Lamborghini Huracan Evo: Die nächste Evolutionsstufe

Autor / Redakteur: sp-x / Andreas Grimm

Die überarbeitete Version des Lamborghini Huracan trägt den Beinamen „Evo“ – und tritt damit fast schon zu bescheiden auf. Äußerlich kaum verändert, bietet der Supersportwagen eine Elektronikausstattung, die aus einem guten einen sehr guten Fahrer machen kann.

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Die überarbeitete Version des Lamborghini Huracan trägt den Beinamen „Evo“.
Die überarbeitete Version des Lamborghini Huracan trägt den Beinamen „Evo“.
(Bild: Lamborghini)

Maurizio Reggiani kommt schnell auf den Punkt. „You can’t go down“, sagt der Entwicklungsvorstand von Lamborghini, und er meint damit, dass man in der Welt der Supersportwagen niemals mit dem Erreichten zufrieden sein dürfe. Im Gegenteil: „You must every time go up“– immer stärker, immer schneller, möglichst immer faszinierender müssen die Autos werden, und das gilt ganz offensichtlich sogar, wenn es gar kein neues Modell gibt, sondern nur eine Modellpflege, auch Facelift genannt.

Beim Lamborghini Huracan, dem kleinsten Modell im Programm, der mit 5,2 Liter großem V10-Motor aber auch schon in der ersten Liga spielt, haben die Verantwortlichen an dem gearbeitet, was man die Seele eines Sportwagens nennen könnte. Nicht vom Motor ist hier die Rede, im neuen Huracan Evo dröhnt, röhrt und kreischt nun das 640 PS starke Aggregat aus dem vormaligen Spitzenmodell der Baureihe, dem Huracan Performante. Was den Evo jedoch mehr abhebt vom im Jahr 2014 eingeführten Original-Huracan, ist die komplett neuartige Fahrwerksabstimmung, gespickt mit elektronischen Finessen.

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So traditionell sich Lamborghini gerne gibt, was besonderen Ausdruck findet im Festhalten an hochdrehenden Motoren, die ohne Turbolader auskommen (außer im SUV-Modell Urus), so sehr befassen sich die Ingenieure doch mit dem, was die Moderne hergibt.

So wurden dem Allrad-Auto drei komplett neue Techniken unter das ikonische Kampfjet-Design gepackt: eine Hinterachslenkung, ein Torque-Vectoring-System und eine zentrale Steuereinheit, für deren Bezeichnung es sich lohnt, italienisch zu lernen: Lamborghini Dinamica Veicolo Integrata, oder etwas leidenschaftsloser: LDVI.

Vor der Erklärung kommt der Fahrversuch, der Lamborghini Huracan Evo steht bereit auf dem Formel-1-Kurs von Bahrain. Drei lange Geraden prägen diese Strecke ebenso wie ein, zwei enge bis sehr enge Kurven und ein interessantes Asphaltgeschlängel im Inneren des Kurses, über das man recht schnell fahren kann – allerdings auch wieder nicht so schnell, wie es der Motor des Huracan Evo vorsieht.

Variabler virtueller Radstand

325 km/h werden als Höchstgeschwindigkeit angegeben, die erreicht der Evo in Bahrain nicht, aber am Ende der Zielgeraden zeigt der Tacho doch 270 km/h an, und die serienmäßigen Keramik-Bremsscheiben müssen ihr Bestes geben, um dem Wagen noch ein gefahrloses Einlenken in die folgende Rechtskurve zu ermöglichen. Was folgt, sind eine kurze Gerade und daran anschließend eine Links-Rechts-Links-Kombination vor der nächsten Spitzkehre, und nun ist größte Aufmerksamkeit gefordert, um mit dem rasant beschleunigenden Zehnzylinder (600 Newtonmeter Drehmoment, 2,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h) nicht an der einen oder anderen Stelle übers Ziel hinauszuschießen.

Hat man sich an diese Besonderheiten von Auto und Strecke gewöhnt, kann man auf den Zuwachs an Agilität achten, den die Hinterachslenkung dem Auto verschafft. Zwar verstellen sich die Hinterräder nur ganz wenig, nämlich mit einem maximalen Lenkwinkel von einem Grad, doch das genügt, um den Radstand virtuell geringer werden zu lassen und damit das Auto handlicher zu machen. Dies geschieht bei den relativ niedrigen Geschwindigkeiten, die Haarnadeln und enge Kurven nun mal erfordern. Ist man schnell unterwegs, etwa auf der Autobahn, so drehen sich die Hinterräder nicht gegenläufig zu den Vorderrädern, sondern parallel – das macht den Radstand virtuell länger, was die Stabilität, etwa beim Spurwechsel, erhöht.

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