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Kieler Dieselfahrer wollen umrüsten

Autor / Redakteur: Holger Zietz / Christoph Baeuchle

Hamburg hat als erste Stadt Fahrverbote für ältere Diesel ausgesprochen. Weitere Städte könnten folgen. Dazu gehört Kiel. Die Unsicherheit über die Zukunft ärgert viele Dieselfahrer. Das zeigte sich auf einer Veranstaltung der Kfz-Innung Kiel-Neumünster.

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Um Fahrverbote zu umgehen, sind Kieler Dieselfahrer zum Nachrüsten ihrer Selbstzünder bereit.
Um Fahrverbote zu umgehen, sind Kieler Dieselfahrer zum Nachrüsten ihrer Selbstzünder bereit.
(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Nach der Einführung in Hamburg sind Dieselfahrverbote nicht mehr nur eine abstrakte Bedrohung, sondern Realität. Das verunsichert viele Dieselfahrer in anderen Städten noch stärker – vor allem, wenn die Städte von der Deutschen Umwelthilfe verklagt werden. Eine dieser Kommunen ist Kiel.

Wie groß die Verunsicherung und der Ärger der Kieler sind, zeigte sich auf einer Veranstaltung der Kfz-Innung Kiel-Neumünster zum Thema Diesel. Mehr als 250 Besucher kamen in den Hörsaal der Universität Kiel, um den Ausführungen von Obermeister Hans W. Hansen und der Vertreter von ADAC und Twintec zu folgen.

Es gab zahlreiche offene Fragen: Müssen Dieselfahrer in Kiel mit Einschränkungen rechnen? Was bringt das Softwareupdate? Schadet es dem Motor? Erhöht es den Verbrauch? Wie wirkt es sich auf die Restwerte der betroffenen Fahrzeuge aus? Auf viele Fragen hatten die Vertreter Antworten, allerdings nicht auf alle. Es zeigte sich ein weiteres Mal, wie verunsichert die Autofahrer sind. Man fühle sich beim Thema Diesel völlig allein gelassen, kritisierte ein Teilnehmer.

Zeigen die Fakten auf: (v.li.) Jan-Nikolas Sontag (Kfz-Gewerbe Schleswig-Holstein), Henning Middelmann (Twintec), Simon Peter (ADAC) und Hans W. Hansen (Kfz-Innung Kiel-Neumünster).
Zeigen die Fakten auf: (v.li.) Jan-Nikolas Sontag (Kfz-Gewerbe Schleswig-Holstein), Henning Middelmann (Twintec), Simon Peter (ADAC) und Hans W. Hansen (Kfz-Innung Kiel-Neumünster).
(Bild: Zietz/»kfz-betrieb«)

Es verwunderte nicht, dass die Besucher der Veranstaltung in der Diskussion ihrem Unmut Luft machten und ihrem Ärger über Politik und Automobilhersteller freien Lauf ließen. „Wenn ich das alles so höre, möchte ich zurzeit gar kein neues Auto kaufen“, resümierte ein Kieler. Er fühle sich auch von seinem Händler, also seinem Vertragspartner, im Stich gelassen.

Klar ist: Die Kieler Dieselfahrer würden ihren Selbstzünder umrüsten, wenn es das entsprechende Angebot auf dem Markt gäbe und die Politik Rechtssicherheit schaffen würde. Dies fordert das Kfz-Gewerbe schon lange. Erst jüngst wandte sich ZDK-Präsident Jürgen Karpinski mit dem Anliegen an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer. Aber die Bundespolitik ist sich uneins. Im Verkehrsministerium sieht man bislang in Umrüstungen keine Alternative. Vielmehr würde der Einbau eines NOx-Filters zum Erlöschen der Betriebserlaubnis für das Fahrzeug führen.

Nicht nur in der Bundespolitik haben die Akteure unterschiedliche Ansichten, gleiches gilt für den Norden. Der Luftreinhalteplan für Kiel sieht Einschränkungen für Diesel auf der Stadtautobahn vor. Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) ist klar gegen Fahrverbote, Landesumweltminister Robert Habeck (Grüne) dafür. Das Umweltschutzamt der Stadt prüft derzeit alle Maßnahmen zur Reduzierung der Schadstoffe auf ihre Wirksamkeit.

Das sorgt für viele Diskussionen und große Verunsicherung in Kiel. Das bekommen der Kfz-Landesverband und die Innungen durch gehäufte Anfragen zu spüren. „In den Medien sind dazu oft Halbwahrheiten zu lesen und zu hören“, sagte Obermeister Hansen. Feinstaubwerte und NOx werden vermischt. Klare Informationen seien nötig, statt „jede Woche eine neue Sau durchs Dorf zu treiben“.

Die Innung will mit den Informationen für die Autofahrer den Druck auf die Politik erhöhen. Die Bürger sollen auf ihre Volksvertreter einwirken, den Weg für Nachrüstungen endlich frei zu machen. Nachrüstungen seien schneller und preiswerter zu haben als Ersatzbeschaffungen für vorhandene Fahrzeuge, so Hansen. Fahrverbote würden keine Luftschadstoffe verhindern, sondern diese nur anders verteilen.

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