Kfz-Gewerbe Baden-Württemberg Leichtes Umsatzplus trotz Absatzeinbruch

Autor: Doris Pfaff

Trotz geschlossener Verkaufsflächen konnte das Kfz-Gewerbe in Baden-Württemberg 2020 ein leichtes Umsatzplus verbuchen. Da jedoch die Einbrüche im Neuwagensegment massiv sind, sank die Rendite um 0,1 Prozent auf 1,2 Prozent.

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Präsident Michael Ziegler (rechts) und Hauptgeschäftsführer Carsten Beuß vom Kfz-Gewerbe Baden-Württemberg stellten die Bilanz des vergangenen Autojahres vor. Für 2021 hoffen sie auf eine leichte Erholung durch einen Nachholeffekt.
Präsident Michael Ziegler (rechts) und Hauptgeschäftsführer Carsten Beuß vom Kfz-Gewerbe Baden-Württemberg stellten die Bilanz des vergangenen Autojahres vor. Für 2021 hoffen sie auf eine leichte Erholung durch einen Nachholeffekt.
(Bild: Kfz-Gewerbe Baden-Württemberg)

Insgesamt sei das Kfz-Gewerbe angesichts der Krise noch mit einem blauen Auge davon gekommen, betonte Michael Ziegler, Präsident des Kfz-Landesverbands Baden-Württemberg, bei der Online-Jahreskonferenz. Durch die schrittweise Öffnung des Kfz-Handels mithilfe von Termin-Shopping könne es zu Nachholeffekten kommen, meint er. Trotzdem glaubt er nicht an eine gute Prognose für 2021. Zu hoch seien die Einbrüche zu Beginn dieses Jahres: Um die aufzuholen, brauche es das ganze Jahr.

Das kleine Umsatzplus konnte 2020 nicht verhindern, dass die Rendite auf 1,2 Prozent abrutschte. „Ziel muss die Drei-Prozent-Marke bleiben“, betonte Ziegler. Insgesamt hat das Kfz-Gewerbe mit 26,2 Millionen Euro einen Anteil von knapp 76 Prozent am Gesamtumsatz des Automarktes und verzeichnet gegenüber dem Vorjahr einen leichten Anstieg um 0,4 Prozent. Der Gesamtumsatz – inklusive der Privatverkäufe und des Direktvertriebs – lag in Baden-Württemberg 2020 bei 34,5 Millionen Euro (–2,4 %)

Servicegeschäft leidet unter Homeoffice

Sorgen bereitet insbesondere das Servicegeschäft. Denn obwohl die Kfz-Werkstätten durchgehend geöffnet waren, sank der Umsatz in diesem Segment um 8,3 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro. Schon im Vorjahr hatte das Werkstattgeschäft einen ähnlich hohen Umsatzeinbruch hinnehmen müssen. Ursachen für den neuerlichen Einbruch sind laut Ziegler die Folgen des Lockdowns. Da viele Menschen im Homeoffice arbeiten, fahren sie weniger Auto. Somit sinken der Verschleiß und die Zahl der Verkehrsunfälle.

Historischer Einbruch beim Neuwagengeschäft

Durch die Schließung des stationären Handels im Frühjahr 2020 brach vor allem das Neuwagengeschäft ein. Der Umsatz sank um 18 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro. 2020 gab es 425.503 Pkw-Neuzulassungen, 2019 waren es 518.851. Den starken Einbruch im Frühjahr hatten auch der Jahresendspurt und die Absenkung der Mehrwertsteuer nicht wettmachen können.

Satte Zuwächse bei den Gebrauchtwagen und den E-Fahrzeugen

Unterm Strich zeigt die Branchenbilanz für 2020 neben den beiden Verlierern aber auch zwei Gewinner: den Gebrauchtwagenmarkt für Pkw und Lkw sowie den Markt für Elektrofahrzeuge. Zwar sank die Zahl der verkauften Gebrauchtfahrzeuge um 3,5 Prozent auf 658.623 Stück, aber der Umsatz stieg um 15 Prozent auf 13,8 Millionen Euro. Bei den Elektrofahrzeugen gab es bedingt durch die hohen Förderprämien in Baden-Württemberg Zuwächse von 221 Prozent bei reinen Elektrofahrzeugen und 108 Prozent bei Hybridantrieben.

Bitter sei die Bilanz für die Ausbildung: Bei den beiden häufigsten Ausbildungsberufen, dem Kfz-Mechatroniker und den Automobilkaufleuten, sank die Zahl der Ausbildungsverträge um 7,6 Prozent.

Prognose für 2021: Nur leichte Erholung

Ziegler fürchtet, dass die Branche den aktuellen Einbruch nicht wird wettmachen können. Als Prognose für 2021 nannte er rund 445.000 Pkw-Neuzulassungen (+4,2 %) und 930.000 Pkw-Besitzumschreibungen (–1,2 %).

Aus diesem Grund werden die Kfz-Betriebe nicht auf staatliche Hilfen verzichten können. Ziegler forderte deshalb, die Ende Juni 2021 befristeten Corona-Hilfsmaßnahmen für Unternehmen (Überbrückungshilfe III, KfW-Sonderprogramm/Schnellkredit) bis Ende 2021 zu verlängern. Damit die Soforthilfen auch ankommen, müsste es zugunsten der Vollfunktionsbetriebe eine Absenkung des monatlichen Umsatzes von derzeit 80 auf 30 Prozent geben. Außerdem sollten bei verbundenen Betrieben Fixkosten wie etwa Mieten anrechenbar sein, so Ziegler.

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Über den Autor

 Doris Pfaff

Doris Pfaff

Redakteurin bei »kfz-betrieb«, Ressort Verbände & Politik