Rechtsstreit Kunde verklagt Tesla Deutschland wegen „unseriöser Verkaufspraktiken“

Autor: Christoph Seyerlein

Ein Verbraucher kaufte bei Tesla Deutschland im Oktober 2020 ein Model X. Drei Monate später kam nun die neue „Plaid“-Variante des Fahrzeugs auf den Markt. Warum der Kunde das nun zum Anlass für eine Klage gegen die Marke nimmt.

Firma zum Thema

Ein Kunde liegt wegen eines Model X im Rechtsstreit mit Tesla Deutschland.
Ein Kunde liegt wegen eines Model X im Rechtsstreit mit Tesla Deutschland.
(Bild: Tesla)

Ende Oktober 2020 kaufte ein Verbraucher ein Model X bei Tesla Deutschland. Was reichlich unspektakulär klingt, entwickelt sich nun zu einem Rechtsstreit. Was wirft der Kunde dem Hersteller vor? Wie die Kanzlei „Stoll & Sauer“, die den Mann vertritt, mitteilt, wirft er Tesla „unseriöse Verkaufspraktiken“ vor.

Demnach habe der Käufer bei Tesla vor dem Kauf „extra nachgefragt“, ob für das zu dem Zeitpunkt aktuelle Model X ein Nachfolgemodell geplant oder sogar schon vorbestellbar sei. Tesla Deutschland habe dies verneint. Drei Monate nach dem Kauf habe der Hersteller auf seiner Website dann aber das neue „Model X Plaid“ angeboten. „Der Kläger hätte das veraltete Modell niemals bestellt, wenn er gewusst hätte, dass demnächst ein neues auf den Markt kommen wird“, heißt es in der Mitteilung der Kanzlei. In der Klage verlangt der Verbraucher von Tesla nun, das Model X zurückzunehmen und stattdessen ein Model X Plaid auszuliefern.

Tesla Deutschland selbst wollte sich auf Nachfrage mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht zu dem Fall äußern.

Die Kanzlei Stoll & Sauer wertet das Vorgehen der Marke „als höchst unseriös“. Tesla habe bewusst wahrheitswidrig informiert, um das alte Modell noch verkaufen zu können, bevor sich das neue auf dem Markt befindet. Die Anwälte sind sich sicher, dass der Importeur zum Zeitpunkt des Kaufs bereits über den bevorstehenden Start der Plaid-Variante Bescheid gewusst habe. Da der Verbraucher explizit danach gefragt habe und Tesla dennoch jene Pläne verneint habe, liege eine vorvertragliche Pflichtverletzung gemäß §§ 280, 241 Abs. 2 BGB vor.

Anwälte fordern Befragung von Musk

Erste Berichte über entsprechende Modelle hatte es bereits im September 2019 gegeben. Damals hatte Tesla-Chef Elon Musk via Twitter die Plaid-Editionen für Model S und X für etwa ein Jahr später angekündigt.

Hersteller sind von sich aus nicht verpflichtet, auf Modellwechsel hinzuweisen. Die Klägeranwälte sind im vorliegenden Fall allerdings davon überzeugt, dass Tesla auf die Nachfrage des Kunden mit einer bewussten falschen Tatsachenbehauptung reagiert habe. Damit wollte der Importeur „das eigene Gewinninteresse sichern“. Denn dem Importeur sei bewusst gewesen, dass er ältere Modelle nicht mehr verkaufen könnte, sobald neue erhältlich sind.

Darüber hinaus sei das Plaid-Modell wertstabiler als das Model X des Kunden, mit dem der Verbraucher gerade einmal rund 1.000 Kilometer gefahren sei. Die Kanzlei habe daher am 15. Februar 2021 am Landgericht Offenburg Klage eingereicht. Stoll & Sauer fordert auch eine Befragung von Musk, „um den Informationsfluss zwischen dem deutschen Tochter-Unternehmen und dem US-Mutterkonzern genau zu klären“.

(ID:47138385)

Über den Autor

 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Fachredakteur Next Mobility