»kfz-betrieb« Auto-Check Maxus Deliver 9 – Chinesischer Kasten

Autor: Andreas Wehner

Der Transportermarkt ist umkämpft. Mit Maxus beteiligt sich seit Kurzem auch ein chinesischer Anbieter am Wettbewerb um die Kunden. Wir haben die Dieselvariante des Sprinter-Konkurrenten Deliver 9, den es aktuell nur als Kastenwagen gibt, unter die Lupe genommen.

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Der Maxus Deliver 9 ist seit dem vergangenen Jahr in Deutschland auf dem Markt.
Der Maxus Deliver 9 ist seit dem vergangenen Jahr in Deutschland auf dem Markt.
(Bild: Wehner)

Nicht nur auf dem Pkw-Markt sind inzwischen chinesische Fahrzeuge in Deutschland erhältlich. Mit Maxus macht sich auch ein Transporterhersteller aus China daran, den etablierten Herstellern Konkurrenz zu machen. Das Fabrikat gehört – wie übrigens auch die Pkw-Marke MG – zum SAIC-Konzern, dem größten Autobauer Chinas. Das Unternehmen will vor allem mit Elektrotransportern punkten, bietet aber mit dem Deliver 9 auch einen Diesel an. Der rollte im Sommer bei »kfz-betrieb« auf den Hof – in der Ausstattungsvariante „Luxury“, also mit allem, was die Preisliste hergibt.

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Die Fahrerkabine macht auf den ersten Blick einen guten Eindruck. Sie wirkt modern und hochwertig. Alles ist an seinem Platz. Der bequeme Fahrersitz ist achtfach verstellbar, das Lenkrad allerdings nur in der Neigung, nicht in der Länge. Ergonomisch ebenfalls ungünstig: Die Ablage für den linken Fuß ist ziemlich weit hinten, sodass man das Knie relativ stark anwinkeln muss, wenn man die Kupplung beispielsweise auf der Autobahn länger nicht betätigt.

An der Leistung des 118,5 kW/161 PS starken Diesels gibt es nichts zu mäkeln. Der kommt auch mit einem beladenen Auto gut zurecht. Allerdings ist der Motor sehr kurz übersetzt. Das treibt den Verbrauch in die Höhe: Während der Testfahrten lag er auf der Autobahn bei über zwölf Liter Diesel auf 100 Kilometern. Insgesamt ist der Maxus nicht unbedingt sparsam. Laut Datenblatt braucht er kombiniert 9,7 Liter auf 100 Kilometern.

An Bord sind verschiedene Helfer. Neben dem automatischen Notbremssystem und einem Kollisionswarner gibt es einen Spurverlassenswarner, einen Spurwechselassistenten und einen Totwinkelassistenten. Praktisch ist auch die Einparkhilfe mit Rückfahrkamera.

Elektronikschwächen

Deren Bild erscheint auf dem zehn Zoll großen Touchscreen, über den auch das Infotainment-System des Deliver 9 bedient wird. Und das ist leider eine Schwäche des Maxus. Das hätte man aus China besser erwartet. Die Menüs sind teilweise unlogisch aufgebaut, wesentliche Funktionen muss man richtiggehend suchen – wie zum Beispiel die Möglichkeit zur Verbindung des Smartphones per Apple Carplay oder Android Auto. Hat man sie gefunden, klappt das aber gut – und ist auch wichtig. Ein Navigationssystem gibt es für den Deliver 9 nämlich nicht. Da ist es hilfreich, wenn man auf sein Smartphone zurückgreifen kann. Das ist auch zu empfehlen, wenn man Musik hören möchte. Gewohnte Radio-Standards wie RDS oder gar DAB+ fehlen. Die Sendersuche per UKW ist mühsam – auch weil der Empfang eher bescheiden zu sein scheint.

Insgesamt wirkt das alles unausgereift. Oder, als ob es möglichst schnell für Europa angepasst werden sollte – und dann keiner mehr Zeit hatte, noch mal zu prüfen, ob auch alles passt. So begegnen einem gelegentlich auch schlecht übersetzte Hinweise im Bordcomputer. Irritierend war auch der regelmäßig aufploppende Hinweis auf einen „kleinen E-Call-Fehler“, verbunden mit dem Ratschlag, im (englischsprachigen) Handbuch nachzusehen. Das haben wir gemacht – und nichts gefunden.

Günstiger Listenpreis

All das sind Dinge, die manche Nutzer sicher verschmerzen können – vor allem, wenn man den Listenpreis des Maxus Deliver 9 beispielsweise mit der Konkurrenz aus Stuttgart oder Köln vergleicht. So kostet der Chinese in Vollausstattung 32.990 Euro netto. Ein ähnlich großer, vergleichbar motorisierter Mercedes Sprinter oder ein Ford Transit stehen mit Grundausstattung für fast 10.000 Euro mehr in der Liste – und zwar ohne Radio, Navi und andere Helferlein. Mit dem Deliver 9 sind vor allem Kunden gut bedient, die in erster Linie ein günstiges Auto haben wollen, ohne damit regelmäßig weite Strecken zurückzulegen. Das gilt zum Beispiel für Handwerker oder kommunale Betriebe.

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 Andreas Wehner

Andreas Wehner

Redakteur Newsdesk Automotive