Mehrwertsteuersenkung: Mehr Ärger als „Wumms“ in Autohäusern

Autor: Doris Pfaff

Bislang ist von einer positiven Wirkung der gesenkten Mehrwertsteuer im Autohandel nichts zu spüren. Eher das Gegenteil sei der Fall, so das Ergebnis einer Blitzumfrage des Kfz-Gewerbes Baden-Württemberg. Der Landesverband fordert von der Bundesregierung eine Reaktion.

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Carsten Beuß, Hauptgeschäftsführer des Verbands des Kfz-Gewerbes in Baden-Württemberg, fordert eine längere Mehrwertsteuersenkung.
Carsten Beuß, Hauptgeschäftsführer des Verbands des Kfz-Gewerbes in Baden-Württemberg, fordert eine längere Mehrwertsteuersenkung.
(Foto: Baeuchle)

„Zwei Drittel aller Autohäuser spüren keinen Wumms durch die Mehrwertsteuersenkung, sondern haben allenfalls Ärger damit“, fasst Carsten Beuß, Hauptgeschäftsführer des Verbands des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg, das Ergebnis einer Blitzumfrage unter seinen Mitgliedsbetrieben zusammen. 67,5 Prozent spürten keinen Aufschwung durch die Steuersenkung, nur 5,6 Prozent meldeten mehr Aufträge.

„16,3 Prozent merken aber den Haken an der Sache. Bei denen drängen die Kunden auf Lieferung vor dem 31.12.2020, wenn die Senkung ausläuft", sagt Beuß. Aber vor allem Wunschmodelle dauerten. Die Lieferzeiten seien sehr lang, sodass eine Fahrzeugübergabe bis Dezember bei manchen Modellen unsicher sei, insbesondere bei stark nachgefragten. Und: Probleme gebe es auch mit Sparfüchsen. „Aufträge aus dem Juni wurden verschoben auf Juli", erklärten Händler.

Unterm Strich mache die vorübergehende Senkung der Mehrwertsteuer aktuell viel Arbeit, bringe aber keine Umsatzsteigerung. Vier Fünftel der Betriebe bewerten laut Umfrage die Maßnahme eher als wirkungslos: Knapp 80 Prozent rechneten nicht damit, dass die Zahl der Aufträge und damit der Umsatz bis Jahresende steige. Nur knapp sechs Prozent gaben an, mehr Aufträge zu erhalten.

Die Steuersenkung geben nahezu alle Betriebe an die Kunden weiter. Drei Prozent wollen die gleichen Bruttopreise wie bisher verlangen und den Mehrbehalt als Liquiditätshilfe verstehen.

„Kritik richtet sich vor allem gegen den technischen Aufwand“, so Beuß. Allerdings existierten es auch Unterschiede. Einige Betriebe meldeten, keine technischen Probleme mit der Umstellung zu haben.

Jahresende wird stressig durch Umstellung und Kundenansturm

Insgesamt würden Skepsis und Kritik überwiegen, ist Beuß' Eindruck. Vor allem mache die kurze Dauer der Steuersenkung für sechs Monate den Betrieben zu schaffen. Denn: Daueraufträge, Miet- und Leasingverträge müssen jetzt umgestellt werden und zum 31.12.2020 erneut.

Und der Verbandsgeschäftsführer fürchtet: „Nach Weihnachten wird vier Tage lang Heulen und Zähneklappern herrschen, wenn die Leute von Montag (28. Dezember) bis Donnerstag (Silvester) in den Autohäusern stehen und auf die Auslieferung ihres bestellten Fahrzeuges pochen und die Zulassungsstellen gestürmt werden.“ Deswegen fordere der Verband eine Verlängerung. „Wir brauchen dringend eine klare Ansage der Bundesregierung, dass die Mehrwertsteuersenkung mindestens bis Mitte 2021 verlängert wird. Nur dann vermeiden wir ein Riesendurcheinander und bringen vielleicht doch noch einen gewissen konjunkturellen Wumms ins Autohaus, weil das den Privatkundenmarkt stärker ankurbeln könnte,“ sagt Beuß.

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 Doris Pfaff

Doris Pfaff

Redakteurin bei »kfz-betrieb«, Ressort Verbände & Politik