Kfz-Gewerbe fordert von Herstellern mehr Partnerschaftssinn

Die Beziehungen zwischen einigen Herstellern und ihren Händlern sind angespannt. Michael Ziegler, Präsident des Kfz-Gewerbes Baden-Württemberg, fordert von der Industrie, mehr Verantwortung zu zeigen und zu einer echten Partnerschaft zurückzukehren.

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Michael Ziegler, Präsident des Kfz-Gewerbes Baden-Württemberg, sieht durchaus Verbesserungspotenzial im Umgang der Hersteller mit dem Handel.
Michael Ziegler, Präsident des Kfz-Gewerbes Baden-Württemberg, sieht durchaus Verbesserungspotenzial im Umgang der Hersteller mit dem Handel.
(Bild: Seyerlein / »kfz-betrieb«)

Das Kraftfahrzeuggewerbe fordert von den Automobilherstellern, sich wieder stärker auf eine echte Partnerschaft mit den eigenen Händlern zu besinnen. In mehreren Punkten hätte die Industrie zuletzt Werte wie Verantwortung und Fairness vermissen lassen, sagte Michael Ziegler, Präsident des Landesverbandes des Kfz-Gewerbes Baden-Württemberg, am Donnerstag beim IFA-Branchengipfel in Nürtingen. „Die Hersteller scheinen gerade in den Verhandlungen um neue Händlerverträge nicht mehr an den Grundsatz zu glauben, dass eine gegensätzliche Abhängigkeit zwischen Industrie und Handel besteht“, so Ziegler.

Ein Thema, bei dem es hakt, sei etwa der Direktvertrieb. Beispiele wie der Deal zwischen BMW und der Schwarz-Gruppe seien schlicht unfair gegenüber den Handelspartnern. Die Industrie solle sich laut Ziegler klarmachen, dass die Händler den Markenwert des jeweiligen Herstellers stärken. Außerdem zeigte er sich überzeugt, dass der Handel trotz der zunehmenden Digitalisierung die zentrale Schnittstelle zum Kunde und damit für die Hersteller unverzichtbar bleiben wird. Ziegler sagte aber auch, dass der Handel das digitale Tempo erhöhen müsse. „Jeder nicht besetzte Touchpoint ist ein Einfallstor für neue Anbieter.“

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Kritik in Richtung Hersteller übte das ZDK-Vorstandsmitglied auch wegen der Hardware-Nachrüstung für ältere Diesel. „Wir hätten schon längst nachrüsten können“, betonte Ziegler. Wolle man saubere Luft, müsse man jede Alternative, die dazu beitragen könne, in Betracht ziehen. Hardware-Nachrüstungen könnten nachweislich helfen, sagte Ziegler. Auch von der Politik zeigte er sich in jenem Zusammenhang enttäuscht. „Die Politik hat es verpasst, schnell zu handeln.“ Leidtragende seien nicht zuletzt die Kfz-Betriebe. „Wir haben 300.000 kaum vermarktbare Euro-5-Diesel auf den Höfen stehen, jeder einzelne kostet uns pro Tag 25 bis 30 Euro. Das bringt viele Betriebe in Existenznöte.“

VDA-Präsident Bernhard Mattes hatte sich zuvor erneut klar gegen Hardware-Nachrüstungen ausgesprochen. „Die Systeme wären erst 2020 freigegeben, aktuell sind noch zu viele Fragen offen. Bis dahin schaffen wir es mit unseren Lösungen, dass nur noch in fünf oder sechs Städten die NOx-Grenzwerte überschritten werden. Deshalb lohnt sich aus meiner Sicht der Aufwand nicht, der für eine Hardware-Nachrüstung nötig wäre.“ Außerdem würden durch Umbauten die CO2-Werte weiter steigen und damit die Probleme nur an eine andere Stelle verlagern.

Mattes wiederum bemängelte vor allem den unsachlichen Umgang mit der gesamten Thematik. Vielen Kritikern der Autoindustrie gehe es längst nicht mehr um saubere Luft. „Vielmehr ist das oft ein pauschaler Angriff auf die individuelle Mobilität. Als nächstes ist der Benziner dran, dann die Elektroautos.“ Dabei würde aber eines vergessen: „Wir werden uns nicht positiv weiterentwickeln, wenn wir immer mehr Zäune in unseren Garten aufbauen.“

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Über den Autor

 Yvonne Simon

Yvonne Simon

Redakteurin Management & Handel