Kfz-Gewerbe Niedersachsen fordert Ende der Dieselumtauschprämien

Landesverband bilanziert „turbulentes Autojahr 2018“

| Autor: Christoph Baeuchle

Pressekonferenz des Kfz-Gewerbes Niedersachsen: (v. li.) Landespressesprecher Joachim Czychy, Präsident Karl-Heinz Bley und Geschäftsführer Christian Metje.
Pressekonferenz des Kfz-Gewerbes Niedersachsen: (v. li.) Landespressesprecher Joachim Czychy, Präsident Karl-Heinz Bley und Geschäftsführer Christian Metje. (Bild: Zietz/»kfz-betrieb«)

Zahlreiche Sondereinflüsse haben 2018 zu einem turbulenten Autojahr in Niedersachsen gemacht. Trotz eines leicht gewachsenen Automarkts mit einem Umsatz von 24,8 Milliarden Euro (Vorjahr: 24,4 Milliarden) verloren Autohäuser und Werkstätten Marktanteile. Ihre Erlöse lagen mit 18,9 Milliarden Euro knapp unter dem Vorjahresniveau mit 18,8 Milliarden Euro.

Damit nicht genug: Die durchschnittliche Umsatzrendite lag 2018 mit 1,2 Prozent deutlich unter dem Vorjahreswert von 1,5 Prozent. Die Schwierigkeiten aus 2018 bekamen die Autohäuser und Werkstätten gleich zu Beginn des laufenden Jahres erneut zu spüren: Die Neuzulassungen gingen um rund fünf Prozent zurück.

Für das Kfz-Gewerbe Niedersachsen Grund genug, „sehr verhaltene“ Erwartungen für 2019 auszusprechen. Insgesamt geht der Landesverband im laufenden Jahr von rund 360.000 Pkw-Verkäufen und 800.000 Besitzumschreibungen aus. Das würde in etwa dem Wert von 2018 entsprechen. „Aber es gibt noch einige Fragezeichen“, schränkte Karl-Heinz Bley, Präsident des Kfz-Gewerbes Niedersachsen-Bremen, bei der Jahrespressekonferenz des Landesverbands in Großburgwedel ein.

Die Entwicklungen beim Diesel sowie die Diskussion um Emissionswerte und Fahrverbote haben den Kfz-Markt aus dem Gleichgewicht gebracht. Zwar lag der Pkw-Absatz auf Vorjahresniveau (11 Milliarden Euro, davon 7,2 Milliarden Euro über den Handel) und der Service legte zu (um 4,7 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro). Aber die Bremsspuren im Gebrauchtwagenmarkt waren umso deutlicher: Insgesamt gingen die Besitzumschreibungen von 810.000 Einheiten 2017 auf 791.000 im vergangenen Jahr zurück. Zugleich legte die Zahl privat verkaufter Gebrauchter um rund 10.000 Stück auf 269.000 Einheiten zu. Entsprechend deutlich war der Rückgang bei den Erlösen: Insgesamt sank der Umsatz mit Gebrauchten im Fachhandel um rund 200 Millionen Euro auf 7,2 Milliarden Euro.

Umtauschprämien sind getarnte Rabattaktionen

Entscheidender Faktor für die Entwicklung waren aus Sicht des Kfz-Gewerbes die von zahlreichen Herstellern gewährten Dieselumtauschprämien. Sie seien „Rabattaktionen in neuer Verkleidung“, kritisierte Joachim Cyzchy, Landespressesprecher des Kfz-Gewerbes Niedersachsen-Bremen. Und forderte: „Die Dieseltauschprämien sollten schnellstmöglich beendet werden.“ Sie würden den Markt verzerren. „Die negativen Folgen überwiegen, die Nachlässe gehen zulasten der Rentabilität.“

Ohnehin leiden die Händler unter den nur schwer verkäuflichen gebrauchten Euro-5-Dieseln. Von ihnen stehen rund 20.000 Stück auf den Höfen der niedersächsischen Händler. In der Regel stehen sie dort 100 Tage und mehr – bei täglichen Händlerkosten von rund 30 Euro. Kein Wunder also, dass die Händler nach Absatzalternativen suchen, auch im Ausland. „Es gibt Schätzungen, nach denen nahezu zwei Drittel der Händler diese Fahrzeuge gen Osten verkaufen“, so Czychy.

Stattdessen sollten die Fahrzeuge eher nachgerüstet werden. Rund 500.000 Euro-5-Diesel rollen auf Niedersachsens Straßen. Kommen die Nachrüst-Angebote auf den Markt, sieht Bley gute Chancen für die Werkstätten. „Ich gehe davon aus, dass sowohl Endverbraucher als auch Unternehmen stark davon Gebrauch machen werden.“

Zudem hofft der Landesverbandspräsident, der auch im niedersächsischen Landtag sitzt, dass die drohenden Fahrverbote in Hannover, Oldenburg und Osnabrück noch umgangen werden können. Denn in diesen Städten liegen die NOx-Werte im angestrebten Toleranzbereich zwischen 40 und 50 Mikrogramm.

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