Kfz-Branche in NRW bleibt in der Spur

Landesverband bilanziert das Geschäftsjahr 2015

| Autor: Christoph Baeuchle

Frank Mund, Präsident des Kfz-Gewerbes in Nordrhein-Westfalen, analysierte das Geschäftsjahr 2015.
Frank Mund, Präsident des Kfz-Gewerbes in Nordrhein-Westfalen, analysierte das Geschäftsjahr 2015. (Foto: Kfz-Gewerbe NRW)

Das nordrhein-westfälische Autogeschäft ist im vergangenen Jahr in der Spur geblieben. „Grund zu jammern haben wir nicht“, fasst Bruno Kemper, Pressesprecher des Kfz-Gewerbes NRW, die Entwicklung zusammen. Angesichts der Rahmenbedingungen habe sich die Branche ganz manierlich entwickelt.

Insgesamt erzielten die knapp 9.500 Kfz-Meisterbetriebe des nordrhein-westfälischen Kfz-Gewerbes einen Umsatz von 33,2 Milliarden Euro – im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 6,6 Prozent. „Die Umsätze in den einzelnen Segmenten haben sich verschoben“, ergänzte Kemper. „Sowohl der Neuwagenverkauf als auch der Servicebereich können nicht mehr als die Hauptumsatzträger bezeichnet werden.“

Führungsteam vom Kfz-Gewerbe NRW: (v. li.) Hauptgeschäftsführer Marcus Büttner, Präsident Frank Mund und Landespressesprecher Bruno Kemper.
Führungsteam vom Kfz-Gewerbe NRW: (v. li.) Hauptgeschäftsführer Marcus Büttner, Präsident Frank Mund und Landespressesprecher Bruno Kemper. (Foto: Baeuchle)

Dennoch steuerte der Neuwagenhandel mit mehr als einem Drittel den größten Teil bei. Der Umsatz mit Neuwagen stieg im Vergleich zum Vorjahr um 6,6 Prozent auf 11,7 Milliarden Euro. Im bevölkerungsreichsten Bundesland kamen in dem Zeitraum rund 634.000 Pkw neu auf die Straße, 51.000 mehr als im Jahr zuvor.

Zur gleichen Zeit wuchs der Gebrauchtwagenmarkt um insgesamt 3,6 Prozent auf 1,6 Millionen Fahrzeuge. Davon profitierte der Fabrikatshandel, der seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 19 Prozent auf 10,2 Milliarden Euro steigern konnte. Dagegen musste der freie Gebrauchtwagenhandel einen Umsatzrückgang um 8,4 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro wegstecken.

Situation in Service verbessert sich leicht

Nach der Umsatzdelle im Service im Jahr 2014 konnten die Werkstätten ihre Erlöse wieder leicht steigern. Mit Reparatur-, Unfall- und Wartungsaufträgen erzielten die Betriebe einen Umsatz von 6,4 Milliarden Euro, ein Plus von rund einem Prozent. „Die wirtschaftliche Entwicklung im Service bekommt allenfalls die Note drei“, bewertet Kemper das Ergebnis.

Doch trotz zum Teil kräftiger Umsatzsprünge stagnierte die Rendite quasi auf dem Vorjahresniveau. Über alle Segmente hinweg erzielten die Betriebe eine Gesamtrendite von 1,4 Prozent. Das waren 0,1 Punkte mehr als 2014. „Eine Rendite mit einer Zwei vor dem Komma ist das betriebswirtschaftlich notwendige Ziel“, sagte der Landessprecher. Zwar ist die Branche noch ein gutes Stück davon entfernt, dennoch zeigt sich Kemper zuversichtlich, dass im laufenden Jahr „die Rendite wieder einen Schritt in Richtung Zwei vor dem Komma macht“.

Die Stagnation der Rendite lag nicht zuletzt am steigenden Wettbewerb im Service. Dazu tragen auch Versicherungen mit ihren Angeboten immer mehr bei. Frank Mund, Präsident des Kfz-Gewerbes Nordrhein-Westfalen, kritisierte die Pläne der HUK zum Ausbau ihres Servicenetzes „HUK Autoservice“ und die neuen „Versicherungs-Apps“.

„Durch diese Verfahrensweise wird die Verkehrssicherheit massiv gefährdet, denn die fiktive Abrechnung von Unfallfahrzeugen fördert die Nicht-Reparatur bzw. verhindert den Weg in die qualifizierte Fachwerkstatt“, so Mund. Dabei nehmen die Versicherungen an Hand von Smartphone-Fotos eine Schadensbewertung per Ferndiagnose vor. Willigt der Kunde ein, erhält er umgehend den ermittelten Geldbetrag auf sein Konto. Statt fachgerechter Reparatur setzt die Versicherungsbranche auf schnelles Geld, zum Schaden der Verbraucher.

Die zunehmende Regulierung per Ferndiagnose wird die Branche das laufende Jahr beschäftigen. Dennoch ist das Kfz-Gewerbe NRW zuversichtlich für die nächsten Monate. Nennenswerte Veränderungen erwartet sie nicht: Sowohl das Neu- als auch das Gebrauchtwagengeschäft wird sich voraussichtlich auf dem Niveau des Jahres 2015 bewegen, das Servicegeschäft sollte sich ebenfalls auf einem stabilen Niveau einpendeln.

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