Macht der WLTP Autos noch sparsamer?

Autor / Redakteur: Jan Rosenow / Jan Rosenow

Messungen des TÜV Süd ergeben beim neuen Testzyklus niedrigere Verbrauchswerte als beim NEFZ – dabei sollte es doch umgekehrt sein. Die Testvoraussetzungen werfen allerdings Fragen auf.

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Abgasmessung beim TÜV Süd: Die Herausforderung heißt WLTP.
Abgasmessung beim TÜV Süd: Die Herausforderung heißt WLTP.
(Foto: TÜV Süd)

Die Diskussion um das neue Fahrzeug-Testprocedere WLTP (Worldwide harmonized Light vehicles Test Procedure) reißt nicht ab. Gut zwei Jahre vor seiner Einführung im September 2017 befürchtet die Automobilindustrie, dass das neue Messverfahren ihr die von der EU verordnete Senkung der CO2-Emissionen vermasseln könnte. Schließlich soll der WLTP zu realitätsnäheren – und damit höheren – Normverbrauchsangaben bei Neufahrzeugen führen.

Eine Messreihe des TÜV Süd, die heute vorgestellt wurde, könnte nun geeignet sein, diese Befürchtungen zu zerstreuen. Sie zeigt, dass der zukünftige Zyklus durchaus niedrigere Verbrauchswerte ergeben kann anstatt höhere. Die Ingenieure testeten im Technologie- und Umweltzentrum Pfungstadt jeweils einen Diesel- und einen Otto-Pkw zuerst nach NEFZ (Neuer Europäischen Fahrzyklus) und dann nach WLTP. Das Ergebnis: Beim Diesel sank der Durchschnittsverbrauch von 7,18 auf 6,78 Liter, beim Otto sogar von 8,15 auf 7,37 Liter auf 100 Kilometer – ein Rückgang um rund zehn Prozent. Das klingt nach Entwarnung für die Autokonzerne und nach einer „Watsch'n“ für die UN-Arbeitsgruppe, die den neuen Zyklus über Jahre hinweg erarbeitet hat.

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Doch Vorsicht: Der Testablauf beim TÜV Süd wirft Fragen auf. Denn der NEFZ-Wert von über acht Litern, den die Experten für einen Mercedes C 180 CGI (Baureihe 204) ermittelt haben, liegt deutlich höher als die Mercedes-Werksangabe von 6,7 Litern für dieses Modell. Gemessen am offiziellen Homologationswert – und nur dieser kann ja als Vergleichsgrundlage dienen – führt der WLTP also tatsächlich zur vorausgesagten Erhöhung.

Die Randbedingungen müssen beachtet werden

Das Beispiel illustriert die Verwirrung, die in der Branche in Sachen WLTP herrscht. So führt eine Fokussierung auf den reinen Prüfstandsyklus schnell zu falschen Folgerungen – denn die Randbedingungen üben ebenfalls einen großen Einfluss aus. Und genau hier liegt der große Unterschied des WLTP zum heute gültigen NEFZ, der den Autoherstellern (zu) große Freiheiten bei der Vorbereitung der Testfahrzeuge gewährt.

Einen weiterführenden Beitrag zu diesem Thema lesen Sie in Ausgabe 16 von »kfz-betrieb«, die am 17. April erscheint.

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