Mautbefreiung von Gas-Lkw bis 2023

Bundestag genehmigt umstrittene Förderung

| Autor: dpa/gr

Erdgas treibt auch Nutzfahrzeuge an. Die müssen nun in Deutschland weiterhin keine Maut zahlen.
Erdgas treibt auch Nutzfahrzeuge an. Die müssen nun in Deutschland weiterhin keine Maut zahlen. (Foto: erdgas mobil)

Lastwagen, die Erdgas anstatt Diesel verbrennen, müssen bis 2023 keine Mautgebühren zahlen. Das hat der Bundestag vergangene Woche entschieden. Für die Transportunternehmen soll mit der Entscheidung vom 14. Mai der finanzielle Anreiz verlängert werden, ihre Lkw-Flotte auf klimafreundlichere Antriebe umzurüsten. Rein batterieelektrische Nutzfahrzeuge, Plug-in-Hybride und Brennstoffzellenfahrzeuge bleiben unbefristet komplett von der Lkw-Maut befreit.

Gegen die Förderung dieser Fahrzeuge regt sich nun Kritik. Die Zeiten, in denen Erdgas-Fahrzeuge einen signifikanten ökologischen Vorteil gegenüber Benzin-und Dieselfahrzeugen hatten, seien vorbei, schreibt die Denkfabrik Agora Verkehrswende. „Erdgasfahrzeuge waren mal gut, besonders was die Luftverschmutzung betrifft“, sagt der stellvertretende Direktor Günter Hörmandinger. „Aber mit dem Euro-VI-Standard beim Diesel ist das vorbei. Damit ist dieser Vorteil für die Luftqualität nicht mehr gegeben.“ Die Erdgas-Lkw bräuchten zudem eine separate Tankstelleninfrastruktur.

Das sieht der Importeursverband VDIK deutlich anders. Er betonte, Erdgas und Biomethan seien CO2-reduzierende Alternativen zum Diesel. Mit der Mautbefreiung schaffe der Bund nun Planungssicherheit für Transportunternehmer, die auf umweltfreundliche Gas-Lkw setzen. Nutzfahrzeuge mit Gasantrieb seien serienreif und verfügbar. Die entscheidende Perspektive für eine weitere Reduzierung von Treibhausgasemissionen sei aber erneuerbar erzeugtes Biomethan. „Es kann fossilem Gas ohne Mengenbeschränkung beigemischt werden. Reines Bio-Methan ermöglicht sogar CO2-Einsparungen von bis zu 90 Prozent“, sagte VDIK-Präsident Reinhard Zirpel. Schon heute erreicht Biogas in Europa einen Anteil von 17 Prozent des gesamten im Verkehr als Kraftstoff verwendeten Gases.

Auch der Verband Zukunft Erdgas begrüßte die Entscheidung als „wichtigen Impuls, nach jahrzehntelanger Stagnation endlich praxisnahe Klimaschutzmaßnahmen im Güterverkehr umzusetzen“.

Schienenverkehr fühlt sich übergangen

Grundsätzlich positiv sieht der Deutsche Verband Flüssiggas e. V. (DVFG) die Förderungsentscheidung. Allerdings stelle es ein Versäumnis dar, „dass mit Flüssiggas (LPG) betriebene Nutzfahrzeuge dabei nicht mit in die Kraftstoffstrategie aufgenommen wurden“. Flüssiggas (LPG) könne im Vergleich zu verflüssigtem Erdgas (LNG) mit einem höheren Potenzial zur Minderung von Treibhausgasen aufwarten. Die Kraftstoffstrategie der Bundesregierung sei an dieser Stelle daher umweltpolitisch nicht konsistent, schreibt der DVFG.

Vom ohnehin angeschlagenen Schienen-Güterverkehr kam in den vergangenen Tagen die lauteste Kritik. Er sieht sich im Wettbewerb mit der Straße vernachlässigt. „Die Mautbefreiung lässt sich nicht mit dem Ziel der Förderung umweltfreundlicher alternativer Kraftstoffe rechtfertigen“, teilte der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen mit.

Auch das Netzwerk Europäischer Eisenbahnen (NEE), in dem vor allem die Konkurrenz der Deutschen Bahn organisiert ist, versuchte, die Maßnahme zu verhindern: NEE-Hauptgeschäftsführer Peter Westenberger fürchtet, dass dadurch „heute deutlich klimafreundlicher auf der Schiene abgewickelte Transporte auf die Autobahn zurück verlagert würden“. Die mit der Mautbefreiung verbundene „Subvention von über 800 Millionen Euro in den kommenden drei Jahren“ widerspreche dem Ziel, mehr Verkehr auf die Schiene zu verlagern.

Seit 2019 sind Lastwagen, die Erdgas in flüssiger (LNG) oder komprimierter (CNG) Form tanken, von der Maut befreit. Schwere Fahrzeuge mit mehr als vier Achsen sparen seither 18,7 Cent pro Kilometer verglichen mit einem gleich großen Fahrzeug, das über den neuesten Euro-VI-Diesel-Antrieb verfügt. Trotzdem hat die Förderung bislang nicht dazu geführt, dass die Spediteure im großen Stil auf Erdgas setzen.

Geringe Relevanz im Markt

„Zum 31. Januar 2019 hatte das Bundesamt für Güterverkehr (BAG) in Köln unseres Wissens 184 schwere CNG-Lkw und 656 schwere LNG-Lkw gefördert“, teilte der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) auf Anfrage mit. „Bei rund 800.000 in- und ausländischen Brummis, die in Deutschland unterwegs sind, werden wir uns hier auch noch längere Zeit im Promille-Bereich bewegen“, schätzt BGL-Vorstandssprecher Dirk Engelhardt. „Der Untergang der Bahn steht weder unmittelbar noch mittelbar bevor.“

Über die Frage, wie groß der Klima-Vorteil von LNG-Lastwagen ist, wird hitzig gestritten. Eine aktuelle Studie des Ökoinstituts mit dem Internationalen Rat für sauberen Verkehr (ICCT) bestätigt die VDIK-Aussage, dass abhängig von der Antriebstechnologie mit Erdgas bis zu knapp 20 Prozent CO2 im Vergleich zu Diesel-Motoren eingespart werden kann. Rechnet man allerdings Produktion und Transport des Gases mit ein, sinkt der Vorteil demnach auf 7 bis 9 Prozent. „Da ist jeder ökologische Kompass verloren gegangen“, kritisiert daher Christian Böttger von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin.

Das Umweltbundesamt, das die Studie in Auftrag gegeben hatte, wirbt statt der Maut-Befreiung für Erdgas-Lkw für eine CO2-Komponente in der Lkw-Maut. E-Lastwagen, die batterieelektrisch oder über Oberleitungen betrieben würden, sollten aus Sicht des Amts von der Maut ausgenommen werden, weil sie eine „echte klimaschonende Alternative“ zum Diesel-Lkw seien.

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