Durchstarten 2021 „Man muss immer hellwach sein“

Autor: Silvia Lulei

Doris Fleischmann, Geschäftsführerin der Autohandelsgruppe Auto Bierschneider, bleibt gerne im Hintergrund – und hat dennoch alles im Blick.

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Doris Fleischmann legt Wert auf ein faires Miteinander – bei Mitarbeitern, Kunden und Partnern.
Doris Fleischmann legt Wert auf ein faires Miteinander – bei Mitarbeitern, Kunden und Partnern.
(Bild: Auto Bierschneider)

Redaktion: Wie würden Sie das allgemeine Stimmungsbild in Ihrem Unternehmen beschreiben?

Die Stimmung in unserer Firmengruppe ist durchaus positiv. 2020 war ein bewegtes Jahr. Sowohl unsere Mitarbeiter als auch unsere Führungskräfte sind froh, dass wir die unvorhersehbaren und unterschiedlichsten Herausforderungen so gut gemeistert haben und das Jahr mit einem sehr guten Ergebnis abschließen konnten.

Doris Fleischmann: Welche Herausforderungen treten in Ihrem Unternehmen in Zusammenhang mit der Coronakrise auf?

Die täglichen Herausforderungen sind sehr vielfältig. Jeder von uns ist enorm gefordert, um trotz Lockdown, Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen unsere Kunden bestens bedienen zu können. Wir Autohändler stehen direkt vor den Endkunden, müssen mit Zulassungsstellen, Herstellern und Ämtern kämpfen, die sich alle komfortabel – und meist leider schlecht organisiert – ins Homeoffice verabschieden und damit unseren Arbeitsaufwand und die Planungsorganisation nicht nur erhöhen, sondern auch sehr erschweren. Die größte Herausforderung für uns ist es, unsere Mitarbeiter so zu motivieren, dass sie gerne ihrer Arbeit nachgehen und unsere Kunden von diesem Mehraufwand so wenig wie möglich zu spüren bekommen.

Wie wirken sich diese Herausforderungen auf Ihre eigene Arbeit aus?

Ich selbst bin bestens organisiert, egal ob ich vor Ort in einer unserer Niederlassungen, in meinem Stammoffice in Mühlhausen oder im Homeoffice bin. Aber auch ich muss sehr daran arbeiten, dass mir meine positive Energie und Motivation nicht abhanden kommen. Denn trotz aller Restriktionen leben das Steuerrecht und die Steuergesetzgebung weiter. Es finden zum Beispiel Betriebsprüfungen seitens der Finanzämter und Hersteller statt, egal mit welchen Problemen wir vor Ort zu kämpfen haben. Diese zusätzlichen Arbeiten müssen trotz Quarantänevorschriften und Schutzmaßnahmen für unsere Mitarbeiter umgesetzt und erledigt werden.

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Zur Person
Doris Fleischmann (53)

leitet mit ihrem Mann Michael die Autohausgruppe Auto Bierschneider, die in Bayern und Baden-Württemberg 23 Filialen der Marken VW, VW Nutzfahrzeuge, Audi, Skoda, Seat, Cupra, Jaguar und Land Rover betreibt. Die Firmengruppe hat 1.100 Mitarbeiter und erzielt einen Jahresumsatz von 600 Millionen Euro. Doris Fleischmann ist die Tochter des Firmengründers Georg Bierschneider, der 1977 mit einer Kfz-Werkstatt den Grundstein für die Firmengruppe legte.

Welche Abläufe werden sich Ihrer Meinung nach mit der Coronakrise dauerhaft ändern?

Ich denke, dass sich Webkonferenzen, wie wir sie inzwischen täglich abhalten, dauerhaft etablieren werden. Der digitale Vertrieb von Neu- und Gebrauchtwagen über digitale Fahrzeugbörsen ist nicht mehr wegzudenken und wird sich noch weiter ausbauen. Auch Leasing- und Finanzierungsangebote sowie die komplette Vertragsabwicklung werden künftig hauptsächlich online und zu jeder Tageszeit stattfinden.

Was haben Sie aus der Krise gelernt?

Dass man sich nie auf Erfolgen ausruhen darf, sondern immer hellwach sein muss, um sein Unternehmen mit neuester Technik und Software auf dem aktuellen Stand zu halten. Ohne unsere digitalen Vertriebswege und unsere modern denkenden Mitarbeiter hätten wir diese Krise, die ja noch andauert, bis heute nicht so gut meistern können.

Fühlen Sie sich für die Zukunft gewappnet?

Da unsere Firmengruppe im Herzen Bayerns agiert und wir stellenweise sehr ländlich geprägt sind, haben wir schon sehr früh unseren Fahrzeughandel digitalisiert und uns modernste Logistik- und Vertriebskonzepte erarbeitet. Durch moderne Dealer-Management-Systeme und Softwarelösungen in allen Abteilungen gewinnen wir auch viele junge Menschen, die mit uns an unserer Zukunft arbeiten wollen. Darum fühle ich mich so gut wie möglich für die Zukunft gewappnet.

Wie würden Sie einem Einsteiger die Kfz-Branche schmackhaft machen?

Es gibt keine spannendere und abwechslungsreichere Branche als die unsere! Wo kann man schon neueste und innovativste Technik und Design sowie moderne Vertriebswege, kreatives Marketing und die Finanzwelt in einem Berufsbild erleben?

Welche persönlichen Worte möchten Sie Ihren Mitarbeitern mit auf den Weg geben?

Wir befinden uns in einer schnelllebigen Branche. Den Wandel und die Veränderung von Mobilität erleben wir hautnah. Dies bietet uns aber auch Chancen, die wir zusammen mit euch und eurer Hilfe ergreifen möchten.

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Durchstarten 2021
Gemeinsam aus der Krise

In dieser Interviewreihe geben unsere Leser*innen Einblicke in die Herausforderungen und Chancen der Corona-Pandemie. Sie verraten, was sie aus dem Krisenjahr 2020 gelernt haben. Sämtliche Interviews finden Sie unter www.kfz-betrieb.de/durchstarten.

(ID:47051944)

Über den Autor

 Silvia Lulei

Silvia Lulei

Chefredakteurin »Gebrauchtwagen Praxis«, Vogel Communications Group