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Kfz-Gewerbe Bayern gegen Scheuer – Scheuer gegen Nachrüstung

| Autor: Andreas Grimm

Nachrüstung oder Neuwagen – in dieser Frage bezieht das bayerische Kfz-Gewerbe deutlich Stellung gegen den Bundesverkehrsminister aus Bayern. Doch Andreas Scheuer scheint wieder allein den Diesel-Neukauf zu befürworten.

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Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer erntet Unverständnis wegen seiner Haltung gegen Diesel-Nachrüstungen.
Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer erntet Unverständnis wegen seiner Haltung gegen Diesel-Nachrüstungen.
(Bild: BMVI)

Die bisher offensive Abneigung von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer gegen die Nachrüstung älterer Dieselfahrzeuge mit NOx-reduzierenden Systemen bringt mitten im bayerischen Wahlkampf das regionale Kfz-Gewerbe an die Grenze seiner Geduld. In einem gemeinsamen Appell fordern die Kfz-Innungen in Bayern und die Gewerkschaft IG Metall den Minister mit auf, „der Dieselkrise noch vor der Landtagswahl endlich ein Ende zu bereiten“.

Dass sich der Minister mit CSU-Parteibuch bisher gegen eine Nachrüstung von Hardware stellt, „müssen wir schlicht als mangelndes Vertrauen in die Fähigkeiten der Betriebe und Beschäftigten des bayerischen Kfz-Gewerbes werten“, zitiert das Schreiben Albert Vetterl, Präsident des Kfz-Gewerbes Bayern. Seine Branche verfüge über hervorragend qualifizierte Fachkräfte und Betriebe, die diese Umrüstung flächendeckend vornehmen könnten, so Vetterl weiter.

Die ungelöste Dieselkrise hindere die Betriebe jedoch an ihrer wirtschaftlichen Entwicklung und gefährde die Arbeits- und Ausbildungsplätze von rund 135.000 Männern und Frauen im Freistaat. Diese Gefahren lassen sich allein durch finanzielle Anreize der Hersteller zum Kauf neuerer Dieselfahrzeuge nicht lösen, sind die Tarifpartner überzeugt. Das Modell Scheuer „können und wollen sich viele Besitzer von Dieseln nicht leisten“.

Den Minister selbst scheinen die Sorgen der Branche – deren Mitarbeiter „bei der Wahl zum bayerischen Landtag am 14. Oktober übrigens zum allergrößten Teil wahlberechtigt sind“ – nicht übermäßig zu beeindrucken. Am Freitag erneuerte er seine Bedenken gegen technische Diesel-Nachrüstungen. Diese seien eine Investition in alte Fahrzeuge. „Wir brauchen eine Flottenerneuerung“, sagte Scheuer. Auch die Hersteller hätten durchweg Bedenken gegen Hardware-Nachrüstungen.

Neukauf vor Umrüstung

Laut einem Online-Bericht des „Spiegel“ ist Scheuer vor den möglicherweise abschließenden Beratungen der Koalition zu diesem Thema – eine Entscheidung ist für Montag 1. Oktober im Koalitionsausschuss von Union und SPD vorgesehen – sogar wieder komplett von Hardware-Nachrüstungen abgerückt. Grund dafür seien Haftungsfragen, hieß es aus Ministeriumskreisen.

Stattdessen forciert der Verkehrsminister wieder den Fahrzeugtausch. Es gebe attraktive Tauschoptionen der Hersteller, hatte er am Freitagvormittag verkündet. Beim Fahrzeugtausch alt gegen neu sollten die Wertverluste von den Herstellern ausgeglichen werden. „Die Autohersteller haben jetzt die Chance, mit kundenfreundlichen Modellen Vertrauen zurückzugewinnen“, wird Scheuer von der „DPA“ zitiert.

Laut dem „Spiegel“-Bericht hätten drei deutschen Hersteller – gemeint sind vermutlich Daimler, BMW und VW – mehrere tausend Euro als Prämie angekündigt, die sie an Kunden zahlen, die Euro-4 und Euro-5-Diesel gegen ein modernes Diesel-Fahrzeug tauschen. Auch „äußerst interessante Angebote für Leasing-Kunden“ seien vorgesehen.

Am Donnerstag hatte es noch geheißen, dass sich zumindest der Volkswagenkonzern für Nachrüstungen geöffnet habe. Konzernchef Herbert Diess soll sich bereit erklärt haben, sich an Hardware-Nachrüstungen finanziell zu beteiligen. Komplett übernehmen wollte der Manager die Kosten für die Umbauten allerdings nicht.

Am Donnerstagabend hatte Kanzlerin Angela Merkel in Augsburg mit Blick auf mögliche technische Nachrüstungen gesagt, „dass der Kunde nichts dafür bezahlen soll“. Die Kosten seien zu 100 Prozent Sache der Hersteller. Doch auch für die Kanzlerin ist noch immer der Flottentausch das Hauptelement auf dem Weg zu sauberer Luft. Dies sei der „schnelle und insgesamt für die Zukunft bessere Weg“ im Interesse von Kunden und Autobranche. Das Kfz-Gewerbe sieht das scheinbar noch immer anders.

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Über den Autor

 Andreas Grimm

Andreas Grimm

Redakteur, Redaktion »kfz-betrieb«