Klassiker – die idealen Alltagsautos?

Besser ganz alt als halb alt

| Autor: Steffen Dominsky

Praktisch und bald ein Klassiker: So mancher Oldie kann eine Alternative zum „alten Gebrauchten“ sein.
Praktisch und bald ein Klassiker: So mancher Oldie kann eine Alternative zum „alten Gebrauchten“ sein. (Bild: Renult)

Der Kauf eines Oldtimers kann sich auch dann lohnen, wenn man an sich gar keinen Klassiker auf dem Plan hatte. Derzeit sind auf deutschen Straßen rund 800.000 Fahrzeuge unterwegs, die älter als 30 Jahre sind, wobei davon rund 500.000 Fahrzeuge ein H-Kennzeichen haben. „Autos mit H-Kennzeichen sind meist sehr gepflegt und technisch sicher unterwegs“, sagt Marco Oehler, stellvertretender Technischer Leiter der Gesellschaft für Technische Überwachung GTÜ, „die Zahlen für 2019 bestätigen erneut: Mit dem Fahrzeugalter sinkt die Mängelzahl. Oldtimer-Besitzer achten offenbar auf einen technisch guten Zustand ihres rollenden Kulturguts.“

Bei den Modellen aus den späten Achtziger- frühen Neunzigerjahren gibt es einen besonderen Reiz: Sie bekommen ein H-Kennzeichen und gelten somit als automobile Kultur. Doch bei ihnen handelt es sich auch um technisch durchaus moderne Fahrzeuge mit einer entsprechenden Sicherheitsausstattung wie ABS, Airbags oder Xenonlicht, berechenbarer Elektronik und zumeist solider Ersatzteilversorgung. Dadurch lassen sie sich zumeist auch ohne Einschränkung als Alltagsauto nutzen.

Die GTÜ hat aus ihrer Mängelstatistik 2019 der Hauptuntersuchung die klassischen Fahrzeuge herausgefiltert. In der Altersgruppe von 30 bis 60 Jahren ist die Zahl der gefährlichen Mängel mit 17,9 Prozent um 4,1 Prozent geringer als in der Gesamtstatistik inklusive jüngster Pkw (22,0 Prozent). Häufiger als diese haben Oldtimer geringe Mängel (27,2 Prozent), die sich in der Regel gut beheben lassen. 54,9 Prozent von ihnen sind ohne Mängel unterwegs.

Mit „H“ stets besser in Schuss

Bis zu einem Fahrzeugalter von rund 23 Jahren steigt laut GTÜ-Statistik die Mängelzahl an. Danach jedoch sinkt sie kontinuierlich. Interessant auch der Vergleich mit Oldtimern ohne H-Kennzeichen: Sie haben deutlich mehr Mängel als jene mit H-Kennzeichen. 44,2 Prozent von ihnen sind mängelfrei – mit H-Kennzeichen sind es bei 55,1 Prozent fast 11 Prozent mehr. 29,7 Prozent haben geringe Mängel (mit H-Kennzeichen: 27,1 Prozent) und 26,1 Prozent erhebliche Mängel (17,8 Prozent).

Daher dürfte sich der Blick auf die Modelle mit H-Kennzeichen für einige Interessenten eines älteren Gebrauchtwagens allemal lohnen. Und wer sein 25 oder 30 Jahres altes Alltagsauto entsprechend pflegt, kann sich aller Voraussicht nach nicht nur über überschaubare Unterhaltskosten, sondern auch einen über die Jahre ansteigenden Wert freuen.

Bei der Suche sind ein paar Grundregeln zu beachten. Zunächst einmal sollte man sich die Frage stellen, ob es ein Oldtimer oder ein Youngtimer jüngerer Bauart sein soll. Die Übergänge sind fließender als irgendwelche Jahresgrenzen, die ganz nach Auslegung irgendwo zwischen 20 und 30 Jahren liegen.

Wer sich für einen Klassiker entscheidet, sollte zunächst einmal das eigene Herz sprechen lassen. Denn ein Auto nur zu kaufen, weil es gerade günstig oder gut erhalten ist, ist nur den halben Weg gegangen. Wer keine italienischen Autos wie einen Alfa Romeo Giulia oder einen frechen Abarth mag, sollte die Finger ebenso von ihnen lassen wie ein Klassikfan, der sich über den historischen Wert eines Buchhaltermodells vom Typ Ford Granada oder Opel Rekord im Unklaren ist.

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