Lancia Flavia Coupé: Die klassische Tugend

Autor / Redakteur: sp-x / Andreas Wehner

Die Lancia Flavia ist zurück, doch an das Ursprungsmodell erinnert sich kaum noch jemand. Was war das eigentlich für ein Auto? Wir haben Platz genommen.

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Das Lancia Flavia Coupé wurde von Pininfarina entworfen.
Das Lancia Flavia Coupé wurde von Pininfarina entworfen.
(Foto: sp-x)

Fiat-Chef Sergio Marchionne bemüht die Tradition: Es gibt wieder eine Lancia Flavia. Was nach einem völlig neu entwickelten Modell klingt, ist jedoch in Wahrheit nur ein umetikettierter Chrysler 200 – seinerseits eine Ableitung des reichlich mittelmäßigen Sebring. Woran will die neue Flavia eigentlich anknüpfen?

Vor gut fünfzig Jahren, als die ersten Modelle der Flavia-Baureihe in Turin vom Band rollten, konnten viele Deutsche jedenfalls kaum etwas mit der Nobelmarke Lancia anfangen. Einen nennenswerten Vertrieb gab es nicht; ein gewisser Bekanntheitsgrad stellte sich erst ein, nachdem der elitäre und innovative Hersteller von Fiat übernommen wurde. Die Baureihen Beta, Gamma und Delta prägten das Image einer exklusiven, designorientierten Marke; der sportliche Anspruch wurde durch Fulvia, Stratos und den Delta Integrale formuliert. Fünfzehn, zwanzig Jahre lang genoss Lancia auch in Deutschland die Aufmerksamkeit arrivierter Individualisten.

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Dann begann ein langer Abstieg, ausgelöst durch stilistische Missgriffe und eine verfehlte Modellpolitik, die sich etwa darin äußerte, dass auf einmal kein Lancia mehr sportlich sein durfte: Dies war nun die Domäne der Schwestermarke Alfa Romeo. Die Verkäufe fielen ins Bodenlose. Getragen wurde die Marke praktisch nur noch durch den Ypsilon – einen Kleinwagen, der in der Tradition der Lancia erst spät zugefallenen Marke Autobianchi steht.

Jetzt also Chrysler-Produkte: Das kann eigentlich nicht der Abschluss sein, allenfalls eine Zwischenstation, um die Marke über bittere Zeiten hinwegzuretten. Wir haben ein paar Tage mit einem klassischen Flavia Coupé verbracht, um zu erfahren, worauf sich das neue Modell eigentlich beruft.

Abgeleitet war der Zweitürer von der 1960 vorgestellten Flavia Limousine – einem erst bei genauem Hinsehen innovativen Viertürer. Es waren Details wie die eigenwilligen Rückleuchten und das futuristische Interieur, die das Modell von der gewöhnlichen Konkurrenz abhoben. Kurz darauf trat das von Pininfarina gezeichnete Coupé auf den Plan, und schließlich folgte ein Cabriolet.

Gemein war allen dreien die charakteristische Front mit fünfeckigem Lancia-Grill und weit oben platzierten, aggressiv wirkenden Doppelscheinwerfern. Auch beim Coupé fielen die tief und horizontal angeordneten Heckleuchten auf – keine besonders hübsche Lösung, aber eine außergewöhnliche, die den Lancia auf den ersten Blick von den anderen Coupé-Entwürfen von Pininfarina, etwa für Ferrari und Peugeot, unterscheidet.

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