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Kfz-Gewerbe Hessen: Autojahr 2017 war Geisterfahrt

| Autor / Redakteur: Christoph Baeuchle / Andreas Grimm

Wer dem Autojahr 2017 auf den Grund gehen will, darf sich nicht auf die nackten Zahlen verlassen. Entscheidend ist der Blick dahinter. Für das Kfz-Gewerbe Hessen fühlte sich das Jahr 2017 an wie eine Geisterfahrt.

(Bild: Baeuchle / »kfz-betrieb«)

Die Zahlen für das hessische Autojahr 2017 versprechen viel: Der Gesamtumsatz legte um 2,4 Prozent auf 20,7 Milliarden Euro zu, dabei ging die durchschnittliche Händlerrendite von 1,7 Prozent im Vorjahr leicht zurück auf 1,3 bis 1,6 Prozent. Dementsprechend forderte Jürgen Karpinski, Präsident des Kfz-Gewerbes Hessen, auf der Pressekonferenz des Landesverbands am Donnerstag zum Blick hinter die Zahlen auf: „Das Autojahr 2017 bot eine Art Geisterfahrt, denn uns kam viel Ungemach entgegen. Die Wahrheiten des Marktes liegen hinter den blanken Zahlen.“

Für das Gefühl der Geisterfahrt sorgte in erster Linie, aber nicht nur, der Diesel. Die Diskussionen um Fahrverbote und Emissionen sorgten für eine große Verunsicherung bei den Verkäufern. Der einstige Hoffnungsträger war quasi im freien Fall. Am Ende landeten zahlreiche Euro-5-Diesel bei den Händlern auf den Höfen.

Etwa jeder zehnte der mehr als 300.000 Euro-5-Diesel, die wie Blei bei den Händlern auf den Höfen stehen, belastet einen hessischen Kfz-Betrieb. Tendenz steigend. Nicht erst seit dem Leipziger Urteil sinken die Restwerte der Selbstzünder, aber die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts hat nochmals dazu beigetragen.

In den Ballungszentren liegen die Werteverluste laut Karpinski bei rund 20 Prozent. In den ländlichen Gebieten seien es zwischen 8 und 15 Prozent. Ein kleinerer hessischer Renault-Partner berichtete, dass in den Stunden nach Urteilsverkündung rund 50 Kunden sich über den Verkauf ihres Diesels informierten. In anderen Betrieben dürfte es kaum besser gewesen sein. Das überfordere viele Betriebe, manche bringe es an den Rand ihrer Existenz.

Dabei sind die hessischen Metropolen eher unterrepräsentiert in der Liste der Städte, in denen aufgrund der NOx-Emissionen ein Fahrverbot droht. Während München (78 Mikrogramm) und Stuttgart (72 Mikrogramm) vorne liegen, folgt Darmstadt (52 Mikrogramm) als erste hessische Stadt auf Platz neun. Aus unserer Sicht würden Fahrverbote in hessischen Städten der geforderten Verhältnismäßigkeit nicht entsprechen, sagte Karpinski.

Karpinski vermisst Interesse der Hersteller am Diesel

Da hilft nur eines: mehr Klarheit. Die neue Regierung muss handeln, und zwar schnell. Karpinski wiederholte die Forderung nach einer Nachrüstverordnung für ältere Diesel. Doch die Hersteller stellen sich nach wie vor quer. Dabei sollten diese doch ein großes Interesse am Selbstzünder haben, schließlich sind die CO2-Grenzwerte ohne den Selbstzünder kaum zu halten. „Wir vermissen das Eigeninteresse der Hersteller am Diesel“, beklagt der Präsident. Diese hätten sich in den vergangenen Monaten und Jahre zu sehr auf den Elektroantrieb konzentriert.

Dabei wirkt sich die Diesel-Frage nicht nur auf den Neuwagen- und Gebrauchtwagenabsatz aus, auch im Service ist sie zu spüren. So stiegen zwar die Aufträge der Werkstätten um 2,7 Prozent auf durchschnittlich 1.915 pro Betrieb, das Umsatzplus blieb mit 0,7 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro jedoch dahinter zurück. „Beim Auftragsplus haben wir ein großes Volumen von Software-Updates in unseren Unternehmen zu einem geringeren Preis zu erledigen gehabt“, bedauert Michael Kraft, Vize-Präsident des Kfz-Gewerbes Hessen.

Doch trotz des Gefühls der Geisterfahrt in den vergangenen Monaten ist das Kfz-Gewerbe zuversichtlich für das laufende Jahr: „930.000 Autokäufer erwarten wir insgesamt, mit einem leichten Zuwachs bei den Neuzulassungen auf 385.000 und einem kleinen Rückgang bei den Besitzumschreibungen auf 545.000 Verkäufer“, prognostiziert Karpinski.

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