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Medien: WLTP-Debakel kostet Volkswagen weit mehr als bislang bekannt

Autor / Redakteur: dpa / Christoph Seyerlein

Noch immer leiden einzelne Marken aus dem Volkswagen-Konzern unter Verzögerungen durch das WLTP-Verfahren. Das kostet Geld. Der Autobauer selbst spricht bislang von einer Milliarde Euro an Sonderbelastungen. Einem Medienbericht zufolge soll es aber deutlich mehr sein.

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Laut „Spiegel“ konnte Volkswagen wegen der Probleme mit dem neuen Abgas-Testverfahren rund eine Million Fahrzeuge nicht wie geplant verkaufen.
Laut „Spiegel“ konnte Volkswagen wegen der Probleme mit dem neuen Abgas-Testverfahren rund eine Million Fahrzeuge nicht wie geplant verkaufen.
(Bild: Volkswagen)

Die Probleme um den neuen Abgas- und Verbrauchstest WLTP sollen Volkswagen laut einem Pressebericht deutlich mehr gekostet haben als bislang bekannt. Der Konzern habe im vergangenen Jahr wegen Lieferverzögerungen und Rabatten Ergebniseinbußen von 3,6 Milliarden Euro hinnehmen müssen, berichtete der „Spiegel“ unter Berufung auf interne Berechnungen der Arbeitnehmerseite.

Volkswagen-Finanzchef Frank Witter hatte das Ausmaß der Kosten stets mit über einer Milliarde Euro beziffert. Das Unternehmen wollte den Bericht des Magazins nicht kommentieren.

Rund eine Million Fahrzeuge hätten nicht wie geplant verkauft werden können, schreibt das Blatt. VW hatte im vergangenen Jahr viele Modelle zeitweise nicht anbieten können, weil die Zertifizierung nach dem seit September geltenden neuen Abgas- und Verbrauchstest fehlte.

800.000 betroffene Fahrzeuge seien zwar ausgeliefert worden, aber entweder verspätet oder durch Lieferung anderer Fahrzeuge mit kräftigen Rabatten. 200.000 Autos hätten gar nicht an Kunden geliefert werden können. Die Wirrungen rund um den Stichtag 1. September hatten weite Teile des Automarkts in der EU durcheinandergewirbelt und die gesamte Autoproduktion spürbar belastet. Auch andere Autobauer wie Mercedes-Benz hatten Probleme mit den neuen Vorgaben.

Osterloh fordert Konsequenzen für Manager

Aktuell droht in Wolfsburg ein neuer Streit aufzuziehen. Wie das „Handelsblatt“ vor dem Wochenende unter Berufung auf Konzernkreise berichtet hatte, plant das VW-Management bei der Kernmarke bis 2023 weitere 5.000 Stellen zu streichen, um Milliarden einzusparen. Betriebsratschef Bernd Osterloh forderte hingegen in der „Braunschweiger Zeitung“ personelle Konsequenzen wegen Managementfehlern. „Es kann nicht sein, dass hier Milliarden versenkt werden und das bleibt ohne Folgen“, sagte er dem Blatt. Der Vorstand gehe in Verwaltungsfunktionen von einem Abbau von 5.000 bis 7.000 Stellen aus. Darüber müsse aber verhandelt werden, so Osterloh.

Auf der Automesse in Genf hatte der Sprecher der Eigentümerfamilien und Volkswagen-Aufsichtsratsmitglied Wolfgang Porsche Anfang der Woche die „Verkrustungen“ in Wolfsburg gerügt und insbesondere den Betriebsrat damit scharf attackiert. Vor allem die Kernmarke VW Pkw und die Premiumtochter Audi hätten Speck angesetzt und müssten schlanker werden.

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