Suchen
+

Kfz-Obermeisterinnen: „Gute Zeiten kann jeder“

| Autor / Redakteur: Doris Pfaff / Doris Pfaff

Svenja Fricke ist eine von vier Kfz-Obermeisterinnen im Land. Von ihrer Innung Osterode in Niedersachsen erwartete sie ein konkurrenzloses Miteinander, um Probleme gemeinsam angehen zu können. Ein Ziel, dass sie inzwischen erreicht hat.

Kfz-Obermeisterin Svenja Fricke setzt auch privat ganz auf Wohnmobile.
Kfz-Obermeisterin Svenja Fricke setzt auch privat ganz auf Wohnmobile.
(Bild: Autohaus Fricke)

Von der Frauenquote hält Svenja Fricke, Obermeisterin der Innung Osterode in Niedersachsen, nicht allzu viel. Zumindest nicht in der Werkstatt. „Die Arbeit dort ist trotz aller Hilfsmittel immer noch ein Knochenjob. Körperlich stoßen Frauen da leider oft an ihre Grenzen, genauso wie auch manche Männer“, sagt die 53-Jährige. Nichtsdestotrotz unterstütze sie jedes Mädchen, das den Weg in die Werkstatt suche. Einfach weil sie, wenn sie es körperlich schafften, auch richtig gut seien. Sie selbst nennt ihr Autohaus in Scharzfeld am Harz ihr Zuhause.

Etwas anderes, als im Kfz-Gewerbe zu arbeiten, kam für sie deshalb nie infrage. Sie und ihre beiden Brüder wuchsen praktisch im Autohaus der Eltern auf und lernten schon früh, zu schrauben. Das macht sie auch heute noch gerne. Dass von ihr als Frau etwas anderes erwartet wurde, bekam sie schon als Kind schmerzlich zu spüren: Während für ihre Brüder jeweils eine Matchboxsammlung unter dem Weihnachtsbaum lag, bekam Svenja Fricke eine Puppe. „Ich war so traurig und wütend, dass ich hinterher doch noch meine Autos bekam und glücklich war.“ Als es später um die Berufsausbildung ging, lief es zunächst auch nicht so, wie sie es sich gewünscht hatte. Ihre Brüder durften den Kfz-Mechatroniker lernen, sie sollte sich um die Finanzen kümmern, also eine kaufmännische Ausbildung machen. „Mein Vater hat mir erklärt, dass der Betrieb dringend auch jemanden dafür brauche“, sagt sie. Heute wisse sie, dass er recht hatte und wie wichtig ihr beruflicher Hintergrund ist. „Viele Handwerksbetriebe kranken daran, dass ihnen die betriebswirtschaftliche Rückendeckung im Unternehmen fehlt“, sagt sie. Das mache sich vor allem in Krisenzeiten wie jetzt bemerkbar. „Gute Zeiten kann im Prinzip jeder, aber schlechte Zeiten nicht.“