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Mazda MX-5: Sonnenschein

Autor / Redakteur: Bernd Reich / Martina Eicher

»Gebrauchtwagen Praxis« Kaufberatung: Der MX-5 überzeugt qualitativ und emotional. Auch gebraucht macht der Sportwagen fast nur Freude.

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Die dritte Generation des japanischen Roadsters bietet pure automobile Emotion.
Die dritte Generation des japanischen Roadsters bietet pure automobile Emotion.
(Bild: Mazda)

Japanische Automobilhersteller gelten als pragmatisch. Die Autos sind gut und praktisch, bieten ausgefeilte Technik zu fairen Preisen. Nur das Design ist zuweilen wenig aufregend. Doch: Im Januar 1989 gelang Mazda mit der Präsentation des ersten MX-5 ein nicht für möglich gehaltener Coup. Der Hersteller belebte damit nicht nur eine verschollen geglaubte Spezies, sondern wurde von einer Nachfragewelle regelrecht überrollt. Ausgerechnet aus dem als bieder verschrienen Automobilland Japan kam ein Roadster, wie ihn MG, Triumph, Lotus, Fiat und all die anderen Europäer schon aufgegeben hatten. Nur Alfa Romeo war noch mit dem Spider am Markt.

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Und die Japaner machten von Anfang an alles richtig: Der MX-5 begeisterte mit seiner schnörkellosen Linie Designliebhaber. Mit dem Augenaufschlag seiner Klappscheinwerfer eroberte er die Herzen. Dazu kam ein technisches Konzept, welches dem offenen Mazda genau die Dynamik verlieh, die die Optik versprach. Trotz moderater Motorleistungen entpuppte sich der MX-5 dank einer ausgeglichenen Gewichtsverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse als Kurvenräuber erster Güte. Der Preis war angemessen: Billig war der MX-5 nie, aber er bot einen fairen Gegenwert in Form von jeder Menge Fahrspaß. Nur bei den praktischen Eigenschaften musste der Käufer beide Augen zudrücken. Groß gewachsene Fahrer haben auch heute an dem Roadster keine Freude, und wer einen Blick in den Kofferraum wirft, der geht lieber mit leichtem Gepäck auf Reisen.

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Statement der DAT
Statement der DAT

Auf dem Gebrauchtwagenmarkt spielt die Vorgängergeneration (2005-2015, Facelift 2008) die größere Rolle als das aktuelle Modell. Erhältlich ist sie mit Soft- oder Hardtop und zwei Motorvarianten (126 und 160 PS). Unter anderem dank Klarglas-Scheinwerfern und -Rückleuchten wirkt sie auch heute noch nicht veraltet. Das Marktangebot reicht von reinen Sommer- und Wochenendautos mit geringer bis zu Ganzjahresfahrzeugen mit entsprechend hoher Laufleistung. Insgesamt gilt: Der MX-5 ist ein Liebhaberauto, überdurchschnittlich wertstabil und gefragt (dritte MX-5-Generation: durchschnittlich nur 33 Standtage).

Mazda ist für seinen Mut zur Entwicklung des MX-5 reichlich belohnt worden. Er wurde als Kleinserienfahrzeug vorwiegend für den kalifornischen Markt entwickelt und hat sich in den vergangenen fast drei Jahrzehnten mehr als eine Million Mal verkauft. Man muss es den Japanern zugute halten, dass sie es geschafft haben, die schlichte Idee des Modells über alle bisher vier Generationen zu erhalten. Der MX-5 ist im Lauf der Jahre größer und komfortabler geworden, doch seine Grundtugenden blieben erhalten. Nach der ersten Generation (NA) kam 1997 die zweite (NB) und 2005 die dritte Generation (NC) auf den Markt. 2015 wurde das aktuelle Modell (ND) präsentiert.

Aufgrund ihrer langen Bauzeit von 2005 bis 2015 ist die dritte Generation auf dem Gebrauchtwagenmarkt besonders interessant. Der knapp vier Meter lange und leer bis zu 1.165 Kilogramm schwere Roadster legte gegenüber der Baureihe NB um 100 Kilogramm zu. Mazda hat vor allem in die Sicherheitstechnik des MX-5 investiert. So ist er mit ESP (heißt hier DSC), Traktionskontrollsystem sowie Seiten- und Kopf-Schulter-Airbags ausgestattet. Die 2,0-Liter-Version ist zusätzlich mit einem Sperrdifferenzial an der Hinterachse ausgerüstet.

Mazda MX-5: Sondermodelle

Neben dem 160 PS starken Zweilitermotor steht auch ein 1,8-Liter mit 126 PS zur Verfügung. Während der kleinere Motor stets an das Fünfganggetriebe gekoppelt ist, wurde der 2,0-Liter-Motor ab 2008 mit Sechsganggetriebe und ab 2013 mit Automatik geliefert. Der kleinere Motor genügt bereits für flotte Fahrleistungen, aber mehr Dampf bietet der 2,0-Liter-Motor. Ein Blick in die technischen Daten untermauert eine kleine Schwäche der Motoren, denn beide erreichen ihr maximales Drehmoment erst jenseits von 4.500 Umdrehungen pro Minute. Die beiden Sauger sind daher im unteren Drehzahlbereich etwas träge und erfordern für flottes Fahren hohe Drehzahlen. Zum Charakter eines Roadsters passt das allerdings bestens. Was den MX-5 zu einem Sportwagen macht, ist vor allem die harmonische Abstimmung. So bietet er eine gute Fahrwerksabstimmung, eine direkte Lenkung, ein gut abgestuftes Getriebe und standfeste Bremsen. Dazu kommt die verwindungssteife Karosserie. Der offene Japaner ist kein Rennwagen, aber er lässt sich mit viel Genuss und Dynamik bewegen. Beim Dach gibt es eine Alternative: Statt der Version mit Faltverdeck ist auch eine Version mit einem Kunststoff-Klappdach erhältlich.

Ergänzendes zum Thema
Modellhistorie
Modellhistorie
  • 2005  Markteinführung Typ NC
  • 2006  Zusätzliche Variante mit GFK-Klappdach
  •  2008  Facelift mit technischer Überarbeitung von Motor und Fahrwerk
  • 2012  Facelift mit Verbesserung des Fußgängerschutzes

Etwas ungewöhnlich ist das Angebot an Sondermodellen. So wurde die dritte Auflage des MX-5 2005 mit dem Sondermodell „3rd Generation“ eingeführt. Ein Jahr später folgte eine Edition namens „Black & White“. Ebenfalls 2006 wurde das Sondermodell „Mithra“ angeboten; 2008 die Version „Niseko“. 2010 wurde zum Jubiläum der Baureihe die Edition Namens „20th Anniversary“ präsentiert. Wie üblich unterscheiden sich die Sondermodelle von der Basis hauptsächlich durch optische Elemente, zusätzliche Ausstattungsdetails und andere Räder. Ab dem Modelljahr 2008 – damals wurde ein kleines Facelift umgesetzt – konnten sich die Kunden zwischen den Ausstattungslinien „Center-Line“ und „Sports-Line“ entscheiden. Die Ausstattung wurde verfeinert, und manche Optionen wurden in Paketen zusammengefasst.

Punkten kann der MX-5 nicht nur beim Fahrspaß, sondern auch bei der Qualität. Die dritte Generation überzeugt mit standfester Technik und solider Verarbeitung. Lediglich der Rostschutz von Türen und Hauben könnte besser sein; hier fallen immer mal wieder gammelige Kanten und Falze auf. Auch bei der Beleuchtung vorn bekleckert sich der Mazda nicht mit Ruhm.

Allerdings ist das Klagen auf hohem Niveau. Der MX-5 gilt ansonsten als vorbildlich und hat aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Das zeigt sich auch in einem geringen Wertverlust. Bei der Hereinnahme eines MX-5 sollte die Werkstatt in jedem Fall die Karosserie auf Korrosionsschäden und Steinschläge prüfen; ebenso das Fahrwerk. Bremsen und Aufhängungen haben bei Mazdas Roadster zuweilen ein hartes Leben, wenn der Fahrer es mit der Dynamik etwas übertreibt.

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