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Lauschangriff gegen Stadler dokumentierte Verdunkelungsgefahr

| Autor: Andreas Grimm

Der beurlaubte Audi-Vorstandschef Rupert Stadler sitzt wegen Verdunkelungsgefahr in Untersuchungshaft. Ein Zeitungsbericht verdeutlicht nun, dass dieser Vorwurf Gewicht hat. Stadler wollte wohl gegen Informanten der Ermittler hart durchgreifen.

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Vor seiner Festnahme soll Rupert Stadler konkret überlegt haben, Informanten der Diesel-Ermittler in den eigenen Reihen kaltzustellen.
Vor seiner Festnahme soll Rupert Stadler konkret überlegt haben, Informanten der Diesel-Ermittler in den eigenen Reihen kaltzustellen.
( Audi)

Die Untersuchungshaft für den inzwischen beurlaubten Audi-Vorstandschef Rupert Stadler hatte laut einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ („SZ“)nach Einsicht der Ermittlungsakten eine konkrete Vorgeschichte. In einem von den Ermittlungsbehörden mit richterlicher Erlaubnis abgehörten Telefonat soll Stadler angeboten haben, gegen einen namentlich bisher allerdings noch gar nicht bekannten Kronzeugen in den Audi-Reihen vorzugehen.

Die Mitschnitte des Telefonats vom 8. Juni legten laut dem Zeitungsbericht nun die Grundlage für die Verhaftung Stadlers am 18. Juni. Die vom Audi-Chef geäußerten Überlegungen zur Maßregelung des Informanten bis hin zu seiner Beurlaubung begründeten den Verdacht der Verdunkelungsgefahr. Stadler habe in dem Gespräch mit einem nicht näher identifizierten Porsche-Manager angekündigt, gegen den Informanten ohne zu zögern vorzugehen.

Laut dem Haftbefehl hatte Stadler die Hoffnung geäußert, dass eine Versetzung oder gar Beurlaubung eines wichtigen Zeugen „Signalwirkung“ in die eigenen Reihen hinein gehabt hätte. Nach einem Gespräch mit Konzern-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch war Stadler den Angaben zufolge zu der Auffassung gelangt, dass eine frühere Razzia bei Porsche nur deshalb so zielgerichtet abgelaufen sei, weil die Ermittler Informationen aus den Audi-Reihen gehabt haben mussten. Audi lieferte Porsche Dieselmotoren mit der verbotenen Abgassoftware zu.

Gegen die anderen an den Gesprächen beteiligten Manager liegen keine Hinweise auf strafbare Handlungen im Zusammenhang mit dem Verdunkelungsangebot von Stadler vor. Der Hinweis von Pötsch auf einen möglichen Maulwurf ist rechtlich betrachtet kein Vergehen. Und auch der Porsche-Manager soll zurückhaltend auf das Hilfsangebot von Stadler reagiert haben. Laut dem „SZ“-Beitrag soll er darauf hingewiesen haben, dass jegliche Maßnahmen nur in Absprache mit Juristen getroffen werden sollen.

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Über den Autor

 Andreas Grimm

Andreas Grimm

Redakteur, Redaktion »kfz-betrieb«