Löhr-Gruppe: Neubauleasing sichert Expansion

Redakteur: Norbert Rubbel

Die Löhr & Becker Aktiengesellschaft hat in ihre Mainzer Autohäuser rund 30 Millionen Euro investiert. Eigentümer ist jedoch die DAL, die die Immobilien und das Grundstück an die Löhr-Gruppe vermietet hat.

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( Archiv: Vogel Business Media )

Seit über 100 Jahren expandiert das Koblenzer Unternehmen Löhr & Becker, investiert in neue Autohäuser und kauft bestehende Firmen hinzu. Mit der Übernahme des VW- und Audi-Händlers Kraft 2004 ist die Löhr-Gruppe auch in Mainz vertreten. Jetzt geht die Autohausgruppe neue Wege in der Immobilienfinanzierung.

Als die genutzten Räume von Auto-Kraft im Zentrum der Landeshauptstadt zu eng wurden, suchten die Verantwortlichen des Unternehmens ein passendes Grundstück für ihre Automeile. „Eine geeignete Fläche für unsere neuen Autohäuser zu finden, war fast ein Irrweg“, erinnert sich Hans-Jürgen Persy, Vorstandsvorsitzender der Löhr-Gruppe. Zahlreiche Grundstücks- und Immobilienangebote wurden geprüft – mitten im Herzen von Mainz und in der Peripherie der Stadt. Persys Wunsch: „Wir wollten in der Nähe von anderen Premiummarken wie Mercedes-Benz und BMW sein.“

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Der Vorstandsvorsitzende hatte Erfolg: Löhr & Becker entschied sich 2007 für den 50.000 Quadratmeter großen Standort an der Hechtsheimer Straße – nicht weit von seinen Mitbewerbern und nur 1.500 Meter vom Stadtkern entfernt. Am 17. Dezember 2008 legten die Bauherren dann den Grundstein für das erste Objekt. Von September 2009 bis April 1010 entstanden an der Löhr-Automeile vier markenexklusive Autohäuser: zuerst der Porsche- und Toyota-Betrieb, dann das Audi- und VW-Zentrum. Rund 30 Millionen Euro investierte der Bauherr in Gebäude, Grundstück und Betriebsaustattungen.

Positive Bilanzeffekte und finanzielle Freiräume

Finanzpartner der Löhr-Gruppe ist die DAL Deutsche Anlagen-Leasing GmbH & Co. KG. Mit ihr haben die Autohausbetreiber einen Immobilien-Leasingvertrag abgeschlossen – mit einer Laufzeit von 20 Jahren und einem fest definierten Restwert. Möchte Löhr & Becker das Objekt nach der ersten Mietperiode nicht kaufen, verlängert sich die Laufzeit um weitere zehn Jahre. „Das Finanzierungsmodell bietet uns viele positive Bilanzeffekte und entsprechende Freiräume“, erläutert Persy. Dies sei aber nur möglich, wenn man mit seinem Finanzpartner ein schlüssiges Konzept erarbeite, fügt der Vorstandsvorsitzende hinzu.

„Unser Kunde ist zwar nicht Eigentümer der Immobilie. In einer bis zu 30-jährigen Partnerschaft kann er sich aber eigentümerähnlich verhalten“, erklärt DAL-Geschäftsführer Kai A. Eberhard. So sei Löhr & Becker als Leasingnehmer jederzeit dazu berechtigt, die Autohäuser umzubauen, zu erweitern oder unterzuvermieten. Somit könne das Unternehmen auf Marktveränderungen schnell und flexibel reagieren. „Wir sind keine Immobiliensammler, sondern Autohausbetreiber. Dafür ist es nicht zwingend erforderlich, dass wir die Gebäude kaufen“, erläutert Persy die Sicht der Autohausgruppe.

Auf Seite 2: Projektsteuerung und Markenarchitektur

Die DAL Bautec, eine hundertprozentige Tochter der DAL, übernahm das Baumanagement sowie die Kosten-, Termin- und Qualitätskontrolle des Mainzer Projekts. „Wir sind der juristische Bauherr und Auftraggeber der Baumaßnahme. Unsere Leistung ist die klassische Projektsteuerung“, erläutert Holger Würk, Geschäftführer der DAL Bautec.

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In zehnmonatiger Bauzeit und nach den strengen Richtlinien der Automobilhersteller entstanden Ende 2009 im nördlichen Bauabschnitt der Automeile das Porsche-Zentrum und das Toyota-Autohaus. Charakteristisch für beide Architekturkonzepte sind die transparenten Räume und silberfarbenen Gebäudehüllen mit ihren großflächigen Glasfronten. „Ein Autohaus ist ein lebendes Unternehmen, das funktionieren muss“, beschreibt der Vorstandsvorsitzende der Löhr-Gruppe die Markenarchitektur. Dies gilt besonders für die Modulbauweise von Volkswagen und den Audi-Terminal. Denn beide Architekturkonzepte lassen sich je nach Platzsituation des Grundstücks und den Bedürfnissen der Bauherren gestalten – ohne dass der unverwechselbare Markenauftritt verloren geht.

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Markenarchitektur nach Herstellervorgaben umgesetzt

Besonders auffällig ist die weiße Farbe der Volkswagen-CI. Sie umrahmt die Eingangsbereiche des VW-Autohauses und betont die Empfangstheke sowie das Mobiliar im Innenraum. Die Fahrzeugpräsentation im Volkswagen-Zentrum ist offen, übersichtlich und großzügig angelegt. Für jedes Exponat haben die Planer eine Fläche von 30 Quadratmeter vorgesehen. Helle Keramikfliesen und hölzerne Podestflächen im Zubehörshop und Kundenwartebereich gehören ebenso zum VW-Masterplan wie der blaue Schriftzug „Willkommen bei Volkswagen“ und der separate Auslieferungsplatz.

Zu den wohl markantesten architektonischen Merkmalen des Audi-Terminals zählen die geschlossene Fassade aus perforiertem Aluminiumblech und die „asymmetrische Kurve“ im Inneren des Gebäudes. „Mit ihren gekurvten Räumen und geneigten Wänden werden die Ausstellungsräume zum bestimmenden Element der Architektur“, heißt es im Baukonzept von Audi.

„Mithilfe unserer Baupartner haben wir die Marken-CI der Automobilhersteller punktgenau umgesetzt und in den letzten Jahren viel in unsere Autohäuser investiert. Jetzt konzentrieren wir uns auf das Geschäft – auf den Fahrzeugverkauf und Service“, resümiert Hans-Jürgen Persy.

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