E-Mobilität Marktgesetze sollen steilen Strompreisanstieg teilweise bremsen

Autor: Andreas Grimm

Lange galt der Ausbau der Lade-Infrastruktur als wenig lukrativ für die Anbieter. Jetzt verbreiten sich E-Autos rasant – und an der Stromtankstelle wird das Laden zunehmend teuer. Nun kommen die Gegenmaßnahmen in Fahrt .

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Die E-Mobilität findet derzeit viele Anhänger. Die Zahl der E-Autos steigt schnell und mit ihr der Strompreis an den öffentlichen Ladesäulen.
Die E-Mobilität findet derzeit viele Anhänger. Die Zahl der E-Autos steigt schnell und mit ihr der Strompreis an den öffentlichen Ladesäulen.
(Bild: EnbW)

Im Zuge der weiteren Verbreitung der Elektromobilität steigen die Preise für öffentliches Laden. Laut einer Einschätzung der Strategie- und Marketingberatung Simon-Kucher & Partners wird diese Entwicklung die breite Einführung eines „Dynamic Pricings“, also einer von der Nachfrage abhängigen Bepreisung, fördern.

Seit die E-Mobilität im Laufe des Jahres 2020 endgültig ihr Nischendasein verlassen hat, schlägt sich die höhere Nachfrage nach den Beobachtungen der Strategieberatung in steigenden Ladepreisen nieder. „Marktpreise für öffentliches Laden haben sich in 2020 in allen Leistungssegmenten um 30 bis 70 Prozent erhöht“, heißt es in einer Mitteilung von Simon-Kucher & Partners.

Aus Sicht der Berater lässt sich nicht ganz ausschließen, dass diese Preisentwicklung den Höhenflug der Elektromobilität bremsen könnte. Gleichzeitig komme nach und nach ein Mittel gegen konstant höhere Ladepreise auf, das „Dynamic Pricing“. Mit einer Preisgestaltung, die an Marktgegebenheiten wie Angebot und Nachfrage gekoppelt, experimentiert etwa Tesla. In Schweden kostet das Tanken an den Superchargern zwischen 13 und 18 Uhr bis zu 50 Prozent mehr als in den anderen Zeiten.

Laut der Beratung passe dieses Preismodell „perfekt zur Elektromobilität“. Es nütze einerseits den E-Mobil-Nutzern, die bei ausreichendem Stromangebot durch erneuerbare Energien zu günstigen Preisen tanken. Andererseits profitiert die Gesellschaft, wenn die Preissteuerung verhindert, dass Elektroautos zu Engpasszeiten beladen werden, in denen dann fossile Kraftwerke zur Abdeckung der Spitzenlast nötig wären.

Die günstigsten Preise ohne Vertragsbindung und Grundgebühr liegen bei den großen Anbietern heute bei 39 Cent pro Kilowattstunde (kWh) für Wechselstrom, 49 Cent/kWh für Gleichstrom und 59 Cent/kWh fürs Schnellladen. Im Hochgeschwindigkeitsladenetz Ionity fallen sogar Preise zwischen 0,79 und 1,09 Euro pro kWh an.

Gleichzeitig könne der klassische Preiswettbewerb wie an klassischen Tankstellen die Preisentwicklung zäumen. Dies gelte insbesondere, wenn vermehrt Schnellladeparks an Verkehrsmagistralen entstehen, die von verschiedenen Anbietern bedient werden. Ein Vorzeigeexemplar sei der Schnellladepark „Seed & Greet“ am Autobahnkreuz Hilden, wo nach Fertigstellung 40 Tesla Supercharger, 22 Fastned- und 52 AC-Ladepunkte vorhanden sein sollen.

Die Errichtung der Ladezentren wird staatlich unterstützt, bis zu 1.000 Hubs seien geplant. Diese Schnelllade-Hubs würden künftig einen wesentlichen Beitrag zu einer flächendeckenden Infrastruktur für E-Mobilität leisten, heißt es in einem Statement der Beratung. Gleichzeitig sei anzunehmen, dass ein starker Wettbewerb „die Ladepreise für E-Auto-Fahrer auf einem akzeptablen Niveau hält“.

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 Andreas Grimm

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Redakteur, Redaktion »kfz-betrieb«