Konzernumbau: Alles neu bei Volkswagen

Aufsichtsrat beschließt umfassende Veränderungen

| Autor: dpa

In Wolfsburg stehen tiefgreifende Veränderungen an.
In Wolfsburg stehen tiefgreifende Veränderungen an. (Bild: VW)

Volkswagen hat den größten Umbau in der eigenen Konzerngeschichte beschlossen. In einer Sitzung am Donnerstag zurrte der Aufsichtsrat die Richtlinien für die kommenden Aufgaben fest.

Neu ist unter anderem, dass sich die Pkw-Konzernmarken künftig in die drei Gruppen „Volumen“ (VW, Skoda und Seat), „Premium“ (Audi) und „Super Premium“ (Porsche, Bentley, Bugatti und Lamborghini) gliedern. Die Hauptverantwortung für die Volumensparte trägt Herbert Diess, das Premium-Geschäft leitet Audi-Chef Rupert Stadler und um den Super-Premium-Bereich kümmert sich federführend Porsche-Chef Oliver Blume. Laut Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch soll die Neuordnung Entscheidungen in dem riesigen Autokonzern beschleunigen und die Konzernsteuerung verschlanken.

Die Sparte mit schweren Nutzfahrzeugen will Volkswagen börsenfähig machen. Das Geschäft mit den Lkw- und Busmarken MAN, Scania und der brasilianischen VW-Nutzfahrzeugtochter soll zunächst in eine deutsche AG und danach in eine europäische Aktiengesellschaft (SE – Societas Europaea) umgewandelt werden. Bei einem möglichen Börsengang der Truck & Bus-Sparte will Volkswagen laut dem „Spiegel“ bis zu sieben Milliarden Euro erlösen. Dafür plane der weltgrößte Autobauer den Verkauf von bis zu einem Viertel der Anteile, schrieb die Zeitschrift ohne Nennung von Quellen. Eine Sprecherin von VW Truck & Bus wollte den Bericht nicht kommentieren.

Neuer starker Mann in Wolfsburg ist wie erwartet der bisherige VW-Markenchef Herbert Diess.Den bisherigen Konzernchef Matthias Müller löst er mit sofortiger Wirkung ab. Diess behält auch den Spitzenposten bei VW Pkw. Bei der Kernmarke soll ihn künftig ein Chief Operating Officer (COO) unterstützen. Wer das wird, ist noch nicht bekannt.

Diess steht vor großen Aufgaben. Volkswagen müsse Tempo aufnehmen und deutliche Akzente in puncto Elektromobilität, Digitalisierung des Autos und des Verkehrs sowie neuer Mobilitätsdienste setzen, sagte er im Anschluss an eine Sitzung des Aufsichtsrats am Donnerstagabend in Wolfsburg. Diess verantwortet nun auch die Konzernentwicklung und -forschung, außerdem führt er die Fahrzeug-IT – also alles rund um die Vernetzung des Autos.

Blume steigt auf

Neben der grundsätzlichen Neuausrichtung beschloss der Aufsichtsrat weitere Personalien: Gunnar Kilian, bisher Generalsekretär im Betriebsrat und ein enger Vertrauter des mächtigen VW-Betriebsratsbosses Bernd Osterloh, wird Personalvorstand und damit Nachfolger von Karlheinz Blessing. Dieser steht für die Dauer seiner Vertragslaufzeit als Berater zur Verfügung. Zugleich rückt Porsche-Chef Oliver Blume in den Konzernvorstand auf. Der bisherige Beschaffungs-Vorstand Javier Garcia Sanz räumt dagegen seinen Posten.

Pötsch sagte nach der Sitzung des Aufsichtsrats: „Ziel des Volkswagen-Konzerns ist und bleibt es, das Unternehmen mit seinen Marken zukunftsfähig auszurichten.“ Dafür sei Diess der richtige Mann. Er habe bei der Neuausrichtung der Marke VW bewiesen, „mit welchem Tempo und mit welcher Konsequenz er tiefgreifende Transformationsprozesse umsetzen kann“. Diess war es gelungen, die Effizienz der lange Zeit ertragsschwachen Kernmarke zu verbessern.

Diess selbst erklärte es zu seiner wichtigsten Aufgabe, „den Weg hin zu einem profitablen, weltweit führenden Anbieter nachhaltiger Mobilität konsequent weiter zu verfolgen“. Das Unternehmen müsse noch mehr Tempo aufnehmen und deutliche Akzente bei Elektromobilität, Digitalisierung und neuen Dienstleistungen setzen, sagte der Manager am Freitag in Wolfsburg. Eine „Revolution“ sei aber nicht geplant.

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