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Kfz-Rheinland-Pfalz: Hardwarenachrüstung statt Fahrverbote

| Autor: Doris Pfaff

Trotz Umsatzplus schwächelt die Rendite im Kfz-Gewerbe von Rheinland-Pfalz. An eine Trendwende für das laufende Jahr glaubt der Landesverband nicht. Corona-Krise, drohende Fahrverbote und E-Mobilität seien Risiken, die eine sichere Prognose erschwerten.

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Der Kfz-Landesverband Rheinland-Pfalz blickt skeptisch auf das Autojahr 2020 (von links): Pressesprecher Andreas Gröhbühl, Präsident Hans Werner Norren und Geschäftsführer Jens Bleutge.
Der Kfz-Landesverband Rheinland-Pfalz blickt skeptisch auf das Autojahr 2020 (von links): Pressesprecher Andreas Gröhbühl, Präsident Hans Werner Norren und Geschäftsführer Jens Bleutge.
(Bild: Doris Pfaff)

Um 2,7 Prozent auf insgesamt 8,2 Milliarden stieg der Umsatz im rheinland-pfälzischen Kfz-Gewerbe im vergangenen Jahr – doch das nur, weil der Fahrzeugpreis gestiegen ist. Der Rendite half das nicht. Statt der angestrebten mindestens 3 Prozent stagniert sie bei weiterhin „mickrigen“ 1,3 Prozent, wie der Landesverband am Donnerstag bei der Jahrespressekonferenz in Mainz mitteilte.

Das sei viel zu wenig, um langfristig bestehen und wirtschaftlich Handeln zu können. Warum auch das vergangene Autojahr in Rheinland-Pfalz schwächelte, machte der Präsident des Kfz-Landesverbands Rheinland-Pfalz, Hans Werner Norren, vor allem an den gestiegenen Eigenzulassungen (+ 3,6 %) und am geschrumpften Werkstattgeschäft fest.

Eigenzulassungen als versüßtes Gift

Mit den Eigenzulassungen von Neuwagen schmälerten die Händler ihren Gewinn. „Das versüßte Gift der Branche“, so nennt Norren die jungen Gebrauchtwagen, sicherten zwar zunächst die Boni, im Verkauf bescherten sie den Händlern aber Einbußen. Das passierte in zwei Zulassungswellen: im Herbst durch die geänderte Abgasnorm und im Dezember durch die festgelegten C02-Grenzwerte. „Jetzt schleppt der Handel die jungen Gebrauchten selbst ins Jahr 2020, wo sie erneut die Rendite beeinträchtigen werden." Der Umsatz im Neuwagengeschäft stieg aufgrund der Anschaffungspreise um 9 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro.

Das Werkstattgeschäft sank 2019 um fast 11 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro. Ähnliche Zahlen ermittelte der ZDK auch bundesweit für die Branche. Als Ursachen werden auch in Rheinland-Pfalz die stetig steigende Qualität von Neuwagen genannt, die weniger reparaturanfällig seien und in größeren Abständen gewartet werden müssten.

Diesen Trend, glaubt Norren, werde die durch staatliche Förderungen forcierte Elektromobilität fortsetzen, weil Elektroautos deutlich weniger Wartungen bedürfen als herkömmliche Antriebe.

E-Mobilität als Risiko

Insgesamt trübe das auch die Sicht auf das laufende Jahr. Die Prognose erläuterte Geschäftsführer Jens Bleutge. Die Zahl der Neuzulassungen werde zurückgehen, weil Unsicherheiten dem Markt zu schaffen machten. Allen voran nannte Bleutge die Elektromobilität. Getrieben durch Versprechen an die Politik werden von den Herstellern E-Autos in den Handel gebracht, die Kunden nicht wollten, weil die noch flächendeckende Ladeinfrastruktur fehlte.

Für die solle nun der Handel alleine sorgen. Die Investitionskosten von durchschnittlich 50.000 Euro pro Ladesäule müssten die Betriebe ohne Unterstützung vom Staat oder von den Herstellern allein stemmen. Geld, das nicht mit der E-Mobilität verdient werden könnte. „Land und Bund müssen auch die Ladeinfrastruktur fördern, die nicht den ganzen Tag über öffentlich zugänglich ist, wenn sie wollen, dass die E-Mobilität in die Gänge kommt", forderte Norren.

Für noch nicht ausgestanden hält der Landesverband die Dieselkrise. Zwar habe sich der Markt zugunsten des Dieselfahrzeugs stabilisiert. Doch drohende Fahrverbote sorgten weiterhin für Unsicherheiten und Kaufrückhaltung.

Hardwarenachrüstung fördern

In Teilen von Mainz treffe das ab 1. Juli geltende Dieselfahrverbot rund 600.000 Fahrzeuge, laut Norren ein Viertel des Gesamtbestands des Landes. Vor allem „Geringverdiener mit älteren Autos sind die Gelackmeierten“, so Norren. Denn sie könnten sich nicht eben ein neues Fahrzeug anschaffen. Eine staatlich geförderte Hardware-Nachrüstung wäre die einzige Alternative für ein Fahrverbot. „Während die Menschen in stärker belasteten Städten von einer Förderung profitieren, schauen die Mainzer in die Röhre. Zynisch könnte man sagen: Für die Diesel-Fahrer wäre es fast besser, wenn die NOx-Belastung in Mainz höher wäre", so Norren.

Das Kfz-Gewerbe Rheinland-Pfalz zählt rund 2.800 Betriebe und 14 Innungen mit rund 31.000 Beschäftigten, darunter sind 27.000 Mechatroniker.

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Über den Autor

 Doris Pfaff

Doris Pfaff

Redakteurin bei »kfz-betrieb«, Ressort Verbände & Politik