Kurzarbeit und Überstundenabbau reichen nicht auf Dauer

Autor / Redakteur: Andreas Grimm / Andreas Grimm

Nach dem Lockdown haben die Kfz-Betriebe alle erdenklichen Maßnahmen ergriffen, um die Krise zu überwinden. Doch die Mittel reichen nicht unendlich weit. Dringend nötig ist die schnelle Öffnung der Verkaufsräume – aus mehreren Gründen, wie eine Umfrage aus Baden-Württemberg zeigt.

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Auf Halde: An den vielen Neu- und Gebrauchtwagen auf ihren Höfen tragen die Kfz-Betriebe derzeit schwer.
Auf Halde: An den vielen Neu- und Gebrauchtwagen auf ihren Höfen tragen die Kfz-Betriebe derzeit schwer.
(Bild: Grimm/»kfz-betrieb«)

Die negativen Folgen der Bekämpfung des Corona-Virus auf die Wirtschaft werden immer deutlicher spürbar. Bislang konnten die Betriebe im Kfz-Gewerbe über Kurzarbeit und den Abbau von Überstunden die Auswirkungen abfedern. Sollte die Schließung der Verkaufsräume aber anhalten, bleiben Konkurse in der Branche eine reale Gefahr, ergab eine Blitzumfrage des Kfz-Gewerbes in Baden-Württemberg.

Laut den Ergebnissen ist Kurzarbeit derzeit für 82,1 Prozent der Kfz-Betriebe das Mittel der Wahl, um auf zurückgehende Nachfrage bei Werkstattterminen zu reagieren. Über die Hälfte baut Arbeitszeitkonten ab. Gleichzeitig zeigen die bereits angelaufenen Stützungsmaßnahmen erste Wirkung: Die Zahl der Betriebsinhaber und Geschäftsführer, die Angst vor kurzfristiger Zahlungsunfähigkeit haben, sei von 40 auf 35 Prozent gesunken, berichtet Carsten Beuß, Hauptgeschäftsführer des Verbandes des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg. Fast zwei Drittel der befragten Betriebe haben die Soforthilfe beantragt, 46,2 Prozent nutzen die Möglichkeit, Steuern und Beiträge stunden zu lassen. 22,5 Prozent wollen Überbrückungskredite nutzen.

Dringend fehlt nun aber die Öffnung des Verkaufs von Neu- und Gebrauchtwagen, damit einerseits die Zukunft der Kfz-Betriebe selbst wieder sicherer wird. Andererseits sei diese Maßnahme auch für Hersteller und Zulieferer und ihre Beschäftigten notwendig. „Ohne Abfluss der Ware aus dem Handel kann es keinen Zufluss aus den Werken in den Handel geben“, stellt Beuß klar. In Autohäusern und auf Verkaufsflächen im Freien ausreichenden Corona-Abstand zu halten, sei „ein lösbares Problem“.

Die möglichst rasche Vermarktung des Lagerbestandes an Neu- und Gebrauchtwagen sei entscheidend für die Sicherung der Kfz-Betriebe und deren Liquidität, da die Bestände in der Regel vorfinanziert sind. Aus der Blitzumfrage wird insbesondere deutlich, dass den Betrieben ein langfristiges Problem mit den Gebrauchtwagenbeständen droht. Sie befürchten einen hohen Wertverfall, weshalb für die Zukunft eine versetzte Insolvenzwelle droht, die Arbeitsplätze real gefährdet.

Schon jetzt berichten 61 Prozent der Betriebe von der Stornierung von Aufträgen. „Dafür brauchen wir dringend Ersatzaufträge, die wir nur bekommen, wenn der Autohandel wieder freigegeben wird“, sagte Beuß. Da der Neuwagenkauf bei Privatkunden sehr stimmungsabhängig ist und bei Firmen von der wirtschaftlichen Lage abhängt, sei die weitere Entwicklung abhängig vom schnellen Anspringen der Wirtschaft. Der bisher verbuchte Absturz der Neuzulassungen spreche eine klare Sprache. „Konkurse sind weiter eine reale Gefahr, wenn Verkauf und Service nicht schnell wieder genügend Umsatz bringen.“

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