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Kfz-Gewerbe: Land muss Förderung für Ladesäulen verzehnfachen

| Autor / Redakteur: Antonia Seifert / Doris Pfaff

Wenn Baden-Württemberg seine Ziele in Sachen E-Mobilität erreichen will, muss es den Bau von Ladesäulen mit bis zu 25.000 Euro fördern, rechnete der Kfz-Landesverband aus. Ohne staatliche Hilfe seien die Betriebe nicht in der Lage, die Kosten zu stemmen.

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Wenn mehr E-Autos verkauft werden sollen, braucht es mehr Ladesäulen.
Wenn mehr E-Autos verkauft werden sollen, braucht es mehr Ladesäulen.
(Foto: VW)

Die Förderprogramme, um die E-Mobilität voranzubringen, reichten den Ansprüchen nicht, die die Politik an sich selbst habe. Michael Ziegler, der Präsident des Verbands des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg, fordert deshalb eine sofortige Verstärkung des Ladesäulenaufbaus und eine Fördersumme von bis zu 25.000 Euro pro Ladepunkt. Bisher zahle das Land im Programm Charge@BW maximal 2.500 Euro bei einer Förderobergrenze von 40 Prozent.

Ziegler beruft sich bei seinen Forderungen auf eine Aussage von Verkehrsminister Winfried Hermann, der vergangenen Freitag im Bundesrat in Bezug auf die Errichtung von Ladesäulen für den privaten Wohnbereich erklärt hatte, das Ziel sei gefährdet, mehr E-Autos auf die Straße zu bekommen. „Wir haben in Baden-Württemberg ausgerechnet, dass man im privaten Bereich für jedes zweite Auto eine Lademöglichkeit schaffen muss. Hier würde es also um mehrere Millionen Lademöglichkeiten gehen“, sagte Hermann.

Anspruch und Wirklichkeit klaffen meilenweit auseinander

Der Kfz-Verband nahm die Kritik des Landesverkehrsministers zum Anlass, auf die Förderpraxis im eigenen Land hinzuweisen. Das Kfz-Gewerbe in Baden-Württemberg sei bereit, seinen Teil beizutragen und in den Autohäusern und Kfz-Betrieben Ladesäulen zu installieren, so Ziegler. Allerdings seien die Förderprogramme, Fördersummen, Förderbedingungen und Fördergeschwindigkeit für die Betriebe dabei keine Hilfe. Die Betriebe fühlten sich von der Politik beim Bau der Ladeinfrastruktur im Stich gelassen. „Die Hersteller wollen schnell E-Ladepunkte sehen, denn die Politik hat sie zum Bau von E-Autos verpflichtet“, sagt Ziegler.

Das zeige auch der aktuelle Förderaufruf des Bundes, der Autohäuser durch seine Förderbedingungen faktisch ausschließe und somit die Betriebe auf den Kosten sitzen lasse. „Dabei betont die Politik doch immer, wie wichtig ihr das Vorankommen bei der Ladeinfrastruktur ist. Anspruch und Wirklichkeit klaffen hier meilenweit auseinander. Wer will, dass die E-Mobilität in der Fläche ein Erfolg wird, muss die Schnittstelle zum Kunden, also die Autohäuser, stärken“, sagt der Präsident. Die Hersteller hätten im Gegensatz zu den mittelständischen Kfz-Betrieben milliardenschwere Subventionen für Forschung und Entwicklung, aber auch für Investitionen erhalten.

Die Kosten für den Bau solcher Ladepunkte betragen im Außenbereich zwischen 25.000 und 100.000 Euro pro Standort, wenn sie der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen sollen, errechnete der Verband. Investitionen, die die Betriebe stemmen müssten, ohne Aussicht darauf, das Geld bald wieder einfahren zu können, da bislang kaum E-Kunden am Markt seien.

Zwischen 25.000 und 100.000 Euro pro Standort

Deshalb soll das Land entweder Charge@BW an die tatsächlichen Investitionskosten anpassen und bis zu 50 Prozent der notwendigen Investitionen bis maximal 25.000 Euro übernehmen oder ein spezielles Investitionsprogramm für Ladesäulen im gewerblichen Bereich mit höheren Fördersummen als bei Charge@BW auflegen, schlägt Ziegler vor.

Denn nach dem Corona-bedingten Einbruch der Verkaufszahlen bei allen Fahrzeugarten – auch bei den E-Autos – hätten die Mitgliedsbetriebe keinerlei finanziellen Spielraum mehr, um die E-Infrastruktur auf eigene Kosten auszubauen. Die Alternative zur staatlichen Förderung sei „die Verpflichtung der Hersteller, in die Ladeinfrastruktur zu investieren, allerdings verbunden mit dem Verbot, das auf die Autohäuser abzuwälzen.“

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