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»kfz-betrieb«-Autocheck: Kia Stinger

Autor / Redakteur: Holger Schweitzer / Dr. Holger Schweitzer

Kia bläst mit dem Stinger zum Angriff auf die Platzhirsche der gehobenen Grand Tourer von BMW, Mercedes und Co. Dabei wartet das koreanische Coupé mit jeder Menge Qualität, Fahrspaß und europäischen Design auf und wird damit zum würdigen Kontrahenten.

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Auf neuen Wegen: Mit dem Stinger betritt Kia das Terrain der Sporttourer.
Auf neuen Wegen: Mit dem Stinger betritt Kia das Terrain der Sporttourer.
(Bild: »kfz-betrieb« / Schweitzer)

Giftstachel: So kann man Stinger aus dem Englischen übersetzen – und passender könnte es nicht sein. Kia zeigt der Konkurrenz, dass man im Segment der gehobenen Grand Tourer mehr als nur mithalten kann: Mit Qualität, Fahrspaß und Design bei angemessenen Preisen kann der sportliche Tourer den europäischen Platzhirschen gefährlich werden.

Auch den Unternehmensnamen Kia zu übersetzen lohnt mit Blick auf das viertürige, sportliche Komfort-Coupé. Kia setzt sich aus den koreanischen Wörtern „ki“ für aufsteigen und „a“ für Asien zusammen – also in etwa aufsteigendes Asien. Und genau diese Ambition untermauert der koreanische Hersteller mit dem neuen Flagschiff. Der Grand Tourer begibt sich hier in direkte Konkurrenz zu namhaften Premiummarken und -modellen wie etwa dem BMW i440 Gran Coupé. Wie gut den asiatischen Autobauern dieser Wurf gelungen ist, bewies der Stinger als Testfahrzeug in der »kfz-betrieb«-Redaktion.

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Betrachtet man es ganz nüchtern, hat ein Auto vor allem zwei Aufgaben: Es soll einerseits Menschen von A nach B bringen; andererseits hilft ein vierrädriger Untersatz auch beim Transport von Gegenständen ungemein. Dementsprechend sollten die Beweggründe, sich für einen Pkw zu entscheiden, rein praktischer Natur sein. Tatsächlich treibt uns beim Autokauf aber nicht nur das, was wir brauchen, sondern auch das, was wir wollen.

Dies gilt vor allem für das Premiumsegment, wo bei der Fahrzeugwahl Kofferraumvolumen, Verbrauch und Wirtschaftlichkeit eher untergeordnete Rollen spielen. Nicht zuletzt kommt es dabei aufs Image und die vermeintliche Qualität einer Marke an, weshalb der geneigte Premiumkunde meist zu passenden deutschen oder italienischen Autos neigt. Mit asiatischen Marken verbindet er vor allem nüchterne Sparsamkeit, die er eher auf dem Parkplatz einer Discounter-Filiale erwartet als in einer Designer-Boutique.

Kias Stinger versucht mit solch klischeehaften Vorstellungen zu brechen. Der Ansatz: ein Fahrzeug in einer gehobenen Fahrzeugklasse, das den Platzhirschen des Segments ebenbürtig ist. Ob der Premium-Koreaner wirklich neue Käuferschichten anspricht, wird sich zeigen – das Zeug dazu hat er auf jeden Fall!

Koreaner mit europäischen Genen

Nähert man sich dem Stinger, fällt zunächst auf, dass er auffällt. Das Design ist sportlich-bullig, aber nicht zu aggressiv. Insbesondere die Linienführung an Front und Seitenpartien entsprechen durchaus der gewohnten europäischen Designsprache. Lediglich am Heck wirkt der mit den Rückleuchten verschmolzene Spoiler asiatisch-verspielt. Ebenfalls etwas unorthodox sind die bei unserem Testwagen verbauten Seitenspiegel in Chrom. Lässt man das Kia-Logo außen vor, würde es ansonsten wohl vielen Betrachtern nicht leicht fallen, den Hersteller richtig zuzuordnen. Sicher: Über Geschmack lässt sich streiten. Den Vergleich zu den etablierten Sportlimousinen muss der Stinger dennoch nicht scheuen.

Wie ist es um die Qualität des Grand Tourers bestellt? Die Fahrertür fällt mit einem satten Rums ins Schloss. Nimmt man Platz, fühlt man sich bequem und gleichzeitig ergonomisch-sportlich aufgehoben. Die Bedienung ist intuitiv und die Ausstattung über jeden Zweifel erhaben. 4,83 Meter Länge und 1,87 Meter Breite können zwar die Parkplatzsuche etwas erschweren, sorgen jedoch für viel Platz auf allen Sitzen.

Erwartungsgemäß gibt es umfangreiche Fahrerassistenzsysteme: Sie reichen vom Spurhalteassistenten über Frontkollisionswarner, Rückfahrkamera, Head-up-Display und Müdigkeitswarner bis hin zur elektrischen Sitzverstellung mit integrierter Memory-Funktion für den Fahrersitz. Das Soundsystem mit neun Lautsprechern beschallt den Innenraum über digitalen Radioempfang (DAB/ DAB+) oder über Apple-Car-Play-TM und Android-Auto-TM. Den richtigen Weg weist ein Acht-Zoll-Display inklusive Navigationskarten-Update für sieben Jahre.

Alternative im Sporttourer-Segment

Und wie fährt sich der Stinger? Es kommt einem als erstes der Begriff „satt“ in den Sinn. Auch dank des Allradantriebs der von uns gefahrenen Dieselvariante 2.2 CRDi AWD GT-Line zieht die Sportlimousine ihre Bahnen souverän durch alle Kurven. Das Fahrwerk ist über jeden Zweifel erhaben, und auch die Leistung fällt mit 145 kW/200 PS adäquat sportlich aus. Den vom Hersteller angegebenen Verbrauchswert von 6,4 Litern konnten wir nicht erreichen. Vielmehr lag er bei meist standesgemäß gemischter Fahrweise bei gut elf Litern pro 100 Kilometer.

Insgesamt präsentiert sich der Premium-Kia als echte Alternative im Sporttourer-Segment. Das gilt übrigens auch für den Preis, der für die von uns gefahrene Ausführung bei 47.590 Euro liegt. Wer mehr Wert auf Power legt, findet möglicherweise mit dem 366 PS starken Stinger 3.3 T-GDI V6 AWD das richtige Modell, das ab 55.900 Euro erhältlich ist.

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