Kittner: Gläubigerbanken drängen auf Verkauf

Redakteur: Gerd Steiler

Die im November 2009 in Finanzprobleme geratene Kittner-Gruppe steht unter Zugzwang. Auf Druck der Banken soll der neue Geschäftsführer Michael Lucht bis spätestens Jahresende Investoren für die verbliebenen 20 Kittner-Autohäuser finden.

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Die im November 2009 in Finanzprobleme geratene Kittner-Gruppe, vormals größte Autohaus-Gruppe Norddeutschlands, steht unter Zugzwang. Wie die Online-Ausgabe der „Lübecker Nachrichten“ am Montag berichtete, sollen die verbliebenen 20 Autohäuser des Unternehmens mit insgesamt 763 Mitarbeitern im Auftrag der Gläubigerbanken so schnell wie möglich verkauft und zu Geld gemacht werden.

Den Angaben zufolge halten die Banken über einen Treuhänder derzeit 94 Prozent der Geschäftsanteile. Die Familie Kittner hält dagegen nur noch sechs Prozent der Firmenanteile.

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„Haus ist im Prinzip gut bestellt“

Verantwortlich für den Verkauf der Autohäuser ist dem Zeitungsbericht zufolge der neue Geschäftsführer Michael Lucht. Der 50-Jährige, der als erfahrener Sanierer gilt, soll bis spätestens Ende 2011 potente Investoren finden. Lucht ist Nachfolger von Wolfgang Mehte (69), der die Kittner-Gruppe seit Februar 2009 geführt hatte und die Autohandels-Gruppe im November 2009, als die Banken ihre Kreditlinien kündigen wollten, vor dem vorzeitigen Aus bewahrte. Ein Sanierungskonzept und neue Kreditlinien retteten die Gruppe schließlich vor der Pleite. Als wesentlicher Grund für die finanzielle Schieflage des Unternehmens galt damals die überkomplexe Struktur der Autohaus-Gruppe.

„Das Haus ist im Prinzip gut bestellt“, so Ex-Geschäftsführer Wolfgang Mehte gegenüber der Zeitung. Das Audi-Zentrum Lübeck mache inzwischen wieder „exzellente Geschäfte“ und auch die Porsche-Zentren in Lübeck und Rostock seien insgesamt auf einem guten Weg. Einziges Sorgenkind sei das Autohaus Hansa mit der Marke Opel.

Hersteller und Banken entscheiden

Derweil aber drängten die Banken, bei denen Kittner mit Millionenkrediten in der Kreide steht, auf einen möglichst raschen Verkauf - auch an Investoren, die sich möglicherweise nur für einzelne Standorte interessieren. „Es ist Druck auf dem Kessel“, so Lucht gegenüber der Zeitung. „Das Geschäft läuft, wir sind auf dem richtigen Weg“, sagt der neue Kittner-Geschäftsführer weiter. „Die Gespräche mit Investoren laufen. Sie sollen so schnell wie möglich abgeschlossen werden.“

Potenzielle Investoren gibt es laut Lucht genügend. Voraussetzung für einen erfolgreichen Abschluss sei allerdings, dass die Investoren den Herstellern und Gläubigerbanken ein schlüssiges Konzept für eine mögliche Fortführung oder Umnutzung der Autohäuser vorlegten. „Die Zukunft der Autohäuser und ihrer Mitarbeiter wird also nicht allein von den Gläubigern in Lübeck oder Hamburg entschieden, sondern auch bei VW in Wolfsburg und Opel in Rüsselsheim“, heißt es in dem Zeitungsbericht abschließend.

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