Meldepflicht ausgesetzt: Kfz-Insolvenzen sinken weiter

Autor: Viktoria Hahn

Der Bund hat für Betriebe, deren Zahlungsunfähigkeit mit der Corona-Krise zusammenhängt, die Insolvenzantragspflicht ausgesetzt. Das schlägt sich wohl auch in einer aktuellen Auswertung des Statistischen Bundesamtes nieder: Im Mai ist es gemessen am Vorjahresmonat zu 15,9 Prozent weniger Insolvenzen gekommen.

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Das Statistische Bundesamt hat die aktuellen Zahlen zu den Unternehmensinsolvenzen in Deutschland veröffentlicht.
Das Statistische Bundesamt hat die aktuellen Zahlen zu den Unternehmensinsolvenzen in Deutschland veröffentlicht.
(Foto: Rehberg / »kfz-betrieb«)

Da der Bund Corona-bedingt rückwirkend zum 1. März die Insolvenzantragspflicht ausgesetzt hat, ist die Zahl der Anträge im Kfz-Gewerbe im Mai weiter rückläufig gewesen. Wie aus den am Montag veröffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) hervorgeht, meldeten sich innerhalb der Branche 53 Betriebe zahlungsunfähig – das sind 10 Unternehmen und damit 15,9 Prozent weniger als im Vorjahr.

Davon wurden 13 Verfahren tatsächlich eröffnet und 7 mangels Masse abgewiesen. Während sich die Forderungen der Gläubiger voraussichtlich auf 649,9 Millionen Euro belaufen, müssen 3.399 Arbeitnehmer um ihre Jobs bangen.

Damit ist in der Gesamtbetrachtung der ersten fünf Monate dieses Jahres die Zahl der Kfz-Pleiten gegenüber 2019 leicht geschrumpft. 268 Verfahren bedeuten einen Rückgang um 4 Fälle im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (- 1,5 %). Zwischen Januar und Mai entwickelte sich die Situation in der Kfz-Branche damit dennoch schlechter als in der deutschen Gesamtwirtschaft: Über alle Branchen hinweg sank die Zahl der Pleiten gegenüber dem Vorjahr in diesem Zeitraum um 6,9 Prozent.

Kfz-Branche schneidet besser ab als die Gesamtwirtschaft

Im Mai verzeichnete die Gesamtwirtschaft jedoch einen Rückgang an Insolvenzverfahren um 9,9 Prozent, im Einzelmonat hat die Kfz-Branche mit einem Minus von 15,9 Prozent also wesentlich besser abgeschnitten.

Die „positiven“ Mai-Zahlen lassen sich wohl vor allem auf die Entwicklung der Werkstätten zurückführen: 10 Betriebe stellten einen Insolvenzantrag, 20 weniger als im Vorjahresmonat (-69,0 %). Im Handel ging 20 Unternehmen das Geld aus, im Mai 2019 waren es noch 22 gewesen (-9,1 %).

Negative Entwicklung im Teilehandel

Eine negative Entwicklung zeigte hingegen der Teilehandel mit 13 Pleiten und damit immerhin sechs Fällen mehr als im Vorjahresmonat (+85,7 %). Ebenfalls schlechter als im Jahr zuvor ging es den Autowaschanlagen: Während im Mai 2019 kein Unternehmen Pleite ging, gab es ein Jahr später fünf Insolvenzen zu vermelden.

Unter den Lackierereien gab es im Mai drei zahlungsunfähige Betriebe, vor einem Jahr waren es zwei gewesen. Bei den Zweiradbetrieben waren – genau wie im Vorjahr – zwei Betriebe insolvent.

Kritik am Vorgehen des Gesetzgebers

Neben den aktuellen Insolvenzzahlen für den Mai hat das Statistische Bundesamt ebenfalls seine Prognose für den Juli 2020 veröffentlicht: Demnach verstärke sich der rückläufige Trend bei den Insolvenzverfahren weiter, es ist von einem Minus von etwa 30 Prozent die Rede. Der Gesetzgeber sei damit in seinem Bemühen um die Vermeidung einer Insolvenzwelle zu weit gegangen.

Dieser Meinung ist auch Christoph Niering, Insolvenzverwalter und Vorsitzender des Berufsverbandes der Insolvenzverwalter Deutschlands (VID): „Der deutliche Rückgang der eröffneten Insolvenzen zeigt, dass auch Unternehmen durch die Aussetzung der gesetzlichen Regelungen geschützt werden, die nicht Pandemie-bedingt in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten sind.“

Diese Fehlentwicklung müsse vor allem im Interesse der Gläubiger, zu denen auch die Arbeitnehmer der betroffenen Unternehmen gehören, korrigiert werden. Jede zeitliche Verzögerung gefährde die Sanierungschancen und damit den Unternehmens- und Arbeitsplatzerhalt.

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Über den Autor

 Viktoria Hahn

Viktoria Hahn

Volontärin des Newsdesk von »kfz-betrieb«, Vogel Communications Group GmbH & Co. KG