Lust am Konsum steigt europaweit

Autor / Redakteur: Joachim von Maltzan / Joachim von Maltzan

Die Ausgabefreude der europäischen Konsumenten ist zuletzt deutlich gestiegen. Zugleich entscheiden sich die Kunden bewusster, weshalb auch das Leihen und Mieten interessanter werden.

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Europas Konsumenten haben wieder Lust am Kaufen. Allerdings kaufen sie bewusster und häufiger im Internet.
Europas Konsumenten haben wieder Lust am Kaufen. Allerdings kaufen sie bewusster und häufiger im Internet.
(Foto: ZDK)

2015 erholt sich der Konsum in Europa – zu diesem Ergebnis kommt das Europa Konsumbarometer 2015, eine repräsentative Verbraucherbefragung im Auftrag der Commerz Finanz. Danach beurteilen die europäischen Verbraucher die allgemeine Situation ihres Landes und ihre persönliche Situation positiver als im Vorjahr. Die deutschen Konsumenten vergeben dabei sogar Bestnoten. Sowohl die ökonomische Gesamtsituation als auch ihre persönliche Lage sehen die Deutschen positiver als der Durchschnitt der Europäer.

In neun von zwölf Ländern überwiegen die Ausgabenpläne die Sparabsichten. Ganz oben auf der Einkaufsliste stehen erneut Ausgaben für Reisen oder Freizeit, für Hausumbau- oder Renovierungsarbeiten sowie Elektrohaushaltsgeräte. „Die wirtschaftliche Situation der europäischen Verbraucher verbessert sich. Zwischen den Ländern gibt es jedoch erhebliche Unterschiede bei der Kaufkraft“, analysiert Dr. Anja Wenk, Bereichsleiterin Vertriebsmanagement der Commerz Finanz. „Insgesamt kaufen die Konsumenten überlegter ein. Dabei achten sie verstärkt auf Preis und Angebote. Gleichzeitig behalten sie Qualität und Herkunft der Waren im Blick.“

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Die Zahl der Spontankäufe hat in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen, 56 Prozent haben ihre Impulskäufe reduziert. Die Konsumenten vergleichen die Preise stärker (83 %) und warten auf spezielle Angebote (79 %). Allerdings ist für einen Kauf nicht allein der Preis das entscheidende Kriterium, auch die Qualität, Herkunft und Zusammensetzung der Produkte gewinnen an Relevanz. Zwei von drei Europäern interessieren sich stärker als vor fünf Jahren dafür, woher ein Produkt stammt (67 %) und wie umweltverträglich es ist (60 %).

Ein großer Wachstumsmarkt ist die Reisemobilität. Aktivitäten im Bereich Reisen und Freizeit belegen erneut den ersten Platz bei den Kaufabsichten der Europäer. Mit 60 Prozent ist die Reiselust der Deutschen überdurchschnittlich stark ausgeprägt (Europa: 54 %).

Hinsichtlich der Mobilität tendieren die Deutschen etwas stärker als der europäische Durchschnitt zum Auto. Während fünf Prozent der Europäer überlegen, in diesem Jahr ein Motorrad oder einen Motorroller zu kaufen, überlegen nur vier Prozent der Deutschen diesen Schritt. Dagegen stehen Überlegungen zu einem Neuwagen (13 %) oder Gebrauchtwagen (16 %) im Vergleich deutlich höher im Kurs.

Art des Einkaufens hat sich verändert

Fast jeder dritte Verbraucher (62 %) ist überzeugt, dass sich seine Art des Kaufens in den vergangenen fünf Jahren weiterentwickelt hat. Der sogenannte „kollaborative Konsum“ ist weiter auf dem Vormarsch. Produkte werden häufiger nicht mehr gekauft, sondern getauscht, geliehen oder gemietet. Mehr als jeder vierte Europäer gibt an, verstärkt auf gebrauchte Artikel zurückzugreifen (27 %). Verbraucher entdecken außerdem neue Konsumformen wie „Click & Collect“ oder Gruppenkäufe.

Dem Internet und mobilen Technologien kommt beim Konsum inzwischen eine wesentliche Bedeutung zu. Daraus resultieren neue Herausforderungen für die Händler. „Der stationäre Handel wird in Zukunft auf interaktive Konzepte zurückgreifen müssen, um den Gewohnheiten der Konsumenten zu entsprechen“, erklärt Dr. Susanne Wigger-Spintig, Professorin an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in München. „Nur wenn Offline- und Online-Handel zusammenwachsen, werden moderne Konsumbedürfnisse befriedigt.“

Über die Studie

Das Europa Konsumbarometer wird jährlich von der Commerz Finanz herausgegeben. Traditionell befasst sich die Studie mit dem Verbraucherverhalten in Europa sowie den Entwicklungen und Trends in verschiedenen Konsumgüterbranchen. Alle Untersuchungen und Prognosen wurden im November 2014 in Zusammenarbeit mit dem internationalen Marktforschungsunternehmen BIPE auf Basis einer Internetumfrage realisiert.

Die aktuelle Ausgabe richtet den Fokus auf die Auswirkungen der Krise seit 2009 und wie sich parallel dazu die Konsummuster der Europäer verändert haben. Zentrale Studienfrage: Welche Rolle spielt der Faktor Zeit beim Einkaufen? Die Verbraucher wurden nach der Bedeutung des Konsums und ihren Kaufgewohnheiten in den vergangenen fünf Jahren befragt. Einschätzungen der Konsumenten zu neuen Praktiken wie kollaborativer Konsum oder „Click & Collect“ sowie zu Serviceleistungen im stationären und onlinebasierten Handel runden die Studienergebnisse ab.

Die Studie basiert auf einer repräsentativen Befragung von mehr als 8.700 Europäern (über 18 Jahre) in den zwölf teilnehmenden Ländern: Belgien (BE), Deutschland (DE), Frankreich (FR), Großbritannien (GB), Italien (IT), Polen (PL), Portugal (PT), Rumänien (RO), Slowakei (SK), Spanien (ES), Tschechische Republik (CZ) und Ungarn (HU). Die Studie kann über www.markt-studie.de erworben werden.

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