Dekra Kompetenzerhalt, nicht Führerscheinentzug

Redakteur: Peter Diehl

Mit der Prüfung der Fahrkompetenz von Senioren greift die Sachverständigenorganisation Dekra ein heikles und deshalb zwischenzeitlich ruhendes Thema auf. Sie plädiert für sogenannte begleitete Rückmeldefahrten und bringt hierfür unter anderem amtlich anerkannte Sachverständige/Prüfer ins Spiel.

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Prüfung der Fahrkompetenz von Senioren – ein heikles Thema. Dekra greift es auf.
Prüfung der Fahrkompetenz von Senioren – ein heikles Thema. Dekra greift es auf.
(Bild: Dekra)

Einerseits die Mobilität älterer Menschen erhalten und fördern, andererseits alle Verkehrsteilnehmer vor Risiken schützen – ein Dilemma. Denn laut Dekra steigt die Zahl der Verkehrsunfälle, verursacht von über 65-Jährigen, seit zwei Jahrzehnten stetig an. „Dreh- und Angelpunkt für wirksame Verkehrssicherheitsmaßnahmen ist die zuverlässige Identifikation solcher Kraftfahrer, von denen ein besonders hohes Gefährdungspotenzial für alle Verkehrsteilnehmer ausgeht“, erklärt Dr. Thomas Wagner, Fachbereichsleiter der amtlich anerkannten Begutachtungsstellen für Fahreignung (BfF) der Sachverständigenorganisation. Er will typische Fahrfehler und Unfallursachen sowie alterstypische Entwicklungen und Veränderungen im Gesundheitszustand analysieren.

Zwar kann ein großer Teil der Älteren die altersbedingten Defizite mit Erfahrung und zurückhaltendem Fahrstil kompensieren. „Allerdings deutet sich an, dass ein ständig anwachsendes Dunkelfeld mit potenziell gemindert oder nicht mehr leistungsfähigen älteren Kraftfahrern nach standardisierten und fairen sowie gleichzeitig verhältnismäßigen und transparenten Lösungen verlangt. Eine solche Lösung könnten qualifizierte Rückmeldefahrten sein“, lautet eine Mitteilung von Dekra. Dr. Thomas Wagner ergänzt: „Dies würde Angehörige bei der Ansprache von Zweifeln an der Fahrtauglichkeit des betreffenden Familienmitglieds entlasten. Zugleich könnten die Senioren Maßnahmen zum Kompetenzerhalt ergreifen.“

Freiwilliges Instrument zur Verbesserung der Selbsteinschätzung

Unter Rückmeldefahrt versteht man bei Dekra ein freiwilliges Instrument, mit dem Kraftfahrer sich selbst besser einschätzen können. Es besteht aus einer Datenerhebung während der begleiteten Fahrt sowie einem Erläuterungs-, Vorschlags- und Hinweisteil. Bei Ersterem soll es darum gehen, während der Beobachtung des Fahrverhaltens nach einheitlichen Kategorien Fehler zu erkennen, die im zweiten Teil mit dem Kraftfahrer besprochen werden.

Als Fahrbegleiter bringt Dekra amtlich anerkannte Sachverständige/Prüfer ins Spiel, zudem Verkehrspsychologen. Wörtlich: „Als Partner mit einem flächendeckenden Angebot scheinen in Deutschland Technische Prüfstellen und Begutachtungsstellen für Fahreignung, die den Grundsätzen von Neutralität, Unabhängigkeit sowie Unparteilichkeit verpflichtet sind und über ein zertifiziertes Qualitätsmanagement-System verfügen, für solche Aufgaben prädestiniert. […] Daneben könnten Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer in Fortschreibung der bisherigen Regelungsarchitektur verkehrspädagogische Aufgaben übernehmen, etwa die Vorbereitung auf eine Rückmeldefahrt oder eine verkehrspädagogische Nachschulung in Theorie und/oder Praxis.“

Fällt das Ergebnisses der begleiteten Rückmeldefahrt negativ aus, soll Ursachenforschung betrieben werden: „Bei Fällen mit Gefährdungspotenzial, etwa bei einer Fehlerhäufung, wiederholt grob verkehrswidrigem Fahrverhalten oder offensichtlichen, wiederholt beobachteten Schwierigkeiten bei ‚alterskritischen‘ Fahrmanövern – zum Beispiel Abbiegen, Rückwärtsfahren, Wenden, Ein- und Ausfahren, Mindestabstand sowie Verhalten an Knotenpunkten und im Zusammenhang mit Vorrangregelungen – wäre eine weiterführende Abklärung der Ursachen für diese Auffälligkeiten angezeigt.“

Selbst für den Fall weiter steigender Unfallzahlen aufgrund der „Verweigerung von Eigenverantwortung“ hat Dr. Thomas Wagner eine Antwort parat: „Dann sollte die Balance zwischen Eigenverantwortung und staatlicher Regulation neu überdacht werden.“ Soll heißen: grundsätzlich eine altersabhängige obligatorische Überprüfung ab 75 Jahren mit Bonussystem für Teilnehmer an begleiteten Rückmeldefahrten, das den Prüftermin um maximal fünf Jahre nach hinten verschiebt.

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