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Kfz-Präsident Helmut Peter: „Ich werde alles geben“

Autor: Doris Pfaff

Seit Ende Juni führt Helmut Peter als Präsident den Kfz-Landesverband Thüringen, kurz danach wurde er auch Vizepräsident des neuen Mitteldeutschen Kraftfahrzeuggewerbes. Der 62-Jährige ist bekannt dafür, dass er seine Meinung gerne offen kundtut und deshalb nicht immer bequem ist.

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Helmut Peter ist neuer Präsident des Kfz-Landesverbands Thüringen.
Helmut Peter ist neuer Präsident des Kfz-Landesverbands Thüringen.
(Bild: Peter-Gruppe)

Redaktion: Sie sind neuer Chef des Kfz-Landesverbands Thüringen, der in zwölf Innungen rund 1.000 Mitglieder zählt. Warum, glauben Sie, wurden Sie gewählt?

Helmut Peter: Als Inhaber der Autohaus-Peter-Gruppe mit 24 Standorten in drei Bundesländern habe ich einen guten Überblick über die Branche und bin Koordinator zwischen Hersteller und Handel. Und ich bin seit 2006 im Landesverband aktiv. Diese Erfahrung schätzen die Mitgliedsbetriebe.

Inzwischen sind Sie auch Vizepräsident des Mitteldeutschen Kfz-Gewerbes (MDK). Was ist das Ziel dieser Kooperation?

Die Interessen und die Struktur der Landesverbände Thüringen und Sachsen-Anhalt, aber auch die von Sachsen sind sehr ähnlich. Deshalb macht es Sinn, mit einer Stimme – auch im Bundesverband – zu sprechen. Wir hätten gern Sachsen von Beginn an dabei gehabt, das hat leider noch nicht geklappt. Aber ich bin zuversichtlich.

Was haben Sie sich vorgenommen?

Mein Ziel ist, in den nächsten Jahren den Landesverband so aufzustellen, dass er zukunftsfähig ist. Die Mitglieder müssen den Mehrwert des Verbands spüren. Deshalb möchte ich mein Wissen, das kein anderer hat, weitergeben und früh einen Nachfolger aufbauen. Denn ewig werde ich das nicht machen, höchstens vier Jahre. Deshalb ist es wichtig, frühzeitig entsprechende Leute aufzubauen und mitzunehmen. Hier geht es nicht um Einzelpersonen, sondern um den Verband.

Was wollen Sie konkret ändern?

Im Landesverband möchte ich beispielsweise die Situation um die großen Autohausgruppen ändern. Die Ketten werden immer größer, und der Vertrieb zu den Herstellern bzw. Importeuren wird komplizierter. Diese Gruppen müssen wir besser in den Verband einbinden, um sie gegenüber den Herstellern zu stärken und um von ihrer Expertise profitieren zu können. Auch die Digitalisierung müssen wir weiter voranbringen, insbesondere was die Zulassungen angeht. Die Corona-Pandemie hat uns die Probleme offenbart. Wenn wir nicht die tägliche Übersicht vom Kroschke-Zulassungsdienst gehabt hätten, wäre es noch schlimmer gewesen. Deshalb müssen wir die Onlinezulassung realisieren.

Welchen Besonderheiten müssen Sie in Thüringen Rechnung tragen?

Unsere Struktur hier ist schon etwas anders, wir sind sehr ländlich geprägt und haben ein paar größere Städte. Die Gefahr besteht, vor allem für die vielen freien Werkstätten, dass die Schere zwischen Großstadt und ländlichem Raum weiter auseinandergeht und sich die Gräben vertiefen.

Was genau meinen Sie?

Wir haben viele freie Werkstätten auf dem Land, die einen Komplettservice bieten und bieten müssen. Das muss für sie aber auch finanzierbar sein; auch mit Blick auf die zunehmende E-Mobilität. Deshalb müssen wir dafür sorgen, dass sie den Anschluss in Sachen Digitalisierung, zum Beispiel zu den Fahrzeugdaten, nicht verlieren.

Die Elektromobilität wird durch die E-Prämie kräftig angeschoben. Wie wird sich das auf die Betriebe auswirken?

Die reine Elektromobilität wird so nicht kommen. Die Verbrenner werden weiterhin ihre Berechtigung haben und vor allem im ländlichen Raum unverzichtbar sein. Deshalb halte ich diesen Weg auch für falsch. Das heißt nicht, dass ich den Klimaschutzgedanken nicht mittrage. Ich mache alles mit, aber es muss Sinn machen.

Glauben Sie, der Landesverband ist mit Blick auf den Nachwuchs gut aufgestellt?

Der Landesverband muss weiter für Nachwuchs werben und die Kosten dafür übernehmen, das richtige Personal zu finden. Wir brauchen mehr qualifizierbaren Nachwuchs. Uns bietet sich jetzt eine Chance. Durch die Coronakrise wurde ein Umdenkprozess eingeleitet, der nicht nur unsere Branche betrifft. Das Handwerk hat eine andere Bedeutung bekommen, es wollen mehr Leute nach der Schule in einen Beruf. Gerade wir in Thüringen profitieren davon, dass die Industrie dadurch, dass sie weniger oder gar nicht mehr einstellt, nicht wie bisher unsere Fachkräfte abwirbt.

Was wünschen Sie sich für Ihre Amtszeit?

Ich wünsche mir, dass wir insgesamt mehr miteinander als übereinander reden. Dazu gehört auch, sich andere Meinungen anzuhören und diese gelten zu lassen. Dann macht das auch mehr Spaß. Ich werde mich jedenfalls aktiv einbringen und alles geben.

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Über den Autor

 Doris Pfaff

Doris Pfaff

Redakteurin bei »kfz-betrieb«, Ressort Verbände & Politik