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Kretschmann bezweifelt schnellen Siegeszug des E-Autos

| Autor / Redakteur: dpa / Viktoria Hahn

Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von Baden-Württemberg, spricht sich für die weitere Produktion von Verbrennern und Hybriden aus. Damit will er das Überleben der Zulieferindustrie sichern. Aber auch strategische Gründe sprechen für den Grünen-Politiker für die konventionelle Technik.

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Winfried Kretschmann, Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg, sagte gegenüber der der „Wirtschaftswoche“: „Trotz der ganzen Transformation werden wir auch 2030 noch einen hohen Anteil an Verbrennern und Hybridfahrzeugen haben.“
Winfried Kretschmann, Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg, sagte gegenüber der der „Wirtschaftswoche“: „Trotz der ganzen Transformation werden wir auch 2030 noch einen hohen Anteil an Verbrennern und Hybridfahrzeugen haben.“
(Bild: Porsche)

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hält einen schnellen Erfolg des Elektroautos in Deutschland für unwahrscheinlich. „Trotz der ganzen Transformation werden wir auch 2030 noch einen hohen Anteil an Verbrennern und Hybridfahrzeugen haben“, sagte Kretschmann der „Wirtschaftswoche“. Das Fortführen dieser Produktionslinien sichere auch das Überleben der Zulieferindustrie. „Die Deckungsbeiträge beim Verbrenner sind eben ganz anders als beim Elektrofahrzeug“, sagte der Grünen-Politiker.

Kretschmann sieht auch strategische Gründe, an Verbrennungsmotoren und Hybridfahrzeugen festzuhalten. „So lange wir bei den Batterien noch von Asien abhängen, ist es industriepolitisch gesehen nicht ratsam, nur auf einem Bein zu stehen. Der Plug-in-Hybrid ist eine unverzichtbare Übergangstechnologie.“

Kritik von Greenpeace, Lob von der FDP-Fraktion

Greenpeace-Verkehrsexperte Tobias Austrup kritisierte den Ministerpräsidenten dafür: „Mit seinem sturen Festhalten am Verbrenner versucht Winfried Kretschmann ein Gestern als Morgen zu verkaufen. Sicherer kann man eine Branche nicht an die Wand fahren. Ohne schnelle Fortschritte beim Klimaschutz hat die deutsche Autoindustrie keine Zukunft. Der sicherste Weg in diese Zukunft ist ein festes Ausstiegsdatum aus dem Verbrenner.“ Wer heute noch mit besseren Margen für Autos mit Verbrennungsmotoren argumentiere, halte Deutschland für eine Insel.

Lob bekam Kretschmann dagegen vom Chef der FDP-Fraktion, Hans-Ulrich Rülke. „Der Ministerpräsident zeigt eine erstaunlich realistische Sichtweise und ist damit deutlich weiter als seine Partei.“ Die Autofeindschaft und das Festhalten an der Batteriemobilität zerstöre die industrielle Basis im Südwesten.

Die Arbeitsplatzabbauankündigungen von Daimler oder Mahle zeigten, wie bedrohlich die Lage sei. „Hoffentlich bleibt es nicht nur bei dieser Einsicht, sondern es folgen auch Maßnahmen: Wir brauchen mehr Engagement für Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe und einen Abschied von Fahrverboten“, betonte Rülke.

Kretschmann verwies auch auf die kritische Ökobilanz reiner Elektrofahrzeuge

Kretschmann verwies in der „Wirtschaftswoche“ überdies auf die kritische Ökobilanz reiner Elektrofahrzeuge. „Die Elektrifizierung des Verkehrs macht nur Sinn, wenn der Strom aus erneuerbaren Energiequellen kommt.“ Davon sei man aber noch weit entfernt. Das gelte erst recht, wenn künftig auch Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe breiter eingesetzt werden. „Denn die brauchen ja noch mehr Energie in der Herstellung.“

Der Grünen-Politiker versicherte, dass seine Parteifreunde kein Problem mit dem Auto und der Fahrzeugindustrie haben. „Auch Grüne fahren Auto“, sagte er. Es komme allerdings auf dessen Emissionen an. „Ein Auto, das keine Schadstoffe mehr emittiert, ist nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung.“

Skepsis gegenüber der Entwicklung des autonomen Fahrens

Skeptisch sieht der Ministerpräsident des Autolandes die Entwicklung des autonomen Fahrens. Dafür fehle noch die notwendige Infrastruktur. „Dass wir irgendwann bei einer Überlandfahrt das Steuer aus der Hand geben und die Zeitung lesen können, ist noch Zukunftsmusik.“

Rund 30 Prozent (Stand 2019) des Industrie-Umsatzes entfallen im Südwesten auf die Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen. Die Exportquote liegt bei 70 Prozent.

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