Land Rover: Autonom ins Gelände

Autor / Redakteur: sp-x / Jens Rehberg

Die Briten drehen das Rad beim autonomen Fahren jetzt ein Stück weiter und entwickeln den Autopiloten fürs Gelände.

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Was auf der Autobahn funktioniert, soll auch im Gelände klappen: Land Rover entwickelt zurzeit einen Autopilot für Offroad-Strecken.
Was auf der Autobahn funktioniert, soll auch im Gelände klappen: Land Rover entwickelt zurzeit einen Autopilot für Offroad-Strecken.
(Bild: Land Rover)

Zwar wird gerade hitzig über einen Software-Fehler bei Tesla diskutiert. Doch auch der Crash eines vom Autopiloten gesteuerten Model S mit einem Lastwagen kann den Zukunftstrend zum autonomen Fahren mutmaßlich nicht stoppen. Alle Hersteller arbeiten mit mehr oder minder großem Elan daran, dem Fahrer mehr Freizeit zu schenken oder ihn gleich ganz überflüssig zu machen. Weil es deshalb umso schwerer fällt, sich aus diesem Trend herauszuheben, geht Land Rover einen ganz eigenen Weg, und Strategiechef Adrian Hallmark verkündet, wie es sich für eine Abenteuer-Marke gehört: „Mit uns wird man autonom auch durchs Gelände fahren können.“

Schon heute haben die Briten so viel Assistenzsysteme an Bord, dass selbst heftige Allradabenteuer zur Spazierfahrt werden und man schon in die Sahara oder die Anden muss, wenn man sich und sein Auto fordern will. Das wird spätestens dann deutlich, wenn man nur so zum Vergleich mal den nassen Feldweg, den man eben im Range Rover mit dem kleinen Finger bewältigt hat, in einem 30 Jahre alten Serie I-Land-Rover angeht. Doch Hallmark ist damit noch lange nicht zufrieden und lässt die Ingenieure deshalb an einem halben Dutzend weiterer Assistenten tüfteln, die in der Kombination schon ziemlich weit zum autonomen Abenteurer führen.

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Den vielleicht größten Nutzen verspricht eine Art elektronischer Einweiser. Denn in ihrem Prototypen nutzen die Ingenieure die übliche Stereokamera nicht zum Erkennen von Fahrspur und Verkehrszeichen. Vielmehr scannen und vermessen sie damit den gesamten Fahrkorridor. Später einmal wird sie dem Autopiloten bei der Routenberechnung helfen. Aber fürs erste könnte sie Range-Rover-Fahrer auf Abwegen warnen, falls die Lücke zwischen zwei Felsen zu eng ist oder ein Ast zu tief hängt.

Ebenfalls um ein bisschen Vorausschau geht es bei der Oberflächenerkennung. Wo andere Hersteller Schlaglöcher oder Bodenwellen ausgleichen, will Land Rover per Ultraschall die Fahrbahnbeschaffenheit erkennen und das bekannte Terrain-Response-System dann schon fünf Meter vorher auf Schnee, Sand, Gras oder Matsch einstellen.

Den größten Schritt zum autonomen Offroad-Fahren könnten die Briten in ein paar Jahren mit der adaptiven Allterrain Progress Control machen. Heute funktioniert das System wie ein klassischer Tempomat und hält im Gelände stur die eingestellte Geschwindigkeit. Zwar ist das etwa aus dem Range Rover Evoque oder dem Jaguar F-Pace bekannte System schon eindrucksvoll genug. Doch in der Vision der Entwickler passt sich die Regelung künftig den Fährnissen des Weges an. Ebenso wie der Range Rover auf der Autobahn verzögert, wenn er auf einen langsameren Wagen aufläuft, wird er dann auch im Gelände automatisch abbremsen, wenn eine Wasserdurchfahrt oder eine Engstelle die schnelle Fahrt behindern.

Zwar wissen die Briten selbst am allerbesten, dass die allermeisten Kunden im Gelände sich gar nicht helfen lassen wollen – zumindest nicht von einem Besserwisser aus Bits und Bytes. Nicht umsonst verkaufen sie viele tausend Abenteuerreisen im Jahr, bei denen der Nervenkitzel zum Programm gehört und statt eines Autopiloten eher ein Instruktor an Bord ist.

Doch der Hersteller habe beim autonomen Offroad-Fahren gar keine Expedition oder Lustreise im Sinn, sagt Entwicklerin Anna Gaszczak: „Wir wollen einfach dafür sorgen, dass die Technik auch unter widrigen Umständen sicher funktioniert.“ Und schließlich gerate man auch im Alltag mal auf Schotter, auf Schnee oder in einen Regenguss, rechtfertigt die Expertin das millionenschwere Entwicklungsbudget. Da reiche schon eine Baustelle, ein Wintertag in den Alpen oder ein Sommerurlaub im nieselgrauen England.

Und schaut man auf Tesla, hat die Offroad-Offensive für den Autopiloten noch einen weiteren Vorteil: Die Wahrscheinlichkeit, dass im Unterholz ein Lastwagen den Weg kreuzt, ist vergleichsweise gering.

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