Suchen

„Kfz-Joblinge“: Erste Hilfe für die zweite Chance

| Autor: Christoph Baeuchle

Immer wieder fallen Jugendliche durchs gesellschaftliche Raster. Dabei haben die jungen Menschen durchaus was drauf. Das zeigt sich, wenn sie im Arbeitsalltag stehen. Das Projekt „Kfz-Joblinge“ hilft dabei.

Firma zum Thema

Das Kfz-Jobling-Projekt in München kommt gut an.
Das Kfz-Jobling-Projekt in München kommt gut an.
(Bild: Joblinge gAG)

Unter den Jugendlichen in München und Umkreis herrscht Vollbeschäftigung. Laut Wilfried Hüntelmann, Leiter der Agentur für Arbeit in München, gibt es in dieser Altersgruppe eine Arbeitslosenquote von nur 1,9 Prozent. Doch dahinter stecken rund 1.800 Münchner unter 25 Jahren. An sie richtet sich das Projekt „Kfz-Joblinge“, das die Agentur für Arbeit, die Kfz-Innung München-Oberbayern, die TÜV-Süd-Stiftung und die Organisation „Joblinge“ vor zwei Jahren aufgelegt haben. Nun haben die Beteiligten ein positives Resümee gezogen.

„Die Sorge um den Nachwuchs führt dazu, dass wir Projektpartner sind“, sagt Andreas Brachem, Geschäftsführer der Kfz-Innung München-Oberbayern. Mittlerweile engagieren sich einige Autohäuser und Werkstätten bei dem Projekt, dazu gehört auch das Autohaus Huber. In dem Sauerlacher Familienbetrieb hat Iraklis Gkaisarlidis im Herbst vergangenen Jahres eine Lehre begonnen. Werkstattleiter Rainer Graf ist mehr als zufrieden. „Iraklis war vom ersten Tag an sehr engagiert.“ Das gilt sowohl für das halbjährige Praktikum, das der Jugendliche zunächst im Autohaus Huber machte, als auch für seine Lehre.

Um sein Können unter Beweis zu stellen, nimmt der junge Mann täglich eine Fahrzeit von deutlich mehr als einer Stunde auf sich. Graf hat an seinem Schützling nie gezweifelt. Allenfalls hat er befürchtet, dass der schmächtige Jugendliche in Stoßzeiten „schlapp macht“. Aber davon ist nichts zu spüren. Eher das Gegenteil.

„Für mich ist Iraklis Gkaisarlidis keine große Mehrbelastung. Er ist wie jeder normale Lehrling auch“, betont Graf. Allerdings hat der engagierte Werkstattleiter nicht mit allen seinen Jobling-Schützlingen so viel Glück. Drei sind bereits abgesprungen, einer davon im zweiten Lehrjahr. Aber das sei mit anderen Lehrlingen nicht anders.

Ziel: Zwölf neue Auszubildende pro Jahr

Alle am Projekt Beteiligten wollen den Jugendlichen, die in der Regel aus einem sozial benachteiligten Umfeld kommen, eine Chance geben und ihnen den Sprung in die berufliche Ausbildung ermöglichen. „Es ist völlig normal, dass Jugendliche mit ihrem Lebenslauf auch mal durchs Raster fallen. Dann klappt die Bewerbung nicht auf dem regulären Weg“, so Wilfried Hüntelmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit. Das müsse nicht heißen, dass die Jugendlichen für einen Job nicht geeignet seien.

Auf ihrem Weg Richtung Ausbildung erhalten die jungen Menschen Unterstützung: Zunächst werden sie fachlich und persönlich auf ihre Eignung geprüft. Nach dem Eignungstest der Kfz-Innung bekommen qualifizierte Bewerber die Möglichkeit, in einem Kfz-Betrieb ein Praktikum von bis zu vier Wochen zu machen, um eine erste Orientierung zu erhalten. Danach sollen die Jugendlichen in einer sechsmonatigen, so genannten Einstiegsqualifizierung die Ausbildungsreife erlangen. Arbeitsagentur und TÜV-Süd-Stiftung unterstützen diese Phase mit einem Ausbildungssalär von 450 Euro pro Monat.

„Wir möchten künftig jedes Jahr zwölf junge Menschen in die Ausbildung bringen“, erklärt Ilse Schmücker von Joblinge. Die Maßnahme scheint erfolgreich zu sein. Die ersten Teilnehmer haben ihre Lehre inzwischen begonnen. Derzeit ist das Projekt für Kfz-Mechatroniker noch auf München begrenzt. Das Autohaus Huber und Werkstattleiter Rainer Graf sind auch in Zukunft dabei: „Wir haben jetzt wieder zwei Lehrstellen zu besetzen, davon halte ich eine auf jeden Fall für einen Jobling frei.“

(ID:45706630)