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Kfz-Branche: Spagat zwischen Schutz der Firma und der Gesundheit

Autor: Christoph Seyerlein

Die Corona-Krise löst in der Kfz-Branche eine Vielzahl an Sorgen aus. Eine komplizierte Frage, der sich Unternehmer beispielsweise stellen müssen: Können sie die Gesundheit ihrer Mitarbeiter ausreichend schützen, wenn sie die Werkstatt zum Erhalt der Existenz des Betriebs geöffnet lassen?

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Auch Autohäuser fahren aktuell die Hygiene-Vorkehrungen hoch.
Auch Autohäuser fahren aktuell die Hygiene-Vorkehrungen hoch.
(Bild: Autohaus Liliensiek)

Trotz der derzeitigen Kontaktbeschränkungen wegen der Corona-Krise dürfen Kfz-Werkstätten weiter geöffnet haben. Für zahlreiche Betriebe, denen im Vertrieb bereits große Teile des Umsatzes wegbrechen, dürfte das von erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung sein.

Gleichzeitig mehren sich aber die Stimmen von Mitarbeitern aus Kfz-Betrieben, die sich Sorgen um ihre Gesundheit machen. Unter zahlreichen Beiträgen von »kfz-betrieb« war das zuletzt in den Kommentarspalten zu lesen. In einer Umfrage von »kfz-betrieb« bei Instagram gaben 45 Prozent der insgesamt 1.060 Teilnehmer an, sich nicht ausreichend vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus geschützte zu fühlen.

Viele Kfz-Unternehmer beteuern, diese Sorgen ernst zu nehmen, sind zugleich aber damit beschäftigt, den Betrieb so gut es geht am Laufen zu halten. Ein oft schwieriger Spagat. „Heruntergefahren wird so, dass der laufende Betrieb nicht infrage steht. Wir tun alles, um die Gesundheit unserer Mitarbeiter zu schützen“, sagte etwa Rolf Heinzelmann von der AHG-Gruppe zuletzt. René Hüning, Geschäftsführer Automobile Renner in Parchim, wies darauf hin, dass Mitarbeiter die klare Anordnung haben, beim Verdacht auf eine Ansteckung zuhause zu bleiben und diesen zu melden.

Zugleich fahren viele Betriebe die Hygienemaßnahmen hoch. So gibt es mancherorts beispielsweise improvisierte Einlass-Ampeln, in manchem Autohaus stehen Dixi-Klos, um ständiges Händewaschen unkompliziert zu ermöglichen. Zum Standard zählen mittlerweile auch Spuckschutz-Wände für Mitarbeiter am Empfang.

Keine speziellen Infektionsschutz-Regeln für Kfz-Betriebe

Laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung gibt es aktuell keine nachgewiesenen Fälle, dass sich Menschen durch den Kontakt zu kontaminierten Gegenständen angesteckt haben. Das Institut spricht von einer relativ geringen Stabilität von Coronaviren in der Umwelt und von einer Inaktivierung in getrocknetem Zustand innerhalb von Stunden bis einigen Tagen. Das Bundesinstitut für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin teilte auf Anfrage von »kfz-betrieb« mit, dass im Kfz-Gewerbe kein bestimmter Umgang mit SARS-CoV-2 gilt.

Allerdings zeigen erste Laboruntersuchungen für SARS-CoV-2, dass es nach starker Kontamination bis zu drei Stunden als Aerosol, bis zu 24 Stunden auf Karton und bis zu drei Tage auf Edelstahl und Plastik infektiös bleiben kann. Eine Schmierinfektion ist also denkbar und gerade im Fahrzeuginnenraum nicht ausgeschlossen – aber nur, wenn das Virus kurz danach über die Hände auf die Schleimhäute des Mund- und Rachenraumes oder die Augen übertragen wird. Dennoch ist eine gründliche Reinigung des Innenraums von Kundenfahrzeugen und hier vor allem der Kontaktflächen (Türgriffe, Lenkrad, Schalthebel, Lenksäulenhebel) in jedem Fall empfehlenswert.

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Über den Autor

 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Redakteur im Ressort Newsdesk bei »kfz-betrieb«