90 Jahre Kfz-Innung München-Oberbayern Vom Nebengewerk zur größten Innung

Von Doris Pfaff

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Die Kfz-Innung München-Oberbayern hat als starker Partner mehrere Generationen von Kfz-Handwerkern auf ihrem unternehmerischen Weg begleitet und unterstützt. Nun feierte sie mit Mitgliedern und Mitarbeitenden ihr 90-jähriges Bestehen.

Obermeister Johann Bader (Mitte) freut sich über 90 Jahre Kfz-Innung München-Oberbayern. Mit ihm feiern (v. l.) Hans Maier (stellv. Obermeister), Silvia Rogler (stellv. Geschäftsführerin), Heinrich Nadler (stellv. Obermeister) und Andreas Brachem (Geschäftsführer).
Obermeister Johann Bader (Mitte) freut sich über 90 Jahre Kfz-Innung München-Oberbayern. Mit ihm feiern (v. l.) Hans Maier (stellv. Obermeister), Silvia Rogler (stellv. Geschäftsführerin), Heinrich Nadler (stellv. Obermeister) und Andreas Brachem (Geschäftsführer).
(Bild: DAVIES)

Ihr 90-jähriges Bestehen feierte die Kfz-Innung München-Oberbayern am vergangenen Freitag in ihrer Geschäftsstelle. Zwar sei es eigentlich kein echtes Jubiläum, aber doch Grund genug, für die Mitglieder in diesen schwierigen Zeiten ein Fest auszurichten, sagte Obermeister Johann Bader.

Es war ein entspannter Abend: ohne Grußworte und überbordende Festreden, dafür mit guten Gesprächen bei Hähnchen und kühlen Getränken. Der Obermeister und der Innungsvorstand hatten eingeladen, und die Mitglieder waren gekommen. Der Saal war gut gefüllt und die Stimmung bestens.

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So ganz ohne Rede ging es dann aber doch nicht. Johann Bader gab als erst neunter Obermeister in der Geschichte der Innung einen Überblick zu ausgewählten Highlights der Innungshistorie. Vor allem aber rief er optimistisch aus: „Wir freuen uns auf die Zukunft!“

Um die 1920er Jahre erreichte der Pkw-Bestand eine Dimension, welche die berufliche Beschäftigung mit dem Auto interessant und wirtschaftlich machte. Daher gründete sich bereits 1922 eine „Vereinigung fachmännischer Autoreparaturwerkstätten und -händler“ in München – eine Organisation, die „direkter Vorläufer unserer Kfz-Innung war“, wusste Bader zu berichten. 1932 gilt als das Gründungsjahr der Innung. Doch der Weg dahin war schwierig, auch weil das Kfz-Gewerbe in den Augen der Behörde eher als Nebengewerk galt.

Schwierige und mehrjährige Gründungsphase

Nach fünf Jahren Genehmigungsphase durch die Regierung von Oberbayern – Behördenmühlen mahlten also auch früher langsam – kam es 1932 dann zur Gründung der „Innung für das Kfz-Mechaniker-Handwerk München-Oberbayern“. Räumlich ist die Kfz-Innung also seit dem Start ihrer Tätigkeit für den ganzen Regierungsbezirk Oberbayern zuständig. Oberbayern ist mit rund 17.500 Quadratkilometer, etwa einem Viertel der Gesamtfläche Bayerns, der größte der sieben bayerischen Regierungsbezirke.

„Dass die Mitglieder unserer Kfz-Innung eine hohe Verbundenheit zu uns haben, zeigen die seit Jahrzehnten stabilen Mitgliederzahlen, die aus unserer Innung mit annähernd 2.000 Mitgliedern noch immer die größte in ganz Deutschland machen“, so Obermeister Bader weiter.

Das Engagement für Aus- und Fortbildung gehörte von Anfang an zu einer der wichtigsten Aufgaben. So konnte die Kfz-Innung München-Oberbayern bereits 1935 erstmals eine Kfz-Prüfungswerkstätte in München verwirklichen.

Nach dem Krieg war es wegen der ständig steigenden Zahl von Lehrlingen und der wiederauflebenden Kraftfahrzeug-Industrie nötig, die praktische Schulung bei Lehrlingen und Gesellen zu fördern. Anfang 1957 wurde eine innungseigene Fachschule des Kfz-Handwerks in München-Sendling eröffnet, die bereits 1962 um ein zusätzliches Stockwerk erweitert wurde.

Während 1962 im Innungsgebiet Oberbayern noch rund 2.300 Kfz-Lehrlinge ausgebildet wurden, stieg diese Zahl in der Folgezeit weiter an. Ende 1980 erreichte sie mit über 6.800 Lehrlingen ihren Höhepunkt. Aktuell gibt es in Oberbayern 4.200 Auszubildende in der Kfz-Mechatronik und circa 700 Automobilkaufleute.

Wegbereiter der Kfz-Schiedsstellen

Bader berichtete stolz von einem weiteren Meilenstein der Innungsgeschichte im Jahr 1970: „Es wurde die Schiedsstelle des Kraftfahrzeug-Handwerks München-Oberbayern eingerichtet, deren Mitbegründer Obermeister Josef Diermeier zusammen mit dem Präsidenten des Zentralverbandes des Kraftfahrzeug-Gewerbes Fritz Haberl war. Gemeinsam mit Hamburg war die Münchner Schiedsstelle die erste ihrer Art bundesweit.“

Im Mai 1983, also vor knapp 40 Jahren, wurde ein Neubau für ein Bildungszentrum und die Geschäftsstelle in München-Moosach fertiggestellt, unter der Ägide von Obermeister Hans Morigl, einem Autohändler aus dem Münchner Vorort Germering.

Pioniergeist in Sachen E-Mobilität

Immer wieder startete die Kfz-Innung München-Oberbayern besondere Ausbildungsprojekte. Eines der erfolgreichsten sei zweifellos „Abi & Auto“, so Bader: „An der Berufsschule Landsberg wurde 2009 auf Initiative der Kfz-Innung eine spezielle Fachklasse für Abiturienten in der Berufsausbildung ins Leben gerufen. Diese Auszubildenden werden direkt nach der Ausbildungszeit zum staatlich anerkannten Kfz-Servicetechniker ausgebildet, sodass sich in kurzer Zeit vielfältige Karrierewege erschließen. Inzwischen läuft das preisgekrönte Projekt bereits im 13. Jahr und findet auch überregional gute Resonanz. Es gibt sogar zwei weitere Standorte in Deutschland, die unser Konzept übernommen haben.“

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Pioniergeist zeigte die Kfz-Innung München-Oberbayern auch in Sachen Elektromobilität: Bereits 2013 entwickelte man im Rahmen des bundesweiten Förderprojekts „Schaufenster Elektromobilität“ Ausbildungsinhalte für das Kfz-Handwerk. Dazu richtete die Innung in Garching bei München ein eigenes Schulungscenter ein.

Auch in der kaufmännischen Ausbildung im Kraftfahrzeuggewerbe engagiert sich die Kfz-Innung über das normale Maß hinaus. Als 1998 der Ausbildungsberuf „Automobilkaufmann / Automobilkauffrau“ eingeführt wurde, übernahm man gleich die Aufgabe der Prüfungsdurchführung im Auftrag der Handwerkskammer für München und Oberbayern. Eine Situation, die bundesweit noch immer einmalig sei, berichtete Bader. Durch den engen Kontakt mit Mitgliedsbetrieben könne man so den Ausbildungsbetrieben Service aus einer Hand bieten.

Trotz Transformation weiterhin positiv gestimmt

Aktuell befindet sich das Kraftfahrzeuggewerbe sicher in einem der größten Umbrüche seit Erfindung des Automobils. Doch das Kfz-Gewerbe habe es in den vergangenen Jahrzehnten immer verstanden, sich auf neue Technologien einzustellen, ist Bader optimistisch: „Die wichtigste Ressource der Arbeitswelt von morgen ist und bleibt der kreative Mensch!“

Für die Kfz-Innung München-Oberbayern sei der stattfindende Transformationsprozess Auftrag und Ansporn zugleich, ihren Mitgliedern „nicht nur sprichwörtlich“ weiterhin mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, schloss Bader seine Festansprache.

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