Lada Taiga: Fossil mit begrenztem Artenschutz

Autor / Redakteur: gr/ampnet / Thomas Günnel

Der Lada Taiga 4x4, besser bekannt als Niva, ist ein russisches Relikt – aber mit treuer Fangemeinde. Seine Zukunft ist schon lange unsicher, doch leben wird er länger als bisher gedacht.

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Der Lada 4x4, bekannt als Niva, genießt schon länger Kultstatus.
Der Lada 4x4, bekannt als Niva, genießt schon länger Kultstatus.
(Foto: auto-medienportal.net)

Offiziell heißt er Lada Taiga 4x4, doch für die Fangemeinde bleibt der russische Geländewagen das, was er seit 1976 ist: ein Lada Niva. Fans des ursprünglichen Offroad-Fahrgefühls stellen den Taiga in eine Reihe mit dem Land Rover Defender oder der G-Klasse von Mercedes-Benz. Ihnen allen gemeinsam sind die klar und schnörkellos zugeschnittene, eckige Karosserie, eine treue Anhängerschar und der Kultstatus als Allrad-Legende. Der rustikale Russe ist nach wie vor der günstigste echte Geländewagen auf dem deutschen Markt. Und trotz der letzten Modellpflegemaßnahmen vor vier Jahren bleibt er ein fabrikneuer Oldtimer, worin für viele Fans nicht zuletzt – neben dem Preis – sein großer Charme liegt.

Zumindest mit dem Defender teilt der Taiga ein weiteres Schicksal: Er ist vom Aussterben bedroht. Die Umbenennung vom Niva zum Taiga nutzte der Importeur daher für einen weiteren Schritt: die Lada Automobile GmbH aus Buxtehude wandelte sich vom Importeur zum Kleinserienhersteller. Für Autos aus Kleinserie gelten die strengen Abgas- und Sicherheitsbestimmungen der EU nicht vollumfänglich. Deshalb lässt der Importeur den Taiga nun offiziell fertigen – im russischen Togliatti, wo der Lada Niva/Taiga schon immer produziert wurde.

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Wie lange diese Krücke dem Taiga über die Hürden der Vorschriften und Abgasnormen hinweghelfen wird, ist nicht ganz klar. Doch Bernd Haack, Marketing-Leiter der Lada Automobile GmbH, stellt klar, dass der Taiga in diesem Jahr noch die Euro-6-Norm schaffen wird. „Mindestens bis Ende 2016“ wird der Taiga daher noch gehandelt werden. Damit wird 2015 nur das letzte Jahr des Defender und nicht – wie „Auto, Motor und Sport“ vermeldete – das Ende des russischen Kult-Geländewagens.

Dass der Taiga nicht mehr Niva heißt, hat ursächlich mit der großen Modellpolitik der Konzerne zu tun. Denn aus dem amerikanisch-russischen Joint-Venture von General Motors und dem Lada-Hersteller Avtovaz entstand als modernes SUV der Chevrolet Niva. Der wird zwar wegen des Chevrolet-Rückzugs aus dem Rest des Kontinents nie in Westeuropa vertrieben werden, trotzdem war der Name weg. Denn eigentlich gehört Avtovaz inzwischen mehrheitlich der Renault-Nissan-Allianz.

Noch jedenfalls genießt der Taiga/Niva aber Kultstatus. Am Anfang seiner Karriere zählte das Modell übrigens zur Elite der Geländewagen: Permanenter Allradantrieb und komfortable Schraubenfedern waren in den 70er Jahren nicht selbstverständlich. Geändert hat sich seither freilich wenig.

Verborgene Modellpflege

Modellpflege vor einigen Jahren? Äußerlich unterscheidet sich auch die aktuelle Generation des Lada 4x4 so gut wie nicht von allen anderen Niva. Kenner machen jedoch etwas größere Blinkleuchten vorne aus, unter denen die Hauptscheinwerfer mittlerweile schon klein wirken. Ein neues Kombiinstrument sowie von innen verstellbare Außenspiegel gibt es seit dem Jahr 2010 ebenfalls. Zudem wurde endlich der Klappmechanismus der – leider immer noch ungeteilten – Rückbank verbessert.

Anm. d. Red.: In einer früheren Version war die Rede, dass der Taiga Ende 2015 eingestellt wird. Das ist laut dem Importeur nicht der Fall.

Doch die meisten Änderungen bleiben dem Betrachter verborgen. Als Beispiele seien bessere Dichtungen für die Wasserpumpe, eine größere Schwungscheibe, der Bremskraftverstärker aus dem Lada Kalina, geänderte Vorder- und Hinterachsaufhängungen sowie neue Stoßdämpfer, stärkere Lager für die Ausgangswelle im Verteilergetriebe und die verbesserte hintere Kardanwelle genannt. Der Modellpflege entgangen ist dagegen die unorthodoxe Entriegelung der Kofferraumklappe. Sie lässt sich mittels eines dritten Türgriffs im Fond hinter dem Fahrersitz öffnen – allerdings nur von dort aus.

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Vor allem die Veränderungen am Fahrwerk sind deutlich zu spüren. Das russische Relikt einer längst vergangenen Autoepoche lässt sich spürbar präziser lenken und verhält sich auch in schnelleren Kurven erstaunlich gutmütig. Das neutrale Fahrverhalten ist kein unbedeutender Faktor, denn nach wie vor müssen Niva-Fahrer ohne ESP auskommen. Und Airbags dürfen sie nach wie vor auch nicht erwarten. Immerhin hielt mit der Modellpflege ABS Einzug in den automobilen Klassiker. Nach wie vor verzögern aber hinten Trommelbremsen den kompakten Offroader und taucht der Vorderwagen beim Bremsen stark ein. Zum nostalgischen Fahrgefühl tragen auch das große Lenkrad, der ellenlange Schalthebel und die so gut wie ausgestorbenen Kippschalter bei; nicht zu vergessen die herrlich altmodischen Schieberegler für die (leistungsstarke) Heizung.

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Ein echter Offroader

Der Motor ist weiterhin ein zäher und brummiger Geselle, erfüllt aber derzeit die Euro-5-Norm. Er will mit Drehzahl bei Laune gehalten werden. Richtig laut im Innenraum wird es ab etwa 100 km/h. Bis dahin müssen aber ohnehin nach dem Anfahren rund 20 Sekunden einkalkuliert werden. Weit nerviger ist allerdings das ständige Gesurre des Antriebsstrangs, das sich vor allem im Schiebebetrieb bemerkbar macht. Unbestritten sind die Geländequalitäten des kompakten Fahrzeuges: 65 Zentimeter Wattiefe, 58 Prozent Steigfähigkeit und ein Kippwinkel von 48 Grad sorgen in Verbindung mit serienmäßiger Differenzialsperre und Getriebeuntersetzung für echte Offroad-Eigenschaften.

Unser Testfahrzeug in der „Exklusive“-Version für 2.490 Euro Aufpreis bot unter anderem Dotz-Leichtmetallfelgen, Innenkotflügel, Radio, einen Frontbügel und Trittbretter aus Edelstahl. Weitere Punkte der Aufpreisliste geben einen Hinweis auf die Zielgruppe des Fahrzeugs: Es gibt zum Beispiel einen Gewehrhalter, eine Wildwanne (groß und klein) oder einen Hundetrittschutz. Wem die 9,5 Liter Durchschnittsverbrauch nach EU-Norm zu viel sind, der kann den Niva, wie alle Lada, auch mit einer Autogasanlage bestellen.

Ergänzendes zum Thema
Lada Taiga 4x4
Datenblatt des Lada Taiga 4x4

Die technischen Daten im Überblick

  • Länge x Breite x Höhe (m): 3,72 x 1,68 x 1,64
  • Motor: 4-Zylinder-Benziner, 1.690 ccm
  • Leistung: 63 kW / 83 PS bei 5.000 U/min
  • Max. Drehmoment: 129 Nm bei 4.000 U/min
  • Verbrauch (nach EU-Norm): 9,5 l/100 km
  • CO2-Emissionen: 225 g/km (Euro 5)
  • Höchstgeschwindigkeit: 129 km/h
  • Beschleunigung von 0 auf 100 km/h: 19 Sek.
  • Leergewicht / Zuladung: 1.210 kg / 400 kg
  • Reifen: 175/80 R 16
  • Wendekreis: 11 m
  • Kofferraum: 263 - 982 Liter
  • Max. Anhängelast: 1.490 kg
  • Grundpreis: 9.990 Euro

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