Lexus LC500: Die Luxus-Ökos machen Pause

Autor / Redakteur: sp-x / Christoph Seyerlein

Politisch korrekt ist bei diesem Lexus ausnahmsweise mal kein Motto. Stattdessen passt der Antritt endlich mal zum Auftritt. Und wer unbedingt auf „grün“ machen will, für den gibt es da ja noch eine andere Lösung.

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Im Sommer soll der Lexus LC500 an den Start gehen.
Im Sommer soll der Lexus LC500 an den Start gehen.
(Bild: Lexus)

Lexus? Das sind doch die Leisetreter in der Luxusklasse, die zumindest in Europa seit Jahren erfolglos gegen Audi, BMW und Mercedes antreten. Für die meisten Modelle der vornehmen Toyota-Tochter trifft diese grob vereinfachte und sicher nicht ganz objektive Einschätzung tatsächlich zu. Zu vernünftig, zu vorsichtig und vor allem zu verliebt in den Hybridantrieb sind die Ingenieure, als dass sie einen echten Pulsbeschleuniger auf die Räder gestellt hätten.

Bis jetzt zumindest. Doch bald kommt ein Lexus, bei dem das alles anders ist: Bitterböse, bullig und brutal gezeichnet, brachial motorisiert, bretthart abgestimmt und rundherum hoffnungslos unvernünftig. Wenn im Sommer zu Preisen knapp unter 100.000 Euro der neue LC500 an den Start geht, dann wirken selbst Autos wie ein BMW 6er oder eine zweitürige S-Klasse brav und bieder.

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Das liegt zum einen am messerscharfen Design des 4,77 Meter langen Luxusgleiters, das sich seit der ersten Studie auf der Motorshow in Detroit im Januar 2012 kaum mehr geändert hat. Deshalb stiert der Gran Turismo noch immer aus zwei feurigen LED-Brennern in die Nacht. Er verschlingt seinen Vordermann durch einen hungrig aufgerissenen Kühlerschlund, fängt die Blicke mit Rückleuchten, die in unendliche Tiefen zu entschwinden scheinen. Und vor allem hat er ein Heck, das in seiner bulligen Breite mehr als nur ein wenig provoziert.

Aber es liegt vor allem an seinem wunderbar unvernünftigen Motor: Während die Japaner sonst das Hohelied des Hybridantriebs singen, kontern sie die kleinvolumigen Turbos der Konkurrenz mit einem V8-Motor von fetten fünf Litern Hubraum und geben damit den Punker im Knabenchor.

0 auf 100 in 4,4 Sekunden

Unter 4.000 Touren fast noch verhalten, muss man dem Motor nur ein wenig die Sporen geben, dann bollert und brüllt er alle anderen nieder: Wenn 540 Nm zupacken und die konkurrenzlose Zehngang-Automatik mit der Kompromisslosigkeit eines Schnellfeuergewehrs und dem Taktgefühl eines Star-Dirigenten schaltet, dann stürmt der Racer in 4,4 Sekunden von 0 auf 100 und danach so unbändig weiter, dass die Entwickler bei 270 Sachen sicherheitshalber die Reißleine ziehen. Aber wer jenseits von 200 km/h nochmals aufs Gas tritt, der würde dem LC500 auch 300 Sachen abnehmen.

So aggressiv das Coupé auftritt und antritt, so kuschelig geht es im Innenraum zu – zumindest wenn man den Japanern nicht den Blödsinn mit dem 2+2-Sitzer glaubt. Denn während in der zweiten Reihe selbst Kleinkinder allenfalls kauern können und der Kofferraum schon mit dem Reisegepäck von zwei Personen stark gefordert ist, geht es in der ersten Reihe luftig und luxuriös zu. Da ist der LC eher Limousine als Sportwagen und damit tatsächlich der klassische Gran Turismo, mit dem man die Kilometer hunderterweise abreißt und auch nach Stunden noch immer mit einem Lächeln aussteigt.

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