bewegenden Fahrzeugmasse – durchaus akzeptabel ist. Wer eine entspannte Fahrweise pflegt, dürfte es schaffen, den GLB mit einem Durchschnittsverbrauch um die sieben Liter zu bewegen. Wer viel Autobahn fährt oder den flotten Antritt des SUVs schätzt, sieht die Anzeige dann eher jenseits der acht Liter wandern.

Zu dem bequemen und luftigen Interieur und dem durchzugskräftigen Motor gesellt sich ein gut abgestimmtes und souverän agierendes Fahrwerk, das sich durch präzises Lenkverhalten auszeichnet. Man muss es dem GLB lassen: Er fährt sich ausgesprochen gut.

Bei den Preisen geht es bei der Basisvariante des GLB 180 mit gut 36.000 Euro los. Der von uns gefahrene GLB 220 D 4-Matic ist laut Preisliste des Herstellers ab rund 44.000 Euro erhältlich. Ein Allerwelts-SUV ist der GLB damit beileibe nicht – er ist jedoch eine stimmige Ergänzung im Mercedes-Modellportfolio für Kunden, die ein praktisches SUV mit Premium-Charakter suchen.

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Über den Autor

Dr. Holger Schweitzer

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Redakteur, Ressort Technik, Vogel Communications Group GmbH & Co. KG