Lkw-Fahrerarbeitsplätze: Vom Bock zum Büro

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Karge Realität der Asphalt-Cowboys

MAN bietet ab Ende der 1960er Jahre ein Großraumfahrerhaus mit festen Liegen hinten und serienmäßiger Heizung an, im Nachfolger kommen Extras wie elektrische Fensterheber, Kühlbox, höhenverstellbares Lenkrad, textile Seiten- und Rückwandverkleidungen und Kleiderschrank mit Schiebetüren hinzu.

Ab 1977 verklärt die Fernseh-Serie „Auf Achse“ den Arbeitsalltag zur Fernfahrer-Romantik. Der Blick in einen Mercedes-Sattelzug der Neuen Generation (NG 73) Baujahr 1975, der in der Fernsehserie mitfuhr, zeigt die immer noch recht karge Realität der Asphalt-Cowboys.

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Ende der 1970er Jahre setzt Volvo mit dem „Globetrotter“-Fahrerhaus für schwere Langstrecken-Lkw neue Standards. Es ist deutlich größer als eine normale Kabine und verfügt über neue Funktionen wie Kühlschrank, Wassertank, Spüle und Küche. Der Globetrotter erwirbt sich einen Ruf als luxuriösester Lkw der Welt. Zu dieser Zeit bieten die Lkw-Produzenten gegen Aufpreis die ersten luftgefederten Fahrersitze an.

Geprägt vom Streben nach Funktionalität und Übersichtlichkeit ist der Fahrerarbeitsplatz einer Mercedes-Benz 1317 Sattelzugmaschine, Baujahr 1989. Zeittypisch sind die Brauntöne, die bescheidene Anzahl der Schalter und die an den oberen Rand des Cockpits ausgegliederten Funktions- und Warnleuchten.

In den 1990ern werden die Arbeitsplätze mit besser erreichbaren Schaltern ergonomischer, die Fernfahrer-Kabinen geräumiger, mit Stehhöhe und mehr Stauraum für persönliche Gegenstände.

Der Fahrer im Mittelpunkt

Längst steht der Fahrer im Mittelpunkt: Im ab 2003 gebauten Mercedes Actros lassen sich Sitze, Lenkrad, Schalterfeld individuell auf den jeweiligen Fahrer und sein Einsatzfeld hin konfigurieren. Ein erstes digitales Zentraldisplay visualisiert unter anderem Gangwahl und Arbeit der Assistenzsysteme.

Heute sind die Arbeitsplätze nahezu voll digitalisiert. Bildschirme ersetzen die klassische Instrumententafel, zum Beispiel beim neuen Volvo FH oder der fünften Generation Mercedes Actros. Der Fahrer kann die Funktionen per Sprachbefehl, Lenkradtasten oder Touchscreen bedienen. Im Actros zeigen zwei Displays an den A-Säulen außerdem den Verkehr im Toten Winkel.

Kabine mit Mikrowelle, Fernseher und Klimaanlage

Der moderne Lkw ist heute über die Cloud mit der Spedition und Werkstatt verbunden. Ebenso entscheidend für die Fuhrpark-Manager sind heute aber Platz und Komfort, mit diversen Staufächern anstelle der Liege für den zweiten Fahrer und Geräten wie Mikrowelle, Fernseher, Stand-Klimaanlage oder Extras wie Ambiente-Licht.

Denn in Zeiten fehlender Kraftfahrer ist die Ausstattung des Arbeitsplatzes ein nicht zu unterschätzendes Kriterium, um überhaupt noch Menschen für die Arbeit „auf dem Bock“ zu begeistern.

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