Oldtimer-Rechtstipp „Matching Numbers“ und kein Ende

Autor Steffen Dominsky

Erneut durfte sich ein Gericht mit der Originalität bei Oldtimern befassen. Konkret ging es darum, ob die Karosserie eines Fahrzeugs auch ohne Karosserienummer dem bekannten Zustandsbegriff entspricht.

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Original oder noch originaler? Der Begriff „Matching Numbers“ befasst immer wieder auch Gerichte. „So wie aktuell das Langericht Stuttgart im Fall eines Mercedes-Benz 190 SL“, weiß Dr. jur. Götz Knoop, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Verkehrsrecht, zu berichten.
Original oder noch originaler? Der Begriff „Matching Numbers“ befasst immer wieder auch Gerichte. „So wie aktuell das Langericht Stuttgart im Fall eines Mercedes-Benz 190 SL“, weiß Dr. jur. Götz Knoop, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Verkehrsrecht, zu berichten.
(Bild: Knoop)

Lange Jahre war in der Oldtimerszene eine Frage reichlich umstritten: Was genau versteht man unter dem Begriff der „Matching Numbers“, welche Bauteile eines Fahrzeuges werden davon tatsächlich erfasst? Die Spannbreite der Auffassungen reichte von „Der Motor, sonst nichts“ bis zu „Alles das, was mit einer Nummer versehen ist“. Da dem Verwender der Bezeichnung „Matching Numbers“ freisteht, die Bezeichnung einzuschränken und beispielsweise mit „Matching Numbers Motor“ zu konkretisieren, liegt auf der Hand, dass unter der allgemeinen Bezeichnung „Matching Numbers“ nicht alleine der Motor zu verstehen ist.

Götz Knoop von der Rechtsanwaltskanzlei Knoop, Albers & Hanke hat sein Buch „Oldtimer Recht“ überarbeitet.
Götz Knoop von der Rechtsanwaltskanzlei Knoop, Albers & Hanke hat sein Buch „Oldtimer Recht“ überarbeitet.
(Bild: Privat)

Auf der anderen Seite leuchtet ein, dass bei einem viele Jahrzehnte alten Fahrzeug nicht jedes Teil, das eine verfolgbare Nummer trägt, uneingeschränkt die Zustandsbeschreibung „Matching Numbers“ erfüllen kann. Somit dürfte klar sein, dass im Fall „Matching Numbers“ die „Hauptkomponenten“ gemeint sind, die eben noch die Komponenten sein müssen, die der Hersteller bei der Produktion des Fahrzeugs einst verbaut hatte. „Dass nachträglich ausgetauschte Komponenten, in die man wieder die ursprüngliche Nummer eingeschlagen hat, nicht dem Kriterium ‚Matching numbers‘ entsprechen, haben wir durch das Urteil des LG Hamburg schon gelernt“, erklärt Dr. Götz Knoop, Fachanwalt Verkehrsrecht und Spezialist für Oldtimerrecht.

Ohne Nummer keine „Matching Numbers“

Diesem Urteil schließt sich nun ein weiteres Urteil an, nämlich das des Landgerichts Stuttgart. In dem dortigen Rechtsstreit ging es darum, ob die Karosserie eines Mercedes-Benz 190 SL, die bei dem konkreten Fahrzeug nicht mit einer Karosserienummer versehen war, noch dem Kriterium „Matching numbers“ entspricht. Denn grundsätzlich trugen 190-SL-Karosserien eine solche Karosserienummer. In dem Rechtsstreit griff das Gericht die Definition von Gundula Tutt auf. In ihrem Buch „Der automobile Fachwortschatz“ definiert die bekannte Oldtimer-Restauratorin „Matching numbers“ derart, dass hierunter auf jeden Fall jene Komponenten zu verstehen sind, die in der Auslieferungsbescheinigung mit einer Nummer genannt wurden.

„Da in der Auslieferungsbescheinigung des streitigen 190 SL die Karosserie mit Nummer genannt wurde, und sich das Landgericht Stuttgart dieser Auffassung anschloss, war es offensichtlich, dass der Benz in den Augen des Gericht das Kriterium ‚Matching Numbers‘ nicht erfüllte“, fasst Götz Knoop das Ergebnis der Verhandlung zusammen.

Allerdings ist das Urteil noch nicht rechtskräftig. Es bleibt abzuwarten, ob das Oberlandesgericht als nächsthöhere Instanz Gelegenheit bekommt, sich zu dem Themenkomplex zu äußern. Und wie es sich gegebenenfalls positioniert. Wir werden berichten...

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