LA Autoshow: Branchentreff im Sonnenstaat

Autor / Redakteur: sp-x / Andreas Wehner

Vor allem die nicht amerikanischen Hersteller zeigen in Los Angeles ihre Highlights. Während einerseits der Leistungshunger der Amerikaner bedient wird, rücken andererseits umweltfreundliche Autos mehr und mehr in den Mittelpunkt.

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(Foto: United Pictures)

Die LA Autoshow im sonnigen Kalifornien zieht am Ende eines Jahres nochmal Autohersteller an wie Hollywood Filmschauspieler. Hier zeigen nicht nur amerikanische Marken, was nächstes Jahr neu auf den Markt kommt. Im Gegenteil: Für die Messehöhepunkte sorgen vielmehr deutsche Fahrzeuge.

Der Porsche Cayman bietet in der nun zweiten Generation mehr Leistung, ein besseres Fahrverhalten, weniger Gewicht und einen geringeren Verbrauch. Die Basis treibt ein hochdrehender 2,7-Liter-Sechszylinder-Boxer an, der den 2,9-Liter-Boxer ablöst. Dennoch steigt die Leistung um 10 PS auf nun 202 kW/275 PS, gleichzeitig sinkt der Verbrauch um 1,2 auf 8,2 Liter. Die stärkere S-Variante kommt auf 232 kW/315 PS. Direkteinspritzung, Start-Stopp-System und Rekuperation sind Standard, optional gibt es ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Die Markteinführung ist für den 2. März 2013 geplant, die Preise beginnen bei 51.385 Euro.

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BMW zeigt mit der Studie einer Coupé-Version des elektrischen i3 die wohl letzte Studien-Ausbaustufe des Modells, dessen Serienversion auf der IAA 2013 präsentiert wird. Die Markteinführung soll noch 2013 erfolgen. Der Radstand von 2,57 Metern entspricht der Serie und ermöglicht einen großen Innenraum. Der heckgetriebene i3 wird von einem Elektromotor mit 125 kW/170 PS angetrieben, der eine Reichweite von 160 Kilometern ermöglichen soll. Optional wird es auch einen Range-Extender geben.

Brutalo-Sportler und Flügelwerk

Daimler ist mit zwei Neuheiten auf der Messe vertreten. Zum einen zeigen die Stuttgarter den Brutalo-Sportler SLS AMG Black Series, zum anderen das Sondermodell Smart Forjeremy.

„Black Series“, das steht bei der Mercedes-Tochter AMG für extra-sportliche Fahrzeuge. Aus dem Serientriebwerk mit 6,2-Liter-V8 und 420 kW/571 PS kitzeln die Ingenieure dank Drehzahlerhöhung auf 8.000/min, geändertem Ventiltrieb, neuer Ansaugluftführung und verändertem Motormanagement stramme 464 kW/631 PS. Damit rennt der Flügeltürer in 3,6 Sekunden auf Tempo 100 (Serie 3,8 s). Die Höchstgeschwindigkeit liegt allerdings nur bei 315 km/h und damit 2 km/h niedriger als bei der Serienversion, was am mächtigen Flügelwerk liegt.

Damit wartet auch der Forjeremy auf. Allerdings nicht, um mehr Abtrieb zu erreichen, sondern um aufzufallen. Die Engelsflügel – Markenzeichen des Stardesigners Jeremy Scott – aus transparentem Fiberglas sind am Heck montiert. Am Ende der Flügel des weiß lackierten Smart befinden sich rote Brems- und Schlussleuchten. Dazu gibt es verchromte Felgenspeichen, einen ebensolchen Kühlergrill und Chromelemente an den Spiegelklappen und den Scheinwerfern. Das Modell soll in einer Kleinserie nächstes Jahr auf den Markt kommen, dann allerdings mit deutlich gestutzten Flügeln.

VW zeigt im Sonnenstaat Kalifornien sein neues Beetle Cabrio, das bis auf das traditionelle Stoffdach der Coupé-Version gleicht. Die Preise liegen rund 4.500 Euro über denen der geschlossenen Variante und starten bei 21.350 Euro. Als Antrieb dienen konventionelle Diesel- und Ottomotoren zwischen 105 und 200 PS. Unter der Haube des nun in den USA vorgestellten Jetta Hybrid pochen dagegen gleich zwei Motoren, ein Turbobenziner mit 110 kW/150 PS und ein Elektromotor mit 20 kW/27 PS. Die Kraftübertragung übernimmt ein Siebengang-DSG.

Für den amerikanischen Markt mit seinen leistungshungrigen Autofahrern wird der britische Jaguar XFR-S interessant sein. Unter der Haube arbeitet ein aufgeladener 5,0-Liter-V8 mit rund 550 PS. In 4 Sekunden sind Tempo 100 erreicht und die Spitzengeschwindigkeit liegt bei 300 km/h. Geschaltet wird schnell mittels eines neuen ZF-Achtgang-Automatikgetriebes. Ebenso ist ein Start-Stopp-System an Bord, das vor allem den Verbrauch in der Stadt reduzieren soll. Im EU-Durchschnitt fließen 11,6 Liter durch die Einspritzdüsen. Optisch ist der schnelle Brite an 20-Zoll-Rädern, vergrößerten Lufteinlässen und Seitenschwellern sowie einem Spoilerkit zu erkennen. Der Jaguar wird in Deutschland ab Mai für 107.800 Euro verkauft.

Toyota RAV4 in der vierten Generation

Deutlich günstiger ist die vierte Generation des Toyota RAV4, der erstmals in L.A. zu sehen ist. Das japanische Kompakt-SUV bietet neben einem frischeren Design auch mehr Platz, neue Motoren und ein geändertes Fahrwerk. Neue Fahrdynamik-Systeme sollen neben mehr Fahrspaß auch mehr Sicherheit bieten.

Auch Subaru zeigt ein neues SUV, den Forester, der leicht in den Abmessungen wächst und ein geändertes Design sowie einen neuen Top-Motor erhält. Der 2,0-Liter-Boxerbenziner verfügt über Turboaufladung sowie Direkteinspritzung und kommt so auf 177 kW/240 PS Leistung. Allradantrieb ist immer serienmäßig an Bord.

Mit der Neuauflage des Mitsubishi Outlander haben die Japaner nicht nur SUV-Fahrer im Visier. Denn beim fünf- bis siebensitzigen Mittelklasse-SUV mit neuer Optik und mehr Technik-Optionen sollen auch Kombi-Fans angesprochen werden. Den Antrieb übernimmt vorerst ein 2,0-Vierzylinder-Benziner. Das Triebwerk ist an ein manuelles Schaltgetriebe gekoppelt und kann mit Front- oder Allradantrieb bestellt werden. Optional sind nun ein Sechsgang-Automatikgetriebe und ein Start-Stopp-System erhältlich.

Eine weitere japanische Marke ist der Honda-Edelableger Acura. Mit dem RLX kommt wieder einen klassische Limousine auf den Markt, die vor allem Amerikaner ansprechen soll. Als Antrieb dient ein Hybrid aus Elektromotor und 3,5-Liter-V6 mit rund 370 PS, der an ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe gekoppelt ist. Ebenfalls in Planung ist eine reine Ottovariante mit 310 PS.

Und aus amerikanischer Produktion? Wenig bis gar nichts, neue Modelle sparen sich die US-Hersteller für die Detroit Autoshow Anfang Januar auf. Auf der anderen Seite steht die Messe in Los Angeles in diesem Jahr mehr denn je im Zeichen des Wandels.

Früher warb die amerikanische Autoindustrie bei den Heimmessen mit Modellen, die auf Masse statt Klasse setzten und aus europäischer Sicht seltsam und überkommen wirkten. Aus dem Beinahe-Zusammenbruch nach der Finanzkrise haben Unternehmen wie General Motors, Ford und Chrysler vor allem eine neue Kundenfreundlichkeit gelernt: ihre aktuellen Flotten sind zeitgemäßer, besser verarbeitet und vor allem wirtschaftlicher. Limousinen von typisch amerikanischem Zuschnitt wie der Lacrosse der GM-Tochter Buick oder der Chevrolet Impala, die man in Europa auch nie zu sehen bekommt, behaupten sich wacker gegen die asiatische Konkurrenz und setzen heute auf Design und Wirtschaftlichkeit.

Geringer Verbrauch wird wichtiger

Inzwischen ist ausgerechnet die Automobilindustrie mit Hauptsitz in der sterbenden Stadt Detroit ein Motor der langsam erstarkenden US-Wirtschaft. „Mileage“ – der Verbrauch – ist für schuldengeplagte Amerikaner so wichtig wie noch nie. Nicht zuletzt, weil die Gallone Kraftstoff (etwa 3,8 Liter) an den Zapfsäulen sich gerade wieder bei rund vier Dollar einpendelt. Selbst die vielen riesigen Geländewagen und kompakten SUVs werden auf der LA Auto Show mit ihrem günstigen Verbrauch beworben. Um diesen Kaufanreiz kommt selbst der luxuriöse Cadillac Escalade nicht herum.

Dieses Umdenken hat auch zu einem neuen Interesse am Selbstzünder geführt. Deutsche Hersteller wie Audi, Volkswagen und Mercedes-Benz haben den „clean diesel“ inzwischen in den USA salonfähig gemacht. Erstmals wurden heuer mit dieser Motorisierung auch mehr Pkw als Trucks verkauft. Ein Trend, den heimische Hersteller nicht verschlafen sollten, wie James Bell findet. Der GM-Manager leitet die Abteilung für „Consumer Affairs“ und ist so etwas wie die menschliche Schnittstelle zwischen Industrie und Käufer. Besonders stolz ist er auf den Chevrolet Cruze 2.0 TD. Unter dieser Bezeichnung präsentiert der Hersteller 2013 den wohl ersten Turbodiesel-Pkw eigener Provenienz in den Vereinigten Staaten.

Chevrolet geht sogar noch einen Schritt weiter: die nächste Corvette-Generation besitzt zwar auch wieder einen V8-Motor mit über sechs Litern Hubraum, aber der amerikanische Traumwagen wird erstmals auch Zylinderabschaltung bieten. „Die meiste Zeit rollt so ein Wagen doch nur im Verkehr mit. Da reichen auch vier sparsamere Zylinder.“

Assistenzsysteme und Vernetzung

Ein weiteres großes Thema der amerikanischen Autohersteller sind Fahrerassistenzsysteme. Die Übermüdung der Pendler im täglichen Stop & Go des Berufsverkehrs macht Spurhalteassistenten und adaptive Abstandshalter immer interessanter. Kaum ein Hersteller, der nicht auch die Möglichkeiten der Vernetzung zwischen Fahrzeug und Smartphone anbietet oder Sprachsteuerung im Infotainment-Portfolio aufzuweisen hat. Selbst klassische Muscle Cars wie der Dodge Challenger, die noch irgendwie unbekümmert den traditionellen Hang zum großhubigen Blubbern ausleben, haben diese Zukunftstechnologie an Bord.

Los Angeles ist eine Stadt der Extreme. Einerseits Zukunftslabor der Mobilität und Hauptstadt des neuen, grünen Lebensgefühls, andererseits eine Megacity am Rande des Verkehrsinfarkts. Um den einst berühmt-berüchtigten Smog in den Griff zu bekommen, erließ der Staat Kalifornien die strengsten Emissionsauflagen, die heute den Standard in der Autoindustrie setzen. Außerdem wurden die sogenannten HOV Lanes eingeführt, das sind Fahrspuren, die ausschließlich für Fahrgemeinschaften reserviert sind. Wer einen Hybrid oder ein Elektromobil bewegt, darf inzwischen auch diese zügigere Spur benutzen, selbst wenn der Fahrer alleine im Fahrzeug sitzt. Ein weiterer Anreiz, der auf der Auto Show beworben wird.

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