Peugeot 30x Kompaktklasse auf Französisch

Von Steffen Dominsky

Vor 90 Jahren legte Peugeot mit dem 301 den Grundstein zu seiner 300er-Serie. Sie ist die umfangreichste in der Geschichte des französischen Autobauers – Ende offen.

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Mit ihm fing alles an: Der 301 war der erste Vertreter der 300er-Reihe von Peugeot.
Mit ihm fing alles an: Der 301 war der erste Vertreter der 300er-Reihe von Peugeot.
(Bild: Peugeot)

Neue Besen kehren bekanntlich gut – oder zumindest anders. Das gilt auch im Fall Peugeot. Bis Anfang der Dreißigerjahre hatte das französische Unternehmen seine Autos ganz einfach durchgehend nummeriert. Ein „Type“ davorgestellt und fertig war die Modellbezeichnung – voilà! Das ging bis etwa zum Type 192. 1929 begann Robert Peugeot, der Nachfolger von Armand Peugeot, ab dem Modell 201 die Fahrzeuge mit einem Nummerierungssystem mit einer Mittel-Null zu versehen. Das Prinzip galt fortan für sämtliche Fahrzeugklassen.

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Die Modelle der Serie 300 sind (heute) Kompaktfahrzeuge, die zwischen Kleinwagen und Familienauto angesiedelt sind. Seit 90 Jahren baut sie der Konzern ganz oder teilweise am historischen Standort in Sochaux – mit Ausnahme des 309, der im Werk Poissy hergestellt wurde, und der neuen Generation, die in Mulhouse produziert wird. 1932 stellte Peugeot dem 201 den größeren 301 zur Seite. Mitten in der Wirtschaftskrise erfüllte die Marke damit die Wünsche der anspruchsvollen Kundschaft. Den 301 gab es bis 1936 als Limousine, Coupé, Cabriolet und Roadster. Angetrieben von einem Vierzylinder-Motor leistete er aus 1.465 cm3 Hubraum 25 kW (35 PS) und wurde 70.500-mal produziert.

Neues Modell nach 30 Jahren Pause

1936 folgte der 302, von dem bis 1938 25.100 Exemplare entstanden. Zu dieser Zeit entdeckten die Automobilhersteller die Aerodynamik – das neue Modell war ein Beispiel dafür: Mit seinen integrierten Scheinwerfern hinter dem Kühlergrill hatte es eine aerodynamische Frontpartie, die den mit dem 402 eingeführten Stil der „Spindel von Sochaux“ fortführte. Da der 402 ein großer Erfolg war, beschlossen die Verantwortlichen, die gleiche Linie für ihre Mittelklasse zu verwenden, die der 302 verkörperte. Der Krieg unterbrach die Entwicklung der 300er-Serie. Der 303 wurde nie gebaut und Peugeot legte die Serie drei Jahrzehnte lang auf Eis.

Dann, 1969, präsentierten die Franzosen auf dem Pariser Automobilsalon den 304. Er war als Limousine, Coupé, Cabriolet, Kombi und Kombi mit Glasdach erhältlich. Der Neue zielte darauf ab, das Mittelklassesegment zu besetzen, basierte aber auf der technischen Basis des kleineren 204. Von ihm hatte er den Radstand und den mittleren Teil der Karosserie übernommen. Das Heck war länger. Während die Limousine um ganze 15 Zentimeter länger geriet (4,14 Meter statt 3,99 Meter), waren es beim Kombi nur zwei Zentimeter (3,99 Meter statt 3,97 Meter) gegenüber dem 204. Die modernisierte Frontpartie mit ihren trapezförmigen Scheinwerfern ähnelte der des 504. Der Peugeot 304 war geräumig und erfüllte damit eine wesentliche Voraussetzung für eine Familienlimousine.

Versuch in den USA gescheitert

Zwischen 1969 und 1979 liefen fast 1.200.000 Einheiten des 304 von den Bändern, damit war er ein großer Verkaufserfolg. Zwischen 1970 und 1972 brachte die Löwenmarke das Modell sogar in den USA auf den Markt. Doch er war für dortige Ansprüche zu klein und wurde nur 4.000-mal verkauft. 1973 wurde der 304 neu gestaltet und 1975 verschwanden die Versionen Coupé und Cabriolet. Die Limousine blieb bis 1979 im Handel.

Der Nachfolger 305 startete 1977. Er war in zwei Karosserievarianten erhältlich: einer viertürigen Limousine und einem fünftürigen Kombi, der auch mit einer zur Hälfte umklappbaren Rückbank ausgestattet war. Dieser in Zusammenarbeit mit Pininfarina entworfene Kombi war auch in einer Variante für Gewerbetreibende erhältlich.

Der 305 hob sich von seinen ausländischen Konkurrenten durch den Frontantrieb, den Quermotor und die vier unabhängig aufgehängten Räder ab. Mit der guten Straßenlage, dem großen Innenraum und einem Komfort, der den höheren Segmenten ähnelte, etablierte sich der 305 schnell auf dem Markt. Mehr als 1,6 Millionen Einheiten sprechen eine deutliche Sprache.

Der Nicht-Peugeot 309

Die 305-Limousine diente Peugeot als Grundlage für das „VERA“-Versuchsprogramm, mit dem die Kraftstoffeffizienz künftiger Fahrzeuggenerationen verbessert werden sollte. Der erste VERA-01-Prototyp, der 1981 vorgestellt wurde, wies eine um 20 Prozent reduzierte Masse und einen um 30 Prozent verringerten Luftwiderstand auf. Das VERA-Programm, das sich über fünf Jahre erstreckte und auch die Motoren mit einbezog, beeinflusste erheblich die Entwicklung der Modelle 405 und 605. Die Einführung des 309 im Jahr 1985 bremste den Absatz des 305, dessen Karriere 1989 endete. Der 405 und nicht der 309 wurde 1987 sein Nachfolger.

Der 309, der zwischen 1985 und 1994 in Poissy, in Spanien und in Großbritannien produziert wurde, war anders als die bisherigen Modelle. Kein Wunder: Schließlich war er keine Peugeot-Entwicklung! Vielmehr hatte ihn die Peugeot-Tochter Talbot als Nachfolger für ihren Horizon entwickelte – der Prototyp trug den Namen Talbot Arizona. Er war kein klassischer viertüriger Wagen mit Stufenheck wie der 304 und der 305, sondern hatte ein Schrägheck. Mit einer Länge von 4,05 Metern ist er 19 Zentimeter kürzer als die 305-Limousine. Er erinnert an die Plattform und die Türen des 205, mit einer verlängerten Front- und Heckpartie und einer gläsernen Kuppel, die sein Schrägheck charakterisiert.

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1987 kam der 309 als 5-Türer auf den Markt, zwei Jahre später auch als 3-Türer. Topmodell war der 309 GTi, angetrieben vom gleichen 1,9-Liter-Motor mit 95 kW (130 PS) wie der 205 GTi. 1989 erhält der 309 GTi den MI16-Motor mit 117 kW (160 PS) aus dem 405. Die Karriere des 309 endete 1994 nach über 1,6 Millionen produzierten Modellen.

Dreimal 308 und ein neuer 301

Bereits ein Jahr zuvor rollte der 306 auf die automobile Bühne. Er ersetzte sowohl den 205 als auch den 309 und wurde zu einem Bestseller in seiner Kategorie. Bis 2002 baute Peugeot ihn an nicht weniger als neun Standorten in der ganzen Welt. Anfangs als 3- und 5-Türer erhältlich, ergänzten ihn 1994 ein 4-Türer und ein Cabriolet. Das von Pininfarina entworfene und gebaute Modell wurde gleich zweimal zum schönsten Cabriolet des Jahres gekürt (1994 und 1998). Auch den 306 gab es in sportlicher Ausführung als XSI und S16. Eine besondere, 209 kW (285 PS) starke Maxi-Version markierte 1996 nach zehnjähriger Pause die Rückkehr von Peugeot in den Rallyesport. Parallel zu einem Facelift 1997 erschien auch eine Kombi-Version des 306. Die Produktion der 3- und 5-türigen Versionen wurde 2001 eingestellt, als das Unternehmen den Nachfolger 307 vorstellte. Die Karriere des Kombi endete im Jahr 2002. Das Cabriolet wurde noch bis 2003 von Pininfarina produziert.

Der 2001 vorgestellte und 2002 zum „Car oft he Year“ gewählte Peugeot 307 war mit über 3,5 Millionen produzierten Modellen weltweit ein großer Erfolg. Er stand für eine neue halbhohe Konstruktion, die ein besseres Platzangebot bot, und verfügte über eine große, geneigte Windschutzscheibe. Erhältlich als 3-Türer, 5-Türer und Kombi, erhielt er im Sommer 2003 eine zusätzliche Silhouette: das Coupé Cabriolet (CC). Es übertrug das beim 206 CC erfolgreich eingeführte moderne Konzept auf das Kompaktsegment. Mit seinem versenkbaren Hardtop und den vier komfortablen Sitzen war der 307 CC eines der geräumigsten Cabriolets der damaligen Zeit. Er war auch die Basis für die Sportversion, die 2004 und 2005 an der Weltmeisterschaft teilnahm, dreimal gewann und 26-mal auf dem Podium stand.

Der 308 der ersten Generation wiederum ersetzte 2007 den 307, dessen erste Generation bereits 2013 von einer zweiten Generation abgelöst wurde. Es folgten eine dritte Generation und der aktuelle 308, der 2021 auf den Markt kam. Einen 309 als Nachfolger konnte man nicht bringen, die Modellbezeichnung war ja bekanntermaßen bereits vergeben. Ergo blieb es auch bei den beiden nachfolgenden Fahrzeuggenerationen bei der Modellbezeichnung 308. Ebenfalls eine Ausnahme von der bisherigen Regel markierte 2012 die Vorstellung eines neuen Modells: den „neuen“ 301. Der nur in Osteuropa und in Schwellenländern angebotene Wagen ist eine Stufenheckvariante des 208.

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