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Kfz-Schiedsstellen bestehen seit 50 Jahren

Autor: Doris Pfaff

Streitigkeiten zwischen Kunden und Kfz-Betrieben kann es immer geben. Um die zu lösen, ohne die Gerichte zu belasten, haben sich vor 50 Jahren die ersten Schiedsstellen des Kfz-Gewerbes gegründet. Mit Erfolg: Fast alle Konflikte können sie heute außerhalb des Gerichtssaals klären.

Die Kfz-Schiedsstelle erreicht fast immer eine außergerichtliche Einigung zwischen den Parteien.
Die Kfz-Schiedsstelle erreicht fast immer eine außergerichtliche Einigung zwischen den Parteien.
(Bild: iStock.com-Anders)

Wenn es Auseinandersetzungen mit den Kunden gibt, kostet das die Betriebe meist Zeit, Geld und mitunter den guten Ruf. Erst recht, wenn diese langwierige Gerichtsverfahren nach sich ziehen. Alles Faktoren, die ein Unternehmer vermeiden möchte. Dafür bedarf es Schlichter, die sich unabhängig, schnell und kompetent des Streits annehmen und ihn befrieden, ohne dass unkalkulierbare Kosten entstehen.

Das ist auch im Sinne des Kunden, für den die Teilnahme kostenlos ist und der sich den Weg zum Anwalt spart. Die Einrichtung einer Kfz-eigenen Schiedsstelle ist genau aus diesen Gründen ins Leben gerufen worden und klärt seit 50 Jahren Streitigkeiten zwischen Kunden und Kfz-Innungsbetrieben.

Erfolgsquote bis zu 90 Prozent

Und das mit großem Erfolg: In bis zu rund 90 Prozent der Fälle können so Auseinandersetzungen unbürokratisch gelöst werden. Das entlastet auch die Gerichte. „Dieses Verfahren hat sich in den letzten 50 Jahren zu einer Erfolgsgeschichte für Autofahrer, Werkstätten und Gebrauchtwagenhandel gleichermaßen entwickelt. Kunden können ihre Rechte gegenüber Kfz-Innungsbetrieben bei Serviceleistungen und beim Gebrauchtwagenkauf überprüfen lassen und bekommen berechtigte Ansprüche in der Regel schnell erfüllt“, sagt ZDK-Präsident Jürgen Karpinski.

1970 wurden die ersten Kfz-eigenen Schiedsstellen in Hamburg und München als eine freiwillige und branchenspezifische Institution des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes für den Verbraucherschutz gegründet. Heute gibt es in jedem Bundesland Kfz-Schiedsstellen, bundesweit etwa 100. Welche zuständig ist, richtet sich nach dem Geschäftssitz des jeweiligen Autohauses oder der Werkstatt, die in einen Streit verwickelt ist.

Zu den ZDK-Partnern gehören der ADAC, die Deutsche Automobil Treuhand (DAT) und das Europäisches Verbraucherzentrum (EVZ). Sie gehören auch den Schiedskommissionen der jeweiligen Schiedsstellen an. Den Vorsitz hat ein zum Richteramt befähigter Jurist inne. Aber nur rund zehn Prozent der Schlichtungsverfahren landen vor der Kommission, knapp 9.000 Verfahren kann die Schiedsstelle im Vorfeld gütlich klären.

Fast immer finanzielle Forderungen

Fast immer sind es finanzielle Forderungen, die den Streit auslösen. Meistens sind die Kunden nicht mit der Höhe ihrer Werkstattrechnung einverstanden. Sie monieren unnötige und unsachgemäße oder nicht in Auftrag gegebene Reparaturen.

Beim Gebrauchtwagenkauf kommt es meist wegen technischer Mängel am Fahrzeug, Unfallschäden oder Problemen mit dem Kaufvertrag zum Streit. Dann sollten die Betriebe ihre Kunden auf die Möglichkeit eines Schiedsverfahrens hinweisen, das für den Kunden grundsätzlich kostenlos ist. Wer jeweils im Recht ist, versucht die Schiedsstelle unbürokratisch zu klären und dann eine Einigung herbeizuführen.

Einige Fälle sind ausgeschlossen

Von einem solchen Schlichtungsverfahren ausgeschlossen sind Auseinandersetzungen über den Gebrauchtwagenpreis, den Verkauf von Neuwagen und Fahrzeugen über 3,5 Tonnen. Keine Chance haben auch Streitigkeiten, die bereits bei Gericht anhängig sind. Ansonsten kann entweder der Autohauskunde oder der Kfz-Betrieb selbst die brancheneigene Schiedsstelle anrufen.

Am Schiedsverfahren nehmen grundsätzlich alle Mitglieder einer Kfz-Innung teil – erkennbar am blau-weißen Meisterschild und einem entsprechenden Passus in den allgemeinen Geschäftsbedingungen. Andernfalls haben Kunden die Möglichkeit, sich an die Universalschlichtungsstelle des Bundes zu wenden.

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Über den Autor

 Doris Pfaff

Doris Pfaff

Redakteurin bei »kfz-betrieb«, Ressort Verbände & Politik